544446626_1280x720

14 Millionen Tonqui in der Heiratsfalle

80 Prozent aller schwulen Chinesen führen Scheinehen, in denen Frauen leiden, sagen Wissenschaftler

In China stecken laut bestimmten Sexualwissenschaftlern viele Millionen Frauen in der Tonqui-Heiratsfalle: Sie haben unwissentlich eine Ehe mit einem schwulen Mann geschlossen, aus der sie nicht herauskommen. „Mindestens 14 Millionen heterosexuelle Frauen in China sind derzeit, oder waren, in falschen Ehen mit homosexuellen Männern gefangen. Man nennt sie Tonqui”, erklärt Zhang Beichuan, Professor am Medizinischen Institut der Universität Qingdao, der über Homosexuelle, Bisexuelle und Transgender forscht, chinesischen online Medien. „Es erreicht auch die physische und psychische Grenze, die Ehefrauen, die mit homosexuellen Männern verheiratet sind, ertragen können“, so der Wissenschaftler. Das Phänomen ist seit vielen Jahrzehnten bekannt, wird jetzt durch weibliche Emanzipationsbewegungen an die Oberfläche gespült und hat mehrere Ursachen: chinesische Erwachsene stehen unter einem enormen gesellschaftlichen Druck, ab einem bestimmten Alter verheiratet zu sein. Und die cirka 20 Millionen schwuler Männer in China, spüren diesen Druck noch einmal verstärkt.

Der Professor findet das „ehrlos und unmoralisch“, von den Männern, hat allerdings auch keine Antwort darauf, was Schwule denn sonst tun sollten.

Das kann dazu führen, dass sie sich gezwungen sehen, eine Scheinehe einzugehen, um in der Arbeitswelt oder gegenüber ihrer Familie bestehen zu können. Zhang Beichuan sagt, die Frauen würden dabei oft getäuscht und zu einem Leben in Leiden gezwungen. Er zitiert eine 41-jährige Büroangestellte in Changsha, die ihre Situation so beschreibt: „Bevor er es mir gestanden hat, hatte ich keine Ahnung, was zwischen uns passiert war”. Zwei Kinder und zehn Jahre später, war sie bereit, sich einzugestehen, was das Problem war, “Aber wenn wir allein waren, wollte er nicht zu mir kommen oder mich berühren. Ich dachte, ich hätte etwas falsch gemacht. Das war ein schwerer Schlag für mich in den vergangenen zehn Jahren”. Der Professor findet das „ehrlos und unmoralisch“, von den Männern, hat allerdings auch keine Antwort darauf, was Schwule denn sonst tun sollten. China ist homopolitisch kein besonders emanzipiertes Land.

Statt eine heterosexuelle Frau unglücklich zu machen, suchen sich Schwule in Chinas großen Städten längst organisiert Lesben, die sie heiraten und mit denen sie dann Kinder haben.

Aber, es gibt Ansätze dazu. Und Scheinehen spielen eine Rolle dabei. Auf der diesjährigen Berlinale lief der beeindruckende Dokumentarfilm „Inside The Chinese Closet“, der die Situation von Lesben und Schwulen in China beschreibt und ein Phänomen aufdeckt, das viele im Publikum zum Staunen brachte. Statt eine heterosexuelle Frau unglücklich zu machen, suchen sich Schwule in Chinas großen Städten längst organisiert Lesben, die sie heiraten und mit denen sie dann Kinder haben, während sie im Rahmen der Ehe ihre Homosexualität frei ausleben.  Der Film zeigt schwul-lesbische Scheinehe-Märkte, Agenturen für Surrogatmütter, Preislisten für die Adoption Neugeborener und die ständig nörgelnden Eltern, die nicht locker lassen. Denn wissen oft genau, was mit ihren Kindern los ist, sind aber meist noch mehr als die daran interessiert, den gesellschaftlichen Schein zu wahren.

Bild: Sophia Luvarà/Filmstill

Inside the Chinese Closet TRAILER from Sophia Luvara‘ on Vimeo.


0 Kommentare



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close