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Osnabrück feiert Gay in May

„Queer durch Afrika“ lautet das Motto der schwul-lesbischen Kulturtage 2016

von Pascal Beck

Auf den ersten Blick hat Osnabrück nicht viel Afrikanisches. Allerdings lag es den Veranstaltern von Gay in May schon immer am Herzen, über den deutschen Tellerrand zu blicken. So wurde bereits 2003 Lutz van Dirk, einem deutsch-niederländischen Autoren, mit dem Rosa Courage Preis ausgezeichnet. 2014 ging er an die russische schwul-lesbische Menschenrechtsgruppe Coming-out. In diesem Jahr sollen Liz Frank und Elizabeth Khaxas, die zwei prominentesten Frauenrechtlerinnen Namibias, geehrt werden. Ihre Arbeit mit der Coalition Of African Lesbians (CAL), bei der es sich um eine Gruppe von mehr als 30 Organisationen in 19 verschiedenen Ländern Afrikas handelt, die für die Rechte lesbischer und bisexueller Frauen sowie Transsexueller vor Ort eintreten, werden die beiden in einer gesonderten Veranstaltung vorstellen.

Außerdem sieht man sich zu dem afrikanischen Kontinent unter anderem auch dadurch verbunden, dass Osnabrück in diesem Jahr mittlerweile zum zehnten Mal das Afrikafestival organisiert. Mit diesem wird ausdrücklich das Ziel verfolgt, ein anderes Bild von dem Kontinent und den Menschen, die ihn bewohnen, zu vermitteln.

Lebenswirklichkeit von LGBTI-Flüchtlingen

In Mauretanien, Sudan, Somalia und Teilen von Nigeria steht auf gleichgeschlechtlichen Sex die Todesstrafe

Ein Gesamtbild von Afrika zu vermitteln, ist bei der Größe des Kontinents selbstverständlich nicht möglich, weshalb man sich vor allem auf die Lebenswirklichkeit von LGBTI-Menschen konzentriert. Denn genau diese Lebenswirklichkeit zwingt etliche von ihnen dazu, ihre Heimat zu verlassen und Asyl in anderen Ländern zu suchen. In den Maghreb-Staaten etwa drohen schwulen Männern Geld- oder Haftstrafen (MÄNNER-Archiv). „In Mauretanien, Sudan, Somalia und Teilen von Nigeria steht auf gleichgeschlechtlichen Sex die Todesstrafe!” – darauf weist Marc Langer, der 1. Vorsitzende von Gay in May hin. Aus Angst vor Verfolgungen leben viele Geflüchtete heute auch unter uns. Auch diese Wirklichkeit ist es, die automatisch eine Verbindung zwischen Afrika und eigentlich jeder deutschen Stadt garantiert. Eine Wirklichkeit, der sich die Veranstalter stellen wollen.

Diese Wirklichkeit wiederum zeigt auch, warum es noch immer genügend Aufklärungsbedarf gibt. Eine Gedenkveranstaltung für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus am Mahnmal an der Dominikanerkirche erinnert daran, wie die Situation für Homosexuelle in Deutschland vor nicht allzu langer Zeit noch aussah, und ein Vortrag über national-konservativen (Hetero-)Sexismus am Beispiel der AfD zeigt, wie die Zukunft aussehen könnte, wenn der Erfolg der Rechtspopulisten anhält.

„Cruising” und ESC-Finale

Zu den Filmhighlights, die in Osnabrück gezeigt werden, gehören „Agnes und seine Brüder” sowie „Cruising”. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, einander bei Partys und Events kennenzulernen, sich auszutauschen und sich zu vernetzen. Und weil der Eurovision Song Contest wie gewohnt in den Mai fällt, gibt es zum Finale am 14. Mai im „Confusion“ ein Public Viewing mit großer Party im Anschluss.

„Ich freue mich, dass seit über 38 Jahren in der Friedensstadt Osnabrück mit der „Gay in May“ eines der bundesweit ältesten Festivals veranstaltet wird, das sich mit schwul-lesbischen Themen auseinandersetzt und um mehr Akzeptanz und Toleranz wirbt”, heißt es in einem Grußwort des Oberbürgermeisters Wolfgang Griesert (CDU).

Das schwul-lesbische Kulturfestival Gay in May in Osnabrück: vom 1. Mai bis 1. Juni. Eine Programmübersicht gibt’s hier: www.gayinmay.de

Titelbild: Gay in May


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