Beni Mellal

Zwei Männer in Marokko misshandelt

Erst wurden sie beim Sex erwischt, dann brutal geschlagen und von den Tätern gefilmt. Ein Opfer wurde verhaftet und zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Der andere Mann ist auf der Flucht.

In Marokko sind am vergangenen Wochenende zwei schwule Männer beim Sex in ihrer Wohnung überfallen und schwer misshandelt worden. Von der Misshandlung haben die Täter ein Handyvideo gemacht, auf dem man sieht, dass ihre Opfer nackt und blutüberströmt sind, sich nur mit einem Bettlaken versuchen zu bedecken und geschlagen werden. Im Video sieht man außerdem, wie die Täter versuchen, die beiden Männer nackt auf die Straße zu schleifen. Der Vorfall soll sich in Beni Mellal ereignet haben, ungefähr 200 Kilometer südöstlich von Casablanca. Verhaftet wurde im Zusammenhang mit der Tat: eines der Opfer!

Darauf machten mehrere marokkanische Aktivistengruppen aufmerksam, die sich für Menschenrechte in dem nordafrikanischen Land einsetzen. Ihren Meldungen zufolge soll es sich bei den Tätern um fünf Männer mit Messern gehandelt haben, die in der Nachbarschaft der beiden Opfer wohnen. Die Täter posteten das Video höchstselbst auf sozialen Netzwerken, als abschreckendes Beispiel für andere Homosexuelle, die damit eingeschüchtert werden sollen und abgeschreckt von solch „sündigem Verhalten“.

Das zweite Opfer ist laut Aktivistengruppen auf der Flucht. Denn: Homosexuelle Handlungen sind in Marokko verboten. Weswegen das verhaftete Opfer jetzt zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Das verkündetet die Huffington Post in ihrer marokkanischen Ausgabe.

Dass die Strafe vergleichsweise mild ausfiel – zur Erinnerung: letzten Monat wurden Hamza M. und Osman A. wegen homosexueller Handlungen zu einer 18-monatigen Haftstrafe und einer Geldstrafe in der Höhe von 2.000 Dirham, etwa 190 Euro, verurteilt – liegt daran, dass der Mann nicht wegen sexueller Delikte abgeurteilt wurde, sondern wegen „Misshandlung mit daraus resultierender Verletzung“. Das Urteil basiert auf Zeugenaussagen der Täter.

Neu an dem Fall sind vor allem die Reaktionen, speziell die der marokkanischen Öffentlichkeit. Viele Menschen haben ihre Abscheu über die religiös motivierte Tat und die Misshandlungen mit Posts auf Facebook ausgedrückt.

Verschiedene Menschenrechtsorganisationen fordern, mit Unterstützung breiter Teile der Bevölkerung, die Polizei auf, die misshandelten Männer nicht strafrechtlich zu verfolgen.

Gestern gab die spanische Enklave Melilla bekannt, dass sie seit 2015 insgesamt 77 homosexuellen Männern aus Marokko Asyl gewährt hat. Der marokkanische Ministerpräsident Abdelilah Benkirane ließ derweil verkünden, dass niemand das Recht in eigene Hände nehmen dürfe und dass diejenigen, die es dennoch tun, schwer bestraft würden. Umso erstaunlicher, dass die Täter von Beni Mellal allesamt noch frei herumlaufen.

PvdA-Abgeordneter Ahmed Marcouch. (Quelle: www.ahmedmarcouch.nl)

PvdA-Abgeordneter Ahmed Marcouch. (Quelle: www.ahmedmarcouch.nl)

In den Niederlanden – wo es einen großen marokkanischen Bevölkerungsanteil gibt – wurde über den Fall im Staatsfernsehen berichtet. Auch deswegen, weil etliche Parlamentarier drängen, die marokkanische Regierung aufzufordern, mehr für die Sicherheit von LGBTI-Menschen zu tun. PvdA-Abgeordneter Ahmed Marcouch, ein  marokkanischstämmiger Politiker in Den Haag, sagte: „Unser Premierminister muss Marokko darauf ansprechen, allein schon deshalb, weil wir derzeit die Ratspräsidentschaft in der EU innehaben und international eine Verantwortung für Homosexuelle haben.“ Worte, die man von Bundesinnenminister de Maizière sicher nicht hören wird. Der hatte ja unlängst erst im Namen der Bundesregierung erklärt, dass Marokko im Rahmen der aktuellen Flüchtlingskrise als „sicheres Herkunftsland“ einzustufen sei.

Titelbild: Drei Szenen aus dem Tätervideo; YouTube.


70 Kommentare

  1. Oliver Nicklas

    Aber das Problem „Homophobie & Muslime” ist angesichts der enorm großen Anzahl von/ und anderen Konflikten/ Problemen mit denen gesellschaftlich und politisch völlig irrelevant.

  2. Oliver Nicklas

    Aber das Problem „Homophobie & Muslime” ist angesichts der enorm großen Anzahl von/ und anderen Konflikten/ Problemen mit denen gesellschaftlich und politisch völlig irrelevant.

  3. Marcelo Strumpf

    Frank: Ich spreche Menschen nicht ab, dass sie sich verändern können (obwohl ab einem bestimmten Alter die Wahrscheinlichkeit immer geringer wird). Und bedrohliche Tatsachen durch eine rosarote Brille zu betrachten oder an das Gute im Menschen zu glauben, hilft leider auch nicht weiter. Die Geschichte der Menschheit hat das gelehrt. Dream on, baby… 🙂

  4. Marcelo Strumpf

    Frank: Ich spreche Menschen nicht ab, dass sie sich verändern können (obwohl ab einem bestimmten Alter die Wahrscheinlichkeit immer geringer wird). Und bedrohliche Tatsachen durch eine rosarote Brille zu betrachten oder an das Gute im Menschen zu glauben, hilft leider auch nicht weiter. Die Geschichte der Menschheit hat das gelehrt. Dream on, baby… 🙂

  5. Frank Jaspermöller

    Es ist genau umgekehrt. Meine Brille ist glasklar, deine hingegen trüb und wenig hilfreich. An das Gute zu glauben und sich dafür einzusetzen ist das einzige, was weiterhilft. Belassen wir’s dabei ? LG

  6. Ömer Sith Blackwave

    Das zerfetzt Grad mein Herz in 1000 Stücke …
    Ehrlich wieso muss man sowas tun…
    Ich verstehe das ehrlich gesagt nicht…
    Wenn die denken das sie wahre Moslems sind nur weil sie schwule Jungs quälen dann täuschen sie sich richtig! Menschen leid und schmerzen zu füge gehört nicht zu unseren Religionen Boah regt das auf und wegen solche Homophoben werden wir dafür gehasst ..

  7. Joseph Stapf

    Ich habe so eine Wut auf Scheiß-Marokko und die scheiß Religionen ich musste mich von meiner Familie trennen weil ich Schwul bin! (Ps. Keiner braucht mich zu schreiben/erklären was die Wahre Religion ist – ich hasse die ALLE) ( bin selber marokkaner)


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