Entsetzen nach Mord an LGBTI-Aktivist

Julhas Mannan hatte in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka die Rainbow Rally veranstaltet

UPDATE (26.4.2016) Ansar al-Islam, eine Gruppe aus Bangladesch, die dem Terrornetzwerk al-Qaida angehört, bekennt sich via Twitter zum Mord an Julhas Mannan.

Es sei davon abzuraten, selbst in den von Ausländern bevorzugten Wohngebieten nach Einbruch der Dunkelheit zu Fuß auf die Straße gehen. In öffentlichen Verkehrsmitteln wird besondere Wachsamkeit vor Überfällen empfohlen. Die Einfuhr und der Besitz von pornographischen Artikeln jeder Art sind strengstens untersagt. Homosexuelle Handlungen zwischen Männern sind strafbar. – Diese Auswahl an Reisewarnungen aus dem Auswärtigen Amt ergibt das Bild eines Landes, das mit einer hohen Kriminalitätsrate kämpft und dessen – offiziell säkulares – Rechtssystem islamistische Züge trägt. Etwa 90 Prozent der Bewohner Bangladeschs sind Muslime.

Bangladesch schwul

Julhas Mannan (Foto: Facebook)

Am Nachmittag wurde der Chefredakteur des ersten LGBT-Magazins von Bangladesch Rupbaan ermordet, auf eine an Brutalität kaum zu überbietende Weise. Der 35-jährige Julhas Mannan und sein Freund Tanay Mojumdar wurden erstochen und zerstückelt. Wie die Dhaka Post berichtet, gab sich eine Gruppe von Männern als Mitarbeiter eines Kurierdienstes aus, die ein Paket abgeben wollten – das gab ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes des Gebäudes an. Als er eine halbe Stunde später Schreie hörte, ging er nachsehen und wurde selber attackiert. Er wird ärztlich behandelt.

Nachdem sie deren Familien mitgeteilt hatten, dass ihre Söhne schwul seien, wurden sie wieder freigelassen

Mannan hat als Mitglied der Gruppe Rupbaan in der Hauptstadt Dhaka seit 2014 die Rainbow Rally veranstaltet – eine Pride-ähnliche Veranstaltung, die sich für Homo-Rechte einsetzt. Auch in diesem Jahr sollte sie stattfinden, am 14. April, wurde jedoch aus Sicherheitsgründen abgesagt. Islamisten hatten gedroht, die Teilnehmer zu verprügeln. Etwa 60 Demonstranten hatten sich eingefunden, von denen die Polizei vier festnahm. Nachdem sie deren Familien mitgeteilt hatten, dass ihre Söhne schwul seien, wurden sie wieder freigelassen.

„Geschlechtsverkehr wider die Natur“

Bangladesch hält nach wie vor an Artikel 377 des Strafgesetzbuches fest, dem so genannten Antisodomie-Gesetz, das vor über 150 Jahren von der britischen Kolonialmacht eingeführt wurde. „Einvernehmlicher Geschlechtsverkehr wider die Natur“ kann mit bis zu lebenslänglicher Haft bestraft werden. Auch wenn Homosexualität an sich in Bangladesch nicht gesetzlich verboten ist, sind viele LGBT Aktivisten ins Exil gegangen.

Der getöte Mannan war Aktivist und arbeitete für die Entwicklungsbehörde USAID in der US-Botschaft. Ein Sprecher des US-Außenministerium nannte die Tat in einer ersten Stellungnahme „empörend“ und „schockierend“, wie unser Video zeigt. Am Wochenende erst war ein Universitätsprofessor auf der Straße in der Nähe seines Hauses ermordet worden. Auch zwei Ausländer waren unter den Opfern. Anfang des Monats wurde 28-jähriger Blogger getötet – ein Jurastudent, der religionskritische Texte veröffentlicht hatte. Zu vielen Taten bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Regierung bestreitet hingegen, dass der IS im Land aktiv ist.

Sechs in Deutschland lebende Blogger auf Todesliste

Im Herbst war eine Todesliste aufgetaucht, offenbar veröffentlicht durch die islamistische Gruppe Ansarullah Bangla Team, die im Laufe des vergangenen Jahres für mindestens vier brutale Morde an säkularen Bloggern verantwortlich gemacht wird. Auch sechs in Deutschland lebende Blogger sollen auf der Liste stehen. Die Regierung Bangladeschs unternimmt nach Angaben von Reporter ohne Grenzen wenig, um kritische Journalisten und Blogger zu schützen. Stattdessen rief sie diese zur Selbstzensur auf und empfahl ihnen, keine provokanten Artikel zu religiösen Fragen zu veröffentlichen. Auf der Rangliste der Pressefreiheit belegt Bangladesch Platz 146 von 180 Staaten.

Titelbild: Imago


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