Südafrika: Wir sind mutig

... und deshalb schützen wir uns

Ein Abendessen. Dann steht einer der Männer auf, zieht seinen Freund an der Krawatte zu sich – und küsst ihn. Dazu ertönt „Also sprach Zarathustra” von Richard Strauss. Der Vater kann seinen Augen kaum trauen. Dennoch wagen es die beiden, sich zu outen. Denn sie sind mutig genug, zu ihrer Homosexualität zu stehen. Die Message: Deshalb sollten sie auch mutig genug sein, sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen.

Der Clip ist Teil der südafrikanischen Kampagne „We The Brave”. Doch anscheinend ist der schwule Kuss für einige zu heikel. „Ein paar Werbenetzwerke finden das Video zu riskant, um es zu platzieren, und haben es deshalb geblockt”, erzählt Nyiko Beguin vom Kampagnenteam MÄNNER.

Unterstützung von der Elton John AIDS Stiftung

Dabei ist das Kuss-Video noch das harmloseste. In einem anderen Clip sieht man einen Mann, der in einem Sling hin und her schaukelt. Wer mutig genug ist, darin zu schwingen, der sollte seinen Arsch auch zum HIV-Test schwingen, lautet die Botschaft.

Solche Videos sind neu in Südafrika. Denn „We The Brave” ist die erste Gesundheitsaktion, die sich speziell an Männer richtet, die Sex mit Männern haben. Sie wird geleitet vom Anova Health Institute, das sich in Südafrika für die HIV- und AIDS-Aufklärung einsetzt. Die Elton John AIDS Stiftung unterstützt „We The Brave”. Neben dem Video gehört auch eine umfassende Webseite zur Kampagne. Sie beantwortet alle möglichen Fragen rund um HIV, gibt Tipps und bietet die Möglichkeit, anonym mit Experten in Kontakt zu treten.

Widerspruch: Liberale Gesetze, konservative Gesellschaft

HIV und AIDS sind nach wie vor in Südafrika ein großes Problem. Schätzungen zufolge leben im fünftgrößten Land Afrikas mehr HIV-positive und an AIDS erkrankte Menschen als in jedem anderen Land der Erde, insgesamt rund 6,3 Millionen. Die HIV-Rate unter Erwachsenen liegt bei 19,1 Prozent. Gleichzeitig investiert Südafrika rund eine Milliarde Dollar jährlich in seine HIV/AIDS-Programme, die zu den größten weltweit gehören.

Etwa 10 Prozent der schwulen Südafrikaner sind HIV-positiv. Obwohl das Land zu den fortschrittlichsten gehört, was LGBTI-Rechte angeht, leiden schwule Männer oft unter Diskriminierung und Ausgrenzung. 2006 war Südafrika der erste Staat in Afrika und der fünfte der Welt, der die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare öffnete. Gleichzeitig sprechen sich 63 Prozent der Bevölkerung gegen homosexuelle Partnerschaften aus.

Titelfoto: Screenshot

 


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