Handsome Smiling Gay Couple

Irland: Zwei homosexuelle Ehen pro Tag

Fast 100 Hochzeiten in den ersten sechs Wochen

Der 22. Mai 2015 war ein historischer Tag für die Lesben- und Schwulenbewegung: Zum ersten Mal hat ein Volk per Referendum entschieden, die Ehe für Homosexuelle zu öffnen. Irland hat damit Geschichte geschrieben. Vom 16. November an hieß es dann in der Verfassung offiziell: „Eine Ehe kann nach dem Gesetz zwischen zwei Menschen geschlossen werden, unabhängig vom Geschlecht.”

Das haben die Iren auch fleißig getan: Alleine im Jahr 2015, also in knapp sechs Wochen, haben sich 91 gleichgeschlechtliche Paare das Ja-Wort gegeben. Das entspricht zwei Hochzeiten am Tag. 47 davon waren schwul, 44 lesbisch. Das teilte das Statistikamt in Dublin mit.

Weitere LGBTI-freundliche Gesetze folgten

LGBTI-Aktivisten sehen in der Zahl einen Beleg für die Liebe, das Engagement und die Hingabe derjenigen, die unermüdlich für die Gleichberechtigung gekämpft haben: „Sie erkennen so die Großzügigkeit an, mit der das irische Volk seinen lesbischen oder schwulen Familienmitgliedern, Freunden oder Nachbarn die volle Gleichstellung ermöglicht hat“, sagte Kieran Rose vom Gay and Lesbian Equality Network. „Ich freue mich auf viele, viele weitere lesbische und schwule Paare, die in den nächsten Monaten und Jahren heiraten.“

Seit dem Referendum hat sich in Irland noch mehr getan in Sachen LGBTI-Rechte: Im Juli wurde ein Gesetz verabschiedet, das es Trans*-Menschen ermöglicht, ihr Geschlecht ohne Operation oder ärztliche Beratung offiziell zu ändern. Im Dezember folgte ein Diskriminierungsverbot. Seitdem dürfen kirchliche Schulen und religiös geprägte Krankenhäuser ihre LGBTI-Angestellten nicht mehr benachteiligen.

Gesundheitsminister lässt sich nicht von eigener Homosexualität beeinflussen

Und die guten Nachrichten sind noch lange nicht vorbei: Gerade prüft die für Blutspenden und -transfusionen zuständige Behörde, ob sie das lebenslange Blutspendeverbot für schwule Männer aufhebt. Die letzte Entscheidung hat der Gesundheitsminister Leo Varadkar, der offen schwul lebt. Bis Ende der Woche wird mit seinem Votum gerechnet.

Der 37-Jährige hat jedoch angekündigt, sich dabei nicht von seiner eigenen Homosexualität beeinflussen zu lassen: „Ich will, dass die Leute wissen, dass ich – egal in welcher Angelegenheit – danach entscheide, was ich für das öffentliche Interesse halte. Ich lasse mir meine Entscheidungen nicht von meinem persönlichen Hintergrund oder meiner sexuellen Orientierung diktieren.“

Orientiert sich Irland am nördlichen oder am östlichen Nachbarn?

In Irlands Nachbarländern England, Wales und Schottland gilt aktuell die 12-Monats-Regel: Schwule Männer müssen ein Jahr keusch leben, dann dürfen sie Blut spenden. Erst Ende vergangenen Jahres haben sowohl die Niederlande als auch Frankreich ihr Verbot gelockert und ebenfalls die 12-Monats-Regel eingeführt.

Nordirland beharrt jedoch auf dem dauerhaften Ausschluss schwuler Männer. Dort hat die konservative Democratic Unionist Party jedoch im November auch die Eheöffnung verhindert, obwohl es im Parlament eigentlich eine Mehrheit für die Verpartnerung gab. Es ist also wahrscheinlich, dass Irland den liberalen Weg weitergeht, statt sich am konservativen Norden zu orientieren.

Titelbild: fotolia/Scott Griessel

 


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