„Freude der Liebe” – nicht für alle

Papst will, dass man LGBTI-Menschen mit Respekt begegnet und sie nicht „ungerecht zurücksetzt“. Mehr nicht

Ende Mai findet der 100. Deutsche Katholikentag statt. In Leipzig will sich erstmals auch eine Initiative präsentieren, die sich für LGBTI-Rechte in der katholischen Kirche einsetzt: das Zentrum Regenbogen. „Er wird so bunt wie nie“, schwärmten die Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche, HuK, und das Netzwerk katholischer Lesben vorab. Doch die Aussichten sind trüb. Nur drei Tage nach ihrer Ankündigung erschien heute das nachsynodale Papstschreiben „Amoris Laetitia“ – „Freude der Liebe“. Ein paar Passagen gelten auch Schwulen und Lesben. Ihnen sei mit Respekt zu begegnen, man dürfe sie nicht „ungerecht zurücksetzen“, heißt es darin. Vielmehr sollte man ihnen helfen, „den Willen Gottes in ihrem Leben zu begreifen und ganz zu erfüllen“. Mehr hat Franziskus nicht anzubieten. Aber das hätte uns auch gewundert – gerade in der Woche, in der der Vatikan triumphieren konnte, dass Paris im Streit um den schwulen Diplomaten endgültig aufgibt: Laurent Stefanini, als neuer Vatikan-Botschafter vor einem Jahr nominiert, wird nun stattdessen Unesco-Botschafter.

Enttäuschung für alle, die sich mehr Akzeptanz und Wertschätzung von Lesben, Schwulen, ihren Beziehungen und Familien erhofft hatten

„Das nachsynodale Papstschreiben ist eine Enttäuschung für alle, die sich mehr Akzeptanz und Wertschätzung von Lesben, Schwulen, ihren Beziehungen und Familien erhofft hatten”, kommentiert LSVD-Sprecher Manfred Bruns. In ein paar Zeilen macht das 300-seitige Schreiben klar […] „dass die ‘Freude der Liebe’ für Homosexuelle nicht gilt. Stattdessen soll ihnen geholfen werden, den Willen Gottes ganz zu erfüllen, sprich enthaltsam zu leben und auf Liebe und Sexualität zu verzichten, Umpolungs- und Heilungsangebote inklusive.”

Die katholische Welt ist noch nicht reif

Für die Öffnung der Ehe gebe es jedenfalls „kein Fundament“. Blöd für die Veranstalter des Zentrums Regenbogen, gehört zu doch ihren Schwerpunkten für Leipzig, „dass die Kirche sich für Vielfalt öffnet“ und konkret: „die Segnung lesbischer und schwuler Paare in Gemeinden“. In einer ersten Reaktion auf das Papstschreiben gab sich die HuK recht fromm. Man hätte sich über mehr päpstliche Wertschätzung gefreut – „doch dafür ist die katholische Welt noch nicht reif.“

Papst LGBTI

Markus Gutfleisch (Foto: HuK)

Die Menschen in mehrheitlich katholisch geprägten Ländern wie Irland und Kolumbien, die die Ehe geöffnet haben, sind das längst. Solche Entwicklungen kritisiere der Papst aber, so Bruns, und sorge sich, „dass angeblich Entwicklungsgelder davon abhängig gemacht werden, ob Staaten die Ehe-Öffnung ermöglichen. Das verkennt die Lage komplett. Wo die Frage nach der Konditionalität von Entwicklungsgeldern auftaucht, ging es ausschließlich um strafrechtliche Verfolgung bis hin zur Todesstrafe, um brutale Verfolgung und Gewalt. In vielen Ländern werden die grundlegenden Menschenrechte von Lesben und Schwule wie das Recht auf körperliche Unversehrtheit, Meinungsfreiheit oder das Recht auf Privatsphäre massiv verletzt.” Oftmals legitimiere die katholische Kirche vor Ort strafrechtliche Verschärfungen und trage damit Mitverantwortung für schwere Menschenrechtsverletzungen. „Dagegen hätte sich der Papst verwehren sollen, statt sich über Kritik an Ortskirchen zu empören”, so Bruns.

Titelbild: Imago/ZumaPress

 


7 Kommentare

  1. Rainer von Steht

    Jesus hat eine ohrfeige erhalten , Jesus hat niemand ausgegrenzt, sein weltlicher Vertreter macht das ,ausgrenzen ,diskriminieren, verstoßen, Jesus hat eine ohrfeige erhalten

  2. Oliver Nicklas

    Die heftigen Auseinandersetzungen zwischen Jesus, dem Christus und den Theologen (= den Schriftgelehrten) und Priestern seiner Zeit eskalierten in der Hinrichtung des unerschrockenen Mannes aus Nazareth. Immer wieder und solange er noch dazu in der Lage war, warnte er die Bevölkerung vor seinen späteren Henkern. So heißt es z.B. im Evangelium nach Markus:
    „Es war eine große Menschenmenge versammelt und hörte ihm mit Freude zu. Er lehrte sie und sagte: ´Nehmt euch in acht vor den Schriftgelehrten! Sie gehen gern in langen Gewändern umher, lieben es, wenn man sie auf den Straßen und Plätzen grüßt, und sie wollen in der Synagoge die vordersten Sitze und bei jedem Festmahl die Ehrenplätze haben … und [sie] verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete. Aber um so härter wird das Urteil sein, das sie erwartet`.” (Markusevangelium 12, 37-40; evangelisch-katholische Einheitsübersetzung)

  3. Harry Hirsch

    Aha. Respekt. Na immerhin, wenigstens wird man nicht mehr exkommuniziert und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Da freuen wir uns doch. Wer hätte denn auch etwas anderes erwartet? Der Papst ist der Papst ist der Papst.

  4. Kevin Clarke

    Manchmal wünschte ich mir, in vollem Ernst, es würde mal jemand eine Bombe direkt auf den Vatikan fallen lassen und die Welt befreien von diesem ewigen Gelaber des Altherrenclubs dort. Ein Gelaber, das auch noch in allen Nachrichten dieser Welt wiederholt wird, als wäre es irgendwie wichtig. Dabei wirkt es nur wie ein Echo aus längst vergangenen Zeiten…. wo ich mich frage: wen interessiert das heute noch? (So blöd können doch auch gläubige Katholiken nicht sein, um das ernst zu nehmen. Oder?)

  5. Bernhard Kreiner

    der besucht jedes homophobe arschloch weltweit las mich von so einem arschloch doch nicht verarschen vom bettelorden zum reichsten konzern der welt gewechselt scheiss narzis ist das sonst nix

  6. Dietrich-Nis Schlömer

    wer braucht schon einen Pabst, die Katholiken haben den, und was bringt der euch? Der spielt Halbgott in weiß predigt liebe, aber nur für Hetero Menschen. Läuft aber selbst den ganzen Tag im weißen Kleid, eigentlich ziemlich lächerlich


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