Oct 12 2014 Atlanta GA Atlanta Gay Pride crowds showed jubilant optimism today over recent U

„Wir haben keine Angst”

Mississippi hat ein neues Anti-LGBTI-Gesetz. Aktivisten reagieren schnell und mit Humor

Phil Bryant, der Gouverneur des US-Bundesstaates Mississippi, hat am Dienstag Abend das bislang härteste Anti-LGBTI-Gesetz der gesamten USA unterzeichnet. LGBTI und Geschäftsleute in den gesamten USA hatten ihn vorher eindringlich gebeten, das nicht zu tun. Bryant hätte gegen den Gesetzesentwurf HB 1523 auch sein Veto einlegen können. Es hätte im Senat von Mississippi, der das Gesetz vor zwei Tagen verabschiedet hat, nicht genügend Stimmen von Befürwortern gegeben, um HB1523 trotzdem durchzudrücken. „Ich habe das Gesetz unterzeichnet, um Einzelpersonen und öffentliche und private Organisationen davor zu schützen, dass der Staat sie aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen diskriminieren kann”, so Bryant. Heißt: Privatpersonen, Unternehmen, Behörden und natürlich Kirchen dürfen jetzt offen gegen LGBTI diskriminieren, wenn sie das mit ihren religiösen Überzeugungen begründen, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Konkret sieht das unter anderem so aus:

  • Ärzte und medizinisches Personal können sich weigern, Transsexuelle zu behandeln, auch medizinisch notwendige Abtreibungen vorzunehmen, zum Beispiel wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist, können künstliche Befruchtung ablehnen, oder die psychologische Betreuung bestimmter Patientengruppen verweigern.
  • Die Regierung hat keinerlei Handhabe mehr, wenn kirchliche Organisationen Adoptionen oder Pflegschaften von LGBTI-Eltern ablehnen wollen.
  • Schulen, andere Bildungseinrichtungen und andere Arbeitgeber können Regelungen dazu erlassen, Angehörige welchen Geschlechts welche Toiletten oder Umkleiden benutzen dürfen und wie sich dieses Geschlecht definiert. Dadurch werden vor allem Transsexuelle stark eingeschränkt.
  • Individuen die andere diskriminieren, weil sie glauben”, dass sexuelle Beziehungen nur in einer ehelichen Verbindung von Mann und Frau stattfinden sollten”, werden ausdrücklich vor gesetzlicher Verfolgung geschützt. Ob hiervon auch die Rechte alleinerziehender oder nicht verheirateter Eltern betroffen sind, ist ungeklärt.

Viele Menschen reagierten entsetzt auf die Unterzeichnung, zumal North Carolina, das vor zwei Wochen ein ähnliches Gesetz verabschiedet hatte, inzwischen die wirtschaftlichen Konsequenzen seiner offiziellen Homo- und Transphobie zu spüren bekommt: Paypal hat angekündigt, wegen des Gesetzes hunderte neuer Arbeitsplätze in dem Staat nicht zu schaffen, sondern sie nach Kanada zu verlagern, andere Firmen befinden sich in der Planungsphase ähnlicher Maßnahmen. Kate Ellis, Präsident der LGBTI-Organisatioon GLAAD, sagte nach der Unterzeichnung des Gesetzes: „Gouverneur Bryant riskiert mit diesem aggressiven Anti-LGBTI-Gesetz das Wohlergehen der Bevölkerung von Mississippi und das Ansehen und die wirtschaftliche Stabilität seines Staates. … Wir werden uns nicht davon abhalten lassen, weiterzukämpfen, wir haben keine Angst. Die LGBTI-Community wird nicht aufhören, die komplette Gleichstellung zu fordern, bis sie durchgesetzt ist und jeder in Mississippi das Leben leben kann, das er leben möchte.”

Mississippi

Die Nichtregierungsorganisation „Planting Peace” reagierte am schnellsten und schaltete wenige Stunden nach Verabschiedung des Gesetzes eine riesige Billboard-Werbung fast direkt vor dem Regierungsgebäude in Jackson, der Hauptstadt von Mississippi. „Guys, I said I hate figs, and to love thy neighbor”, steht da neben dem Bild eines genervten Jesus. Was sich ungefähr mit „Leute, ich sagte, ich hasse Schwurbeln, und das ihr euren Nächsten lieben sollt”, übersetzen lässt. Planting Peace-Präsident Aaron Jackson, der erst vor wenigen Wochen eine Regenbogenfahne am Südpol aufgestellt hatte, sagte thenewcivilrightsmovement.com: „Wir wollen mit der Anzeige darauf aufmerksam machen, dass das Anti-LGBTI-Bewegung jeden Tag versucht, schon erreichte Fortschritte wieder rückgängig zu machen.”

Bild: Imago/ZUMA Press/Facebook


6 Kommentare

  1. Tim Alberts

    Sorry ich bin Atheist und mir geht religiöse Spinner am A… Vorbei doch , da steht „Leute ich sagte ICH HASSE SCHWULE and liebt euren nächsten ! Ist das Schitzofreni oder vielleicht wie die Katholische Kirche gegen Verhütung ist, ist aber heimlich Inhaber einer Kondomfabrik !?

  2. Männer Magazin

    Da steht „Ich hasse FEIGEN und habe gesagt, ihr sollt euren Nächsten lieben” („Fags” ist das Schimpfwort für Schwule, Figs das für Feigen, das ist der Witz 😉 )

  3. Männer Magazin

    Da steht „Ich hasse FEIGEN und habe gesagt, ihr sollt euren Nächsten lieben” („Fags” ist das Schimpfwort für Schwule, Figs das für Feigen, das ist der Witz 😉 )


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