„Dann geh in die Stadt …”

Petula Clark - mit 83 auf Tournee

von Thomas Petersen

Petula Clark ist eine Legende. Die britische Queen der leichten Popmusik ist heute 83 Jahre alt und seit sage und schreibe 73 Jahren im Musik- und Filmbusiness. Schon als 11-jährige bekam sie ihre eigene Radioshow Pet`s Parlor bei der BBC. Filmauftritte und viele Erfolge als Schlagersängerin folgten. Als sie realisieren musste, dass sie ihr Image als Kinderstar in England nicht loswerden konnte, zog sie 1957 kurzerhand nach Frankreich, schloss dort einen Schallplattenvertrag ab und landete mehrere Hits. Ihre ganz große Zeit kam dann aber Mitte der 60er Jahre, als sie eine Zusammenarbeit mit dem britischen Produzenten und Songwriter Tony Hatch startete. Schon ihre erste gemeinsame Produktion „Downtown” wurde ein Welterfolg, bekam 1964 einen Grammy und entwickelte sich über die Jahre zur einer Homo-Hymne.

Bist du allein, weil keine Blicke dich grüßen
Dann geh’ in die Stadt
Downtown
Bist du allein, weil keine Lippen dich küssen
Dann geh’ in die Stadt
Downtown

Vergiß im bunten Neonschein die Stunden deiner Sorgen
Und hör die Großstadtmelodie bis in den frühen Morgen
Sei wieder froh

Tony Hatch und Petula Clark bildeten damals quasi den europäischen Gegenpol zu dem amerikanischen Erfolgsduo Dionne Warwick und Burt Bacharach. Weitere Welterfolge wie „Don’t sleep in the Subway” oder „Sign of the Times” folgten. Damals war Petula Clark zu Gast in allen relevanten Fernsehshows weltweit bis hin zu den legendären Shows von Ed Sullivan, oder Dean Martin. Wie in der Branche damals üblich, nahm sie von ihren Hits verschiedene Versionen für den lokalen Markt auf. So finden sich viele ihrer Songs in deutschen, französischen, spanischen und italienischen Versionen („Downtown” auf Italienisch heißt übrigens „Ciao Ciao”). Ab den 1990er Jahren kamen Auftritte in Musicals am New Yorker Broadway und dem Londoner Westend dazu. 1998 verlieh ihr Queen Elizabeth II den Commander of the British Empire. Eine Legende – in der Tat!

Bist du allein, weil keine Lippen dich küssen
Dann geh’ in die Stadt

Am Donnerstag war Petula Clark im Rahmen der von arte und dem ZDF produzierten Konzertreihe BERLIN live im SchwuZ. Die Kultlocation, die nächstes Jahr 40. Jubiläum feiert, öffnet sich zunehmend für Veranstaltungen, die nicht ausschließlich queeres Publikum anziehen – sicher eine Bereicherung der Hauptstadt-Szene.

Petula Clark

Foto: Julien Scussel

Die Bude war rammelvoll – was nicht anders zu erwarten war. Dicht gedrängt standen pensionierte Sekretärinnen inmitten der queeren Party-Crowd. Alle in gespannter, gemeinsamer Erwartung. Das hier etwas Außergewöhnliches in der Luft lag, war deutlich zu spüren. Als die Grand-Dame des Showbiz dann auf die Bühne kam, gab es schon mal viel Beifall vorab. Sichtlich gerührt und überrascht über den großen Zuspruch legte Petula Clark los. Nun darf man von einer 83-jährigen Dame sicher nicht erwarten, dass sie wie ein junges Ding über die Bühne wirbelt. Das hat sie zum Glück auch gar nicht erst versucht. Stattdessen überrascht sie mit einer immer noch sehr jugendlich klingenden Stimme, bei absoluter Textverständlichkeit – alte Schule eben! Nach dem ersten Song begrüßt sie das Publikum und konstatiert mit einem dramatischen Augenaufschlag, noch nie in einer solchen außergewöhnlichen Location gespielt zu haben. Man weiß nicht, ob man ihr das abnehmen soll, aber sympathisch ist es allemal. Sie will Songs bieten, die wir alle kennen, aber auch solche, die wir noch nicht kennen, sagt sie. Und mit erneutem Augenaufschlag und in Anspielung auf ihr Alter setzt sie hinzu: „I hope, I know them“.

Neues Album kommt im Herbst

Was folgt, ist eine geschickte Mischung aus Altbewährtem und Songs, die von ihrem neuen Album „From now on” stammen, das im Herbst 2016 erscheinen wird und an das sich eine Tournee anschließen wird. Bei Künstlern, die über Jahrzehnte die gleichen Songs live singen, fragt man sich immer, wie geht das? Kann der Interpret dem Lied noch irgendetwas Frisches abgewinnen? Bei Petula Clark hatte man den Eindruck, dass es für sie eine Ehre ist, Songs wie „Don’t sleep in the Subway“ zu singen. Abwechselnd mischt sie das Programm mit eigenen Songs, Klassikern wie „Imagine” von John Lennon und ihren Welthits. Sie überzeugt besonders in den ruhigen, eher introvertierten Nummern, die in erster Linie von ihrem neuen Album stammen. Unbestrittener Höhepunkt war aber – was nicht anders zu erwarten war –  „Downtown”. Ein Song, den jeder kennt, auch wenn er mindestens eine Generation vorher entstanden ist. Es scheint Lieder zu geben, die sich quasi durch die Gene der Großeltern und Eltern fortpflanzen. Und so konnte auch der Großteil des Publikums mitsingen. Nach dem Stimmungshöhepunkt des Abends folgten noch zwei Zugaben, die das Publikum begeistert feierte. Insgesamt war das so ein Abend, nach dem man das Gefühl hat, bei etwas ganz Besonderem dabei gewesen zu sein. Hach, war das schön!

Foto: Screenshot (2013)


0 Kommentare



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close