Guido Westerwelle der Politiker und ehemalige Bundes Aussenminister ist heute am 18 03 2016 an de

Westerwelle: „Die Liebe bleibt”

Zum Tod von Guido Westerwelle führen manche Politiker posthum die Ehe für alle ein

„Insbesondere gilt meine Anteilnahme natürlich seinem Mann, Michael Mronz“, sagte die Kanzlerin. Grünen-Chef Cem Özdemir erklärte: „Wir trauern mit seinem Mann und seiner Familie!“ Auch der Vertreter der katholischen Bischöfe in Berlin, Prälat Karl Jüsten, ließ anlässlich des Todes von Guido Westerwelle wissen: „Meine Gedanken sind bei seinem Lebenspartner Michael Mronz und seiner ganzen Familie.“ Auf der Webseite der Westerwelle Foundation erschien ein gemeinsames Foto mit seinem Partner – mit den Worten: „Wir haben gekämpft. Wir hatten das Ziel vor Augen. Wir sind dankbar für eine unglaublich tolle gemeinsame Zeit. Die Liebe bleibt. Guido Westerwelle und Michael Mronz, Köln, den 18. März 2016″.

Westerwelle tot

Guido Westerwelle und Michael Mronz (Foto: Westerwelle Foundation)

„Der Tod von Guido Westerwelle tut vielen weh, auch mir”

Es gibt kaum eine Kondolenzbotschaft, die nicht ausdrücklich den Partner von Guido Westerwelle berücksichtigt. Auffällig übrigens: Während es schöne Sitte und ein Merkmal für eine humane Zivilgesellschaft ist, dass auch politische Gegner wie etwa die Grünen oder Die Linke Tribut zollen (Gregor Gysi auf Facebook: „Der Tod von Guido Westerwelle tut vielen weh, auch mir)“, ist von der Alternative für Deutschland, AfD, nichts zu hören oder zu lesen. Nun, vielleicht ist das besser so.

Einige meinen es in ihren Statements besonders gut und machen Westerwelle posthum zum Ehemann von Michael Mronz

Dass Mronz in die große Anteilnahme einbezogen und hervorgehoben wird, ist schön und gut so und zeugt von der Normalität, mit der Deutschland im Jahr 2016 mit der Tatsache umgeht, dass Männer manchmal Männer lieben und Frauen auch mal Frauen. Einige meinen es in ihren Statements besonders gut und machen Westerwelle posthum zum Ehemann von Michael Mronz.

„Meine Gedanken und meine Anteilnahme sind bei seinem Ehepartner Michael Mronz“, sagte Westerwelles Vorgänger und Nachfolger als Außenminister, Frank-Walter Steinmeier (SPD) gestern. Charlotte Knobloch, die langjährige Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses, teilte mit: „Unser Mitgefühl gehört seinem Ehemann Michael Mronz, seiner Familie und allen, die ihm nahestanden.” Auch der Sender RTL sprach in den Nachrichten und auf seiner Webseite mal von Lebensgefährte, mal von Ehemann, als seien das Synonyme. Semantisch ist das sicher wahr – rechtlich eben nicht.

Westerwelle tot

2009: Fraktionschef Gysi (Die Linke) gratuliert dem neu ernannten Außenminister Westerwelle

Wir wollen nicht kleinlich sein, am Tag nach Westerwelles Tod. Lasst uns von Ehemann, Ehepartner, Ehegatte oder Gemahl sprechen. Die Sprache ist reich und offen. Die deutsche Politik ist es nicht. Genauer gesagt: Die Union ist es nicht, die nach wie vor Schwulen und Lesben in Deutschland die gleichen Rechte verweigert. Möge sie nun endlich dafür sorgen, dass ein „Lebenspartner” und ein „Ehemann” auch de fakto und de jure dasselbe ist. (In den Köpfen der Menschen – das zeigt sich gerade jetzt wieder – ist es längst dasselbe.) Dass wir eine „schwule Hochzeit” nicht nur aus Nachlässigkeit so nennen und damit verschleiern, dass es eben nur eine Verpartnerung ist, sondern weil Heiraten endlich für alle Menschen in Deutschland möglich sein muss, die einander lieben und füreinander Verantwortung übernehmen wollen.

