Mashrou’ Leila – zu queer für Amman

Kurzfristige Konzertabsage wegen Forderungen nach Meinungsfreiheit und sexueller Freiheit

Mashrou’ Leila ist eine libanesische Rockband (zum Facebook-Profil der Band), die gerade auf Welttournee ist. New York, Chicago und Vancouver stehen auf dem Programm, und nächste Woche spielen sie in Berlin und Frankfurt. Gestern hätten sie in der jordanischen Haupstadt Amman spielen sollen, aber dazu kam es nicht. Denn die Band tritt für religiöse und sexuelle Freiheit ein, und was den Behörden offenbar richtig übel aufstößt: Der Sänger ist schwul. Hamed Sinno, der kürzlich seinen 28. Geburtstag feierte, ist seit Jahren offen schwul und zierte schon das Cover des französischen Homo-Magazins Têtu.

Jordanien schwul

Die Band hat außerhalb ihrer Heimat eine große Fangemeinde. Als sie im Oktober 2013 in London auftrat, war das Konzert so schnell ausverkauft, dass sie eine Zusatzshow spielten. Ihr Konzert gestern in Amman sollte in einem alten römischen Amphitheater stattfinden, und die offizielle Absage – einen Tag vor der Show – lautete: Der Auftritt würde nach Ansicht des Tourismusministeriums die antike Substanz des römischen Theaters gefährden. Tatsächlich hat die Band zuvor schon mehrfach dort gespielt.

Jordanien schwul

Sänger Hamed Sinno (Foto: Promo)

Jordanische Zeitungen berichten jedoch, dass die Politik der Band vorwirft den Teufel anzubeten und dass ihre Botschaft den Werten und Traditionen der jordanischen Gesellschaft widerspreche. Auch die katholische Kirche hatte ihrerseits Druck ausgeübt, weil die Band in einem ihrer Lieder die heiligsten Symbole der christlichen Religion in einem unmoralischen Kontext verwende. Die Gruppe stehe für moralischen Zerfall.

„Nichts anderes als Bücherverbrennung”

Auf einer Pressekonferenz sagte der Sänger dazu: „Wenn Forderungen nach Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit und sexueller Freiheit Teufelsanbetung sind, frage ich Euch, welchen Gott betet Ihr an?” Bei den Fans sorgte die Absage des Konzerts für Frust und Enttäuschung: Eine Band zu verbieten, weil man ihre Ansichten nicht mag, sei nichts anderes als Bücherverbrennung im Mittelalter, schrieb dieser Fan auf Twitter.

tww

In Jordanien ist Homosexualität zwar nicht strafbar, dennoch werden Schwule von der Gesellschaft nicht akzeptiert.

Titelbild: Screenshot


0 Kommentare



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close