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Ermittlungen gegen schwulen Botschafter

Nigeria ermittelt gegen Eric Mayoraz aufgrund seiner anzunehmenden Homosexualität

Um schwule Diplomaten entzündet sich in homofeindlichen immer wieder Streit: Der Erzbischof von Santo Domingo etwa forderte den offen schwulen US-Botschafter in der Dominikanischen Republik auf, sich lieber „auf seine Hausarbeit zu konzentrieren, wo er doch die Frau eines Mannes“ sei. Laurent Stefanini, den schwulen Botschafter-Kandidaten aus Frankreich, ließ der Vatikan ein Jahr lang hängen, bis Paris nun endlich aufgab und den Kanditaten zurückzog. Gegen den schwulen Schweizer Botschafter für Nigeria, Niger und Tschad, Eric Mayoraz, soll nun sogar ermittelt werden.

von Pascal Beck

In Nigeria, in dessen Hauptstadt Abuja der Botschafter residiert, ist Homosexualität gesetzlich verboten. Im christlichen Süden drohen bis zu 14 Jahre Gefängnis für jeden, der seine Homosexualität öffentlich macht, sich für die Rechte gleichgeschlechtlicher Paare einsetzt oder einen Gay Club besucht. Im muslimischen Norden wird das islamische Recht der Schari´a angewandt. Konkret heißt das: In diesen Bundesstaaten kann sogar die Todesstrafe durch Steinigung drohen. Die Hauptstadt Abuja befindet sich im Zentrum des Landes.

Wenn wir ihn für schuldig befinden, muss er sich dem kompletten Zorn des Gesetzes stellen

Mayoraz vertritt die Schweiz seit Oktober 2015 in dem westafrikanischen Staat. „Daily Trust“, ein nigerianisches Journal berichtet, dass er bereits mit einem Mann, einem Brasilianer eingereist sei, den nigerianische Medien „Mr. Carlos“ nennen. Die ersten Kontroversen traten auf, als sich das Paar für die Association of Spouses of Heads of Mission hatte eintragen lassen wollen: Die Organisation soll es Partnern von Botschaftern erleichtern, Kontakte zu knüpfen und sich in ihrer neuen Umgebung wohlzufühlen.

Nigeria schwul

Eric Mayoraz (Foto: EDA)

Da der Schweizer Botschafter jedoch nicht verheiratet ist, lehnte die Organisation ihn und seinen Partner ab. Daraufhin wurde auch das nigerianische Außenministerium auf den Schweizer Botschafter aufmerksam. Akinremi Bolaji, der Sprecher des Ministeriums, in einem Telefoninterview mit der Daily Trust: „Man hat uns offenbar getäuscht. Einer solchen Person hätten wir niemals erlaubt, unser Land zu betreten, wenn wir früher davon gewusst hätten. Wir haben ein Gesetz, das alle befolgen müssen“. Die nigerianische Regierung hat nun eine Untersuchung gegen Mayoraz eingeleitet. Bolaji weiter: „Wenn wir ihn für schuldig befinden, muss er sich dem kompletten Zorn des Gesetzes stellen.“

Mayoraz selbst hat sich bislang noch nicht dazu geäußert.

Die Gesetze Nigerias sind einzuhalten

Auch das Eidgenössische Department für auswärtige Angelegenheiten, EDA, teilte dem Schweizer Journal „20 Minuten“ mit, dass noch keine Erkenntnisse über die Untersuchung der Behörden gegen Mayooraz vorliegen. Die homophobe Gesetzeslage des nigerianischen Staates sei zwar nicht vereinbar mit der schweizerischen Rechtsordnung. Dennoch seien die dortigen Gesetze einzuhalten, wird ein Sprecher der EDA zitiert.

97% der Nigerianer sagen: Homosexuelle sollten verstoßen werden

US-Präsident hatte die nigerianische Regierung im vergangenen Jahr aufgefordert, ihre homofeindlichen Gesetze zu entschärfen. Als Antwort verwies man darauf, dass „Sodomie gegen das Gesetz“ verstoße und in der Gesellschaft als abscheulich empfunden werde. Nach einer Untersuchung des Pew Global Attitudes Project im Jahr 2007 sagten 97% der Nigerianer, Homosexuelle sollten von der Gesellschaft verstoßen werden.

Als Rufus Gifford, US-Botschafter in Dänemark, im Herbst seinen Partner in Kopenhagen heiratete, gab es in der Botschaft eine große Party.

Titelbild: EDA (Unser Titelbild zeigt die Schweizer Botschaft in Nigeria.)

 

 


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