Entweder man kann in der CDU-nahen Stiftung nicht rechnen oder man will die Lebenspartnerschaft als Erfolgsmodell verkaufen

Die Konrad-Adenauer-Stiftung behauptet übrigens in ihrem neuen Leitfaden „Deutschland. Erste Informationen für Flüchtlinge“, dass „fast die Hälfte“ aller homosexuellen Paare verpartnert sind. Das Statistische Bundesamt spricht von 35.000 gleichgeschlechtlichen Paaren, die in einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft leben (Stand 2013). Entweder man kann in der CDU-nahen Stiftung nicht rechnen oder man will die Lebenspartnerschaft als Erfolgsmodell verkaufen (um die Ehe nicht öffnen zu müssen).

Nicht allein eine sprachliche Spitzfindigkeit

Es ist nicht allein so, dass schwule Paare in Deutschland gemeinsam keine Kinder adoptieren können – und dass sie eben keine Ehe schließen, sondern eine „Eingetragene Lebenspartnerschaft“ eingehen. Das ist nicht bloß eine sprachliche Spitzfindigkeit. „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung“, heißt es in Artikel 6 Abs. 1 im Grundgesetz – der Lebenspartnerschaft aber bleibt der besondere verfassungsrechtliche Schutz weiter versagt.

Große Koalition wollte rechtliche Regelungen beseitigen, die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften schlechter stellen

Es gibt noch etliche absurde Unterschiede etwa im Sprengstoffgesetz. Im Todesfall kann ein Ehepartner die Erlaubnis zum gewerblichen Umgang mit explosiongefährlichen Stoffen erben. Michael Mronz könnte das als Lebenspartner Westerwelles nicht (ob der ehemalige Außenminister in dieser Hinsicht überhaupt etwas zu vererben hat, wissen wir nicht). Dabei heißt es im aktuell gültigen Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD: „Rechtliche Regelungen, die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften schlechter stellen, werden wir beseitigen.“

Beim Umgang mit Flüchtlingen wie auch bei der Gleichstellung von Schwulen handelt es sich um Menschenrechte

Es ist noch einiges tun – denn an den Landesgrenzen macht die Benachteiligung nicht halt. Wenn ein verpartnertes Männerpaar aus Deutschland in ein Land zieht, das die Ehe geöffnet hat wie etwa Frankreich, wird ihre Lebenspartnerschaft dort mit dem „Pacte civil“ gleichgestellt, der französischen eingetragenen Partnerschaft. Um aber in Frankreich die Rechte eines Ehepaares zu bekommen, müsste das Paar noch einmal heiraten. Geht aber noch nicht, denn dafür haben die Männer ledig zu sein. Dies müsste ihnen eine deutsche Behörde bescheinigen. Das geht aber erst, wenn sie sich scheiden – ent-partnern – lassen.

Die Ehe-Öffnung spart Geld

Für alle, die jetzt erwidern, Deutschland habe gerade andere, drängendere Probleme: Wenn es danach geht, wird es nie etwas mit der Öffnung der Ehe. Irgendwas ist immer. Und nebenbei: Beim Umgang mit Flüchtlingen wie auch bei der Gleichstellung von Schwulen und Lesben handelt es sich um Menschenrechte. Zugegeben: Von der Öffnung der Ehe hängen keine Menschenleben ab. Aber: Während in der Flüchtlingsfrage Lösungen gesucht werden müssen, die mit den europäischen Partner abzustimmen sind, liegt die Antwort bei der anhaltenden Benachteiligung von Homosexuellen längst auf dem Tisch. Sie lässt sich einfach umsetzen und spart obendrein noch Geld, wie der frühere Bundesanwalt Manfred Bruns im MÄNNER-Interview erklärt.

Titelbild: Imago/APress


7 Kommentare

  1. Dirk Beilfuß

    Scheiss Doppelmoral .
    Die beiden waren Mann und Mann ……tragisch , dass es politisch nicht möglich ist , das auch offiziell durchzusetzen . Tragisch ist , dass die Verantwortlichen(!!!) so tun , als wäre die Gleichstellung selbstverständlich . Verlogenes Gesocks ……Wiedermal

  2. Armin Wolf Grabs

    Schön, niedergemeiert.de, wie sie die eigenen Worte Kauch Michael in den Mund legen. Er wies lediglich darauf hin, dass es manchmal geboten sei, nicht aus allem eine politische Debatte zu machen, sondern eben auch aus Respekt einfach dennoch das Wort Mann oder Ehemann zu verwenden. Aber wie üblich verstehen Sie natürlich alles nur, wie es Ihnen gerade in den Kram passt.


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