Senegal Strassenszene Sammeltaxi in Mbacke

Senegal: Sicheres Herkunftsland?

An einer Universität in Senegals Hauptstadt Dakar machen Studenten Jagd auf einen Schwulen

Im letzten Oktober hatte der Präsident des Senegal, Macky Sall, gesagt, sein Land sei noch nicht soweit, dass man Homosexualität entkriminalisieren könnte, die Vorurteile innerhalb der Gesellschaft säßen zu tief. Diese Woche haben Studenten in der Cheikh Anta Diop University in Senegals Hauptstadt Dakar einmal mehr bewiesen, dass er damit wohl recht hat. Augenzeugen beschrieben erschreckende Szenen.

Sie „würden ihn töten“, wenn sie seiner habhaft werden würden

Nachdem ein Mann angeblich einen anderen Mann in den Duschen der Universität bedrängt hatte, zog ein Mob aus anderen Jungen Männer über den Campus der Universität, schrie „Komm raus, du Homosexueller“ und verspachen dem Mann, der in das Büro des Universitäts-Sicherheitsdienstes geflohen war, sie „würden ihn töten“, wenn sie seiner habhaft werden würden. Ein Sicherheitsbeamter beschrien es gegenüber französischen Medien so: „Die Menge wollte, dass er rauskommt und es kaum zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen ihnen und dem Sicherheitspersonal. Sie hatten sich in der Nähe eines Cafes und rund um eine Bank versammelt. Die Leitung der Bank beschloß, ihr Personal zu evakuieren, bis die Polizei eingetroffen war. Die Polizei schoß mit Tränengas in die Menge, so dass der junge Mann das Gebäude verlassen konnte.“ Nachdem der Mann so fliehen konnte, zerstörten die Angreifer wütend den Eingangsbereich der Bank und einen Geldautomaten und zogen weiter über den Campus, wo sie andere Gebäude „plünderten“. Sie beschwerten sich lautstark darüber, dass das Sicherheitspersonal dem „Homo“ geholfen hatte, zu entkommen.

Für deutsche Politiker ist Senegal ein „sicheres Herkunftsland“, auch für LGBTI.

Laut dem Sicherheitsbeamten war es das erste Mal, dass Studenten die Sicherheitskräfte angegriffen haben. So etwas hätte es vorher nicht gegeben. LGBTI*-Aktivisten im Senegal sehen das ganz anders. Djamil Bangoura, Präsident der Menschenrechtsorganisation Prudence sagte Medienvertretern: „Es ist nicht das erste Mal, dass jemand an der Cheikh Anta Diop University dafür dass er angeblich schwul ist von einem Mob angegriffen worden ist. Seit 2002 gab es neun ähnliche Vorfälle. Diese Männer werden nie angegriffen, weil sie berwiesenermaßen homosexuell sind. Ein bloßes Verdachtsmoment reicht völlig, um Unruhen auszulösen.“ Einvernehmliche Homosexualität wird im Senegal mit bis zu fünf Jahren Gefängnis und 1,5 Millionen CFA-Franc Geldstrafe geahndet. Für deutsche Politiker ist Senegal ein „sicheres Herkunftsland“, auch für LGBTI.

Warnung: Für einige Leser könnte das Video als Trigger wirken. Wir wollen es trotzdem zeigen.

Bild: IMAGO/Friedrich Staerck


1 Kommentar

  1. Rolf Michael Kiesen

    Nach der Rechtsprechung wird Verfolgung wegen Homosexualität als Asylgrund anerkannt. Im Übrigen ist Senegal ein moslemisches Land, sodass aggressive Homophobie symptomatisch ist. Michael Kiesen, Autor u.a. Roman „Halbmond über Berlin“


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