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Weltbank gegen Diskriminierung

Präsident Jim Yong Kim: Wir vergeben keine Kredite an LGBTI-feindliche Länder

Die Weltbank vergibt ihre Kredite vor allem an Entwicklungs- und Schwellenländer, um Armut zu bekämpfen und deren wirtschaftliche Entwicklung voranzubringen. Dabei gibt es allerdings seit zwei Jahren ein klares Ausschlusskriterium: Homophobie und LGBTI-feindliche Gesetze. Auf einer Wirtschaftskonferenz die heute parallel in London, New York und Hong Kong stattfand, erklärte Weltbank-Präsident Jim Yong Kim, warum ihm diese Firmenpolitik auch ein persönliches Anliegen ist.

Viele Menschen haben mir seinerzeit gesagt, ich sei verrückt, weil ich das tat. Viele meiner Mitarbeiter waren gegen die Maßnahme.

Er sagte: „2014 hatte das Parlament in Uganda ein Gesetz verabschiedet, das noch drakonischer war, als die vorher existierenden Gesetze gegen Homosexualität. Es sah vor, Homosexualität mit lebenslangen Gefängnisstrafen zu bestrafen, und machte es außerdem zur Pflicht, dass Menschen andere Menschen, von denen sie annahmen, sie könnten homosexuell sein, anzeigten. Gleichzeitig waren wir ganz kurz davor, einen 90 Millionen Dollar Kredit an Uganda zu vergeben, mit dem der Aufbau von Kliniken bezahlt werden sollte. Ich bin selbst Mediziner, habe als Arzt gearbeitet und mir war die Sache wichtig … aber, nachdem wir uns die Sache nochmal angesehen hatten, wurde schnell klar, dass die Kliniken wahrscheinlich zu einem Ort werden würden, an dem LGBTI zusätzlich Diskriminierung ausgesetzt sein würden, weil das Personal verpflichtet wäre, sie anzuzeigen. Wir hätten Menschen so zusätzlich in Gefahr bringen können. Also haben wir die Kreditvergabe gestoppt. Viele Menschen haben mir seinerzeit gesagt, ich sei verrückt, weil ich das tat. Viele meiner Mitarbeiter waren gegen die Maßnahme. Damals gab es 81 Länder weltweit mit vergleichbaren Gesetzen. Sollten wir keinem von denen je wieder einen Kredit anbieten können? Wir dürfen nicht politisch handeln, aber das ist es auch nicht, was wir hier tun. Wir richten uns nach einem einfachen Prinzip: Wenn etwas das wir tun, zu zusätzlicher Diskriminierung führt, oder dazu, dass Menschen direkt in Gefahr gebracht werden, lassen wir es. Müssen wir nicht einfach so handeln?”

Die Ugander waren ungeheuer wütend deswegen, aber ich habe unserem Vorstand erklärt, warum es wichtig ist, dass wir das so durchziehen.

Und weiter: „Es gab eine Menge Länder, die Uganda öffentlich verurteilt haben, aber das Geld floss weiter. Wir waren die einzigen, die den Geldhahn zugedreht haben. Die Ugander waren ungeheuer wütend deswegen, aber ich habe unserem Vorstand erklärt, warum es wichtig ist, dass wir das so durchziehen. Es gab Bedenken, was das für unser zukünftiges Geschäftsgebaren bedeuten würde. Ich kann nur sagen: Die Entwicklung war explosionsartig, uns geht es wunderbar. Das Gesetz in Uganda ist abgeschafft, es wurde als verfassungswidrig eingestuft. Gut so. Die positivste Erfahrung war allerdings, dass der Finanzminister eines Entwicklungslandes zu mir kam und um ein persönliches Treffen bat. Ich hatte keine Ahnung, worum es dabei gehen sollte. Er ließ mich wissen, sein Premierminister hätte ihn beauftragt, mir auszurichten, dass, ja, es sei ein hartes Anti-LGBTI-Gesetz im Parlament dieses Landes in Vorbereitung. Aber, er würde definitiv sein Veto einlegen, das Gesetz würde abgeschmettert, ich sollte mir keine Sorgen machen.”

Es ist wichtig, das wir unsere LGBTI-Mitarbeiter genauso behandeln wie unsere heterosexuellen Kollegen.

Er fuhr fort: „Ich musste mich für all das weit aus dem Fenster lehnen und die Regeln der Institution für die ich arbeite, soweit dehnen, wie ich nur konnte. … Eine der Sachen die wir jetzt einführen wollen, ist, schon in den Kreditverträgen Abschnitte zu haben, in denen festgelegt wird, dass Diskriminierung und Homophobie in den Empfängerländern nicht toleriert werden und ein Hinderungsgrund für die Kreditvergabe sind. Eine neue Idee, die noch nicht durch ist – der Laden für den ich arbeite ist 70 jahre alt und manchmal muss ich geduldig sein – am Ende entscheidet der Vorstand. Aber, ich bin optimistisch. Die Sätze müssen in die Verträge und wir müssen genau hinschauen, wozu unsere Gelder und ihr Einsatz führen können.” Außerdem sprach Jim Yong Kim über firmeninterne Politik: „Natürlich wollen wir gleichgeschlechtlichen Paaren überall in unserer Organisation die gleichen Rechte wie heterosexuellen Paaren einräumen. Was nicht immer einfach ist. Wir verhandeln aggressiv mit bestimmten Ländern, um das möglich zu machen. Es ist wichtig, dass überall in unseren Büros die gleichen Standards für alle gelten, egal wo sie sich befinden. Manchmal muss man dafür Umwege gehen und informelle Regelungen finden, aber es ist wichtig, dass wir unsere LGBTI-Mitarbeiter genauso behandeln wie unsere heterosexuellen Kollegen.”

Bild: Imago/Agencia EFE

 


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