Armed man

Asyl nur bei Coming-out?

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge lehnt Syrer ab, weil er nicht offen schwul gelebt hat

UPDATE (15.30 Uhr): Die Behörde hat inzwischen den Fehler zugegeben und will den Bescheid aufheben.

In Deutschland gilt Homosexualität nur als Asylgrund, wenn man sie auslebt – und damit sein Leben riskiert. Jedenfalls begründete das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, BAMF, jüngst seinen ablehnenden Bescheid an einen Syrer. Der 24-Jährige stammt aus einer kleinen Stadt in Syrien, wo er seine Sexualität verbergen musste, auch vor seiner Familie. Im März kam er mit einem Studentenvisum nach Deutschland. Als es Ende März auslief, stellte er den Antrag auf Asyl.

Kaum jemand wusste von seiner sexuellen Ausrichtung

Weil er aber seine Homosexualität verborgen hat, „fehle eine konkrete Verfolgungshandlung im Sinne von § 3a Asylgesetz“. Er habe „seine Sexualität […] nicht ausgelebt, und kaum jemand wusste von seiner sexuellen Ausrichtung.“ Das ist sicher richtig. Aber wenn es jemand gewusst hätte, würde er vielleicht jetzt nicht mehr leben. Seit Jahren tötet die Terroroganisation ISIS in Syrien mit grausamer Regelmäßigkeit schwule Männer, indem sie sie von Hochhäusern stößt.

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Das BAMF hat noch mehr Gründe gefunden, den Asylantrag des Mannes abzulehnen. So wird im Bescheid der syrische Staatschef, Bashar al-Assad zitiert – ein Diktator, der sein eigenes Volk mit Krieg terrorisiert –, der sich im tschechischen Staatsfernsehen „dahingehend geäußert“ habe, „dass es sich bei den Bürgerkriegsflüchtlingen bei der Mehrheit um gute Syrer und Patrioten handele. Vor diesem Hintergrund ist nicht generell davon auszugehen, dass alle Syrer, die ihre Heimat verlassen haben, als Regimegegner betrachtet werden.“

Muss der Syrer nun in seiner Heimat zurückkehren? Dort hätte ihm im Fall eines Coming-outs Gewalt in jeglicher Hinsicht gedroht, „körperlich, psychisch, verbal”, sagen Berliner Freunde, bei den der 24-Jährige eine Weile untergekommen war. „Das sagt er jedenfalls und das ist auch leicht nachvollziehbar.“ Lassen wir den britischen Premierminister David Cameron antworten, der im Dezember gesagt hatte, niemand werde „in ein Land zurückkehren, das von einer Organisation kontrolliert wird, die […] schwule Männer von Dächern wirft“.

Der Flüchtling will nun gegen den Bescheid klagen. Die Pressestelle des Bundesamtes war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Wie Flüchtlinge in der Nürnberger LGBTI-Unterkunft sicher leben (MÄNNER-Archiv)

Titelbild: Fotolia


10 Kommentare

  1. Cey Oğuz

    Auch nett.Die Leute bescheissen von Beginn an und kommen mit einem Studentenvisum zu uns- und stellen dann nen Antrag auf Asyl.

    Geht auch nur in D.

  2. Wolfgang Salzmann

    So ein Schwachsinn. Auch der Mann/ die Frau die ihre sexuelle Selbstbestimmung verdeckt wahr nehmen haben bei driheneder Verfolgung ein Anrecht auf Asyl. Hier muss die schwule und lesbische Gemeinde auf die Barikaden gehen.

  3. Cey Oğuz

    Warum sollte ich in ner türkischen Provinz leben? Und was käme mir dann in den Sinn, von dort aus Ein Studentenvisum zu beantragen um dann hier Asyl zu beantragen?

    Kennen wir uns so gut?

  4. Lutz Töffels

    Ich befürchte, das wird sie nicht tun (die Schwul/Lesbische Gemeinde), auf die Barrikaden gehen ! Soviel zur Solidarität unter den Schwulen und Lesben ! Egoistischer Eitelverein…..

  5. Phil Grafe

    Fallbeispiel: Achmed will Asyl und behauptet schwul zu sein obwohl er es nicht ist und anders kein Asyl bekommen würde. Gewiss gäbe es Mittel und Wege den Wahrheitsgehalt dieser Behauptung zu prüfen aber die Abschiebungen dauern eh schon zu lang. Also. Entweder man ist offen schwul und würde deswegen in seinem Ursprungsland gesteinigt, zerhackt oder ähnliches (da drüben nach wie vor gängige Praktiken) oder man verheimlicht es ohne hin und hat somit wenig bis nichts zu befürchten und hat somit kein Anrecht auf Asyl.


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