Andre Poggenburg Spitzenkandidat der AfD Sachsen Anhalt und Bjoern Hoecke Sprecher der AfD Thueri

AFD will „siegen lernen“

Jugendorganisation lotet Bündnismöglichkeiten mit Russlands Rechten aus

Über den Sieg des FPÖ-Kandidaten Hofer gestern im 1. Wahlgang zur Bundespräsidentenwahl in Österreich freut sich auch die Alternative für Deutschland, AfD. „Die Bundesinteressengemeinschaft „Homosexuelle in der AfD“ gratuliert den Österreichischen (sic!) Freunden zu diesem großartigen Wahlsieg!“, ist von ihrem Sprecher Mirko Welsch auf Facebook zu lesen. Und weiter: „Von der FPÖ lernen, heißt siegen lernen.“

AfD FPÖ

Foto: Facebook

Die 1955 gegründete Freiheitliche Partei Österreichs wird schon länger von der AfD hofiert. So war FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache im Februar bei einer AfD-Veranstaltung in Düsseldorf als Ehrengast geladen.

Nicht alles, was einer von uns sagt, ist mit dem anderen abgesprochen

Die AfD ist seit den Wahlerfolgen im März in acht Landtagen vertreten. Man sei bald reif für die Regierungsbank, gab die Bundesvorsitzende Frauke Petry auf dem sächsischen Landesparteitag als Parole aus. Stimmt nicht, widersprachen jetzt die Spitzenfunktionäre Alexander Gauland und Jörg Meuthen. „Ich kann in der Regierung mit anderen, weit Stärkeren, natürlich nicht das umsetzen, was ich in der Opposition fordere“, so der stellvertretende Bundesvorsitzende Gauland gegenüber der FAZ. „Zu klein und zu jung” sei die Partei im Moment noch.

Was die Position seiner Parteichefin betrifft, kommentierte Gauland: „Nicht alles, was einer von uns sagt, ist mit dem anderen abgesprochen.“

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Tritschler (li) und Frohnmaier (re) mit dem Vorsitzenden des Ausschusses für internationale Angelegenheiten innerhalb der Partei Einiges Russland, Robert Shlegel (Foto: Facebook)

Dieses Prinzip gilt offenbar auch in der AfD-Jugendorganisation, der Jungen Alternative. So wurde in der vergangenen Woche bekannt, dass die JA mit der Jugendorganisation der Putin-Partei „Einiges Russland“ zusammenarbeiten wolle. „Wir haben uns über Perspektiven für eine weitere Zusammenarbeit unterhalten“, verkündete einer der beiden JA-Vorsitzenden, der schwule Sven Tritschler via Facebook. Der Spiegel spricht bereits von einem Bündnis mit der russischen „Jungen Garde“. Das wurde jedoch von Tritschlers Co-Vorsitzendem Markus Frohnmaier dementiert. „Wir haben das Gespräch miteinander gesucht und wollten einander kennenlernen. Aber da kann man noch nicht von einer offiziellen Kooperation sprechen”, so Frohnmaier im Gespräch mit dem Magazin jetzt.

Es ist nicht unsere Aufgabe, den Menschen in Russland zu erklären, was unsere Vorstellungen von Menschenrechten sind

Die Junge Garde ist wie die Mutterpartei antiwestlich und homophob ausgerichtet. So erzwang sie etwa die Abschaltung des LGBTI-Hilfsprojekts „Kinder 404”, weil die Online-Beratung gegen das Homo-„Propaganda”-Gesetz verstoße. Frohnmaier gegenüber jetzt: „Es ist nicht unsere Aufgabe, den Menschen in Russland zu erklären, was unsere Vorstellungen von Menschenrechten und Zusammenleben sind.“

Dabei gebe es einiges zu erklären. So hat in der vergangenen Woche erstmals der russische Verfassungsgerichtshof erstmals die Erlaubnis gegeben, sich über eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte hinwegzusetzen. Es ging um die Rechte von Gefangenen. Aus Straßburg, wo der europäische Gerichtshof sitzt, kommen auch wieder Urteil in LGBTI-Fragen.

Ärger für schwulen ESC-Teilnehmer bei Einreise nach Russland

Seit Juni 2013 gilt in Russland ein landesweites Gesetz gegen „Homopropaganda“, das positive Äußerungen über Homosexualität in Anwesenheit von Minderjährigen oder über Medien unter Strafe stellt.

Russland homophob

Hovi-Star singt beim ESC für Israel (Foto: ESC)

Noch ist unklar, ob die Behandlung des schwulen ESC-Teilnehmers Hovi Star als homophober Zwischenfall zu werten ist. Als er kürzlich nach Moskau einreiste, machten sich die Grenzkontrolleure über ihn lustig und zerrissen seinen Pass. Bekannt gemacht wurde dies durch den spanischen ESC-Teilnehmer, Barei, der Zeuge des Zwischenfalls war. Hovi Star sagte dazu in einem TV-Interview in Malta. „Vielleicht haben die Leute in Russland Probleme mit mir, weil ich schwul bin, oder weil ich Make-up trage.“

Titelbild: Imago/Christian Schroedter (Unser Titelbild zeigt die AfD-Spitzenpolitiker Poggenburg und Hoecke nach dem Wahlerfolg in Sachen-Anhalt im März 2016)


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