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Schlimmer als homosexuell geht’s nicht

Wie die Scientology-Sekte mit Andersliebenden umgeht

Sie war eine ranghohe Scientology-Funktionärin, arbeitete mit John Travolta und coachte die Kinder von Tom Cruise und Nicole Kidman, während die Schauspieler sich trennten. Ihre Karriere kam zu einem jähen Ende, als sie dabei erwischt wurde, wie sie eine Frau küsste. Danach verbrachte sie drei Jahre in einem Gefängnis der Sekte. Gegenüber der Daily Mail berichtet Nora Crest nun über die „entsetzlichste Zeit meines Lebens“. Demnach wurde sie herumgeschubst, geschlagen, erniedrigt, gefoltert – „nur weil ich mich erdreistet habe, eine andere Frau zu begehren“.

Irgendwann glaubt man, dass man ein wertloses Stück Scheiße ist

Gemäß Scientology-Gründer L. Ron Hubbard ist Homosexualität eine Krankheit und muss geheilt werden. Etwas wertloserer als Homosexuelle kennt die Sekte nicht, sagt Nora. Nachdem sie erwischt worden war, als sie eine andere Frau küsste, wurde sie in ein geheimes Lager in Südkalifornien geschickt. Dort wurde sie jeden Tag in jeder Minute von Hunderten Leuten ganz genau beobachtet. Wenn sie auf Toilette ging, wurde sie von fünf Leuten begleitet. Sie durfte nur sprechen, wenn man sie ansprach. Sie musste mit über 30 Frauen in einem Zimmer schlafen, in dem es Wanzen und Kakerlaken gab. 80 Stunden in der Woche musste sie arbeiten und hatte kaum Pausen. Wer zu langsam arbeitete, wurde gefoltert. „Wir wurden mit Eiswasser übergossen und man schrie uns an, was wir für ein Abschaum seien.“ In diesen abstoßenden Bedingungen, so Crest, glaube man irgendwann, dass man es verdient habe und dann man „ein wertloses Stück Scheiße“ ist.

Sie konnte sich befreien, indem sie aus Verzweiflung eine Flasche Bleichmittel trank und ins Krankenhaus kam. Bevor sie entlassen wurde, musste sie schriftlich erklären, dass sie nicht schlecht über die Scientology-Sekte sprechen würde. „Es war mir egal“, sagt Nora. „Ich wollte nur noch nach Hause.“

Schweigen heißt Zustimmung, und ich weigere mich, zuzustimmen

Aufgrund der Scientology-Haltung gegenüber Homosexualität haben prominente Mitglieder wie der oscarprämierte Drehbuchautor und Regisseur Paul Haggis („Million Dollar Baby“) die Sekte verlassen.

Scientology homophob

Paul Haggis im Jahr 2006 (Foto: Imago/Picture Perfect)

Seinen Ausstieg 2009 begründete er mit der Unterstützung der Sekte für die „Proposition 8” – ein Zusatz in der kalifornischen Verfassung, der eine Gleichstellung von Hetero- und Homo-Ehen untersagen sollte. Er könne nicht mehr einer Organisation angehören, „die die Diskriminierung von Homosexuellen toleriert.” Haggis schrieb damals: „Die Haltung der Kirche, die sich von den Aktionen von Fanatikern, Heuchlern und Schwulenhassern nicht distanziert, ist feige. Schweigen heißt Zustimmung – und ich weigere mich zuzustimmen.”

Dass man auch bei anderen Sekten und Religionsgemeinschaften auf Anhänger von sogenannten Konversionstherapien trifft, zeigt dieses Beispiel aus der Katholischen Kirche.

Titelbild: Imago/Schöning (Unser Bild zeigt die Scientology-Niederlassung in Berlin-Charlottenburg.)


24 Kommentare

  1. Destruktive Gruppen Erkennen

    Vor Scientology und ihrer kruden und totalitären Herrenrasse-Ideologie muss immer wieder gewarnt werden. Das System ist ein vorsätzlich herbeigeführtes Lenken in eine Parallelwelt. Es kommt zu einem radikalen Persönlichkeitswandel und häufig zu einem kompletten Bruch mit dem bisherigen Lebensweg. Die Person wird ohne es zu bemerken Schritt für Schritt einen Weg geführt, Interessen zu dienen, die ihr selbst schaden. Dabei wird ihr die Illusion von Freiheit und Verbesserung vermittelt, während jeder zum Feind gemacht wird, der versucht, sie daraus zu befreien oder ihr die Augen zu öffnen. Anhänger werden darauf gedrillt, jede Kritik für unwahr zu halten. Mit den Kursen, dem Training und den Auditing wird die Denkweise von Scientology geformt, immer wieder bestätigt, stabilisiert und versiegelt – es ist geistige Versklavung. Anhänger werden schier unbegreiflich abhängig gemacht, womit sie gewillt sind, alles für Scientology zu opfern und die Organisation zu verteidigen. „Ich war 34 Jahre lang in einer Sekte. Jeder konnte das sehen. Ich begreife nicht, warum ich es nicht konnte“, sind die mahnenden Worte von Oscar-Preisträger Paul Haggis. Scientology wirkt auf den ersten Blick harmlos, darum ist es wichtig, sich zu informieren … denn niemand ist vor ihren raffinierten Rekrutierungsmethoden sicher.

  2. SunnyBoy

    Scientology ist a) keine Religion b) keine Kirche und am wichtigsten c) menschenverachtend und zerstörerisch. Wir können alle mithelfen, die Verbrechen von Scientology aufzudecken. Die Menschenrechtsverletzungen und Schikanen gegenüber ihren Mitgliedern, wie sie Familien zerreißen und ihnen ihr Geld bis zum völligen Bankrott wegnehmen. Je mehr solche Geschichten an die Öffentlichkeit kommen, desto höher sind die Chancen, dass Mitglieder das System in Frage stellen und austreten.

  3. Rolf Michael Kiesen

    Scientology ist ein typisch amerikanisches Phänomen; man strotzt vor Unbildung und hat weder von Biologie, noch von antiker Geschichte eine Ahnung. Dennoch gibt es in den USA eine sehr vitale gay scene. Michael Kiesen, Autor u.a. Roman „Hollywood Boulevard”

  4. Georg Seeber

    Benjamin Mietzon
    Ich finde es Perfider wenn sich eine Sekt so Organisiert, das Sie schon Babys mit der Taufe Indoktrinieren, ein Erwachsener ist für sich selbst verantwortlich und weiß was diese Sekte mit ihnen anstellt, es sind alles Sekten, egal wie sich schimpfen Moslems Christen Juden, Gehirnwäsche ist bei allem Programm, nur das die Scientology hauptsächlich Erwachsene benutzt, und das ist das humanste,

  5. Franz Stockmeier

    Diese Sekte, die sogar schon Todesfälle die vertuscht werden sollten verursacht hat, sollte verboten werden. Hochgradig menschenverachtend, rassistisch und mit Hilfe von Gehirnwäsche und psych. Druck verblödend – bis hin ur Selbstaufgabe….


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