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Die schwulen Polizisten kommen

Die European LGBT Police Association zieht von Holland nach Deutschland

Vor allem im europäischen Osten ist noch einiges tun. Dort gibt es bisher in keinem Land einen Zusammenschluss homosexueller Polizisten. Anders im Rest Europas – etwa in Frankreich, Österreich oder Großbritannien. Die Verbände sind je nach Größe und Fortschrittlichkeit des Landes mal größer, mal kleiner. In Norwegen, erzählt man mir bei einem informellen Auftakttreffen vor dem derzeit stattfinden Board Meeting in Berlin, ist im wesentlichen ein einziger schwuler Polizist aktiv, ein Einzelkämpfer. Zwar hat die European LGBT Police Association, EGPA, auch Kontakte zu Polizisten in Ländern wie Ungarn, Rumänien oder sogar im russischen St. Petersburg, aber organisiert hat man sich dort noch nicht. Vereinzelt kommen diese Kollegen zwar zu den europaweiten Kongressen, aber nicht in ihrer Uniform – und auch ihre Namen verraten sie oft nicht, nicht einmal ihren Kollegen. Zu groß ist die Angst unter osteuropäischen Polizisten, gemobbt zu werden oder gar ihren Job zu verlieren.

Die EGPA ist der europäische Dachverband der nationalen Organisationen, die in der Schweiz Pink Cops heißen, in Deutschland VelsPol: der Verband lesbischer und schwuler Polizeibediensteter in Deutschland. Die nationalen Vertreter wirken auf zwei Ebenen: Einerseits sind sie Ansprechpartner in Fällen von Mobbing oder Diskriminierung innerhalb der Polizei – darüberhinaus unternehmen sie Präventivmaßnahmen zum Beispiel an Schulen. So wie der 34-jährige Petrick Thomann aus Zürich, der in Berlin gerade zum neuen EGPA-Präsidenten gewählt wurde. Sein Schweizer Verband Pink Cops zählt um die 140 Mitglieder – darunter auch einige, die weder homosexuell sind, noch als Polizist arbeiten. Innerhalb der Polizei, sagt Petrik, gebe es heute nur marginalen Handlungsbedarf. Man arbeite mehr an der Außenwirkung – zum Beispiel daran, in der LGBTI Community die Angst gegenüber der Polizei abzubauen.

schwul Polizist

Josef Hosp (Foto: privat)

Oder das Misstrauen. „Ganz viele Leute aus der Community trauen der Polizei nicht“, sagt der österreichische Polizist Josef Hosp und verweist auf entsprechende Studien. So werden in Österreich rund 87% der Fälle von Hasskriminialität gegen LGBTI Menschen nicht angezeigt: 41% der Opfer sind der Meinung, dass die Polizei nichts unternehmen würde und 22% haben Angst vor abschätzigen Äußerungen (MÄNNER-Archiv). Hosps Vereinigung, die „Gay Cops Austria“, leistet „großartige Arbeit, indem sie zum Beispiel durch bewusstes Auftreten in Uniform am CSD Vorurteile abbauen“, so ein Studienleiter gegenüber MÄNNER.

Nicht wenige Kollegen sind neidisch, dass es Darkrooms nicht für Heteros gibt

Die organisierten LGBTI-Polizisten halten auch Vorträge in der Grundausbildung der Polizisten, so wie Petrik. Momentan kann er das nur in Zürich selbst tun, dabei wäre gerade auf dem Land vermutlich mehr Bedarf. Petrik hilft in der Polizeischule seinen angehenden Hetero-Kollegen, die Community zu verstehen. Dazu gehört u. a. die Erklärung des Begriffs Darkroom. Einige hören davon zum ersten Mal und nicht wenige sind neidisch, dass es so etwas nicht für Heteros gibt.

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Gruppenbild mit Polizeipräsident: Klaus Kandt 2.v.l. (Foto: FLAG)

Ein Thema, das die Polizei außerdem beschäftigt, ist die Behandlung von Trans*Personen. Wie spricht man sie an, wer führt bei ihnen die Leibesvisitation durch – der männliche Kollege oder die weibliche Kollegin? Grundsätzlich untersuchen Männer Männer, und Frauen untersuchen Frauen. Bei Trans*Menschen gilt: Erstmal fragen, zu welchem Geschlecht sie neigen. Wenn das nicht weiterhilft, „zählt in letzter Instanz, was im Personalausweis steht“, sagt Petrik.

Sensibilisierung für LGBTI-Themen ist nicht überall vorgeschrieben

Die Sensibilisierung angehender Polizisten für LGBTI-Themen findet in Deutschland in fast jedem Bundesland statt, allerdings ist sie nicht überall vorgeschrieben, berichtet Marco Klingberg, der Vorsitzender des Verbandes schwuler und lesbischer Polizisten in Berlin-Brandenburg und stellvertretender Bundesvorsitzender. Rund 800 Mitglieder hat der Verband deutschlandweit – wovon aber nicht alle geoutet sind. Bereits 1994 wurde der deutsche Verband im Waldschlösschen gegründet. Etliche Polizisten nahmen damals heimlich teil. Das ging sogar so weit, dass sie ihre Autos in einiger Entfernung parkten, damit sie niemand aufspüren konnte. Regionalverbände gibt es heute in den meisten Bundesländern, nur noch nicht in allen östlichen wie Sachsen oder Thüringen. Klingberg, der 1989 noch in der damaligen DDR seine Ausbildung begonnen hat, ist seit 1992 out. Diskriminierung kennt er aus eigener Erfahrung nicht, von Kollegen aber schon.

In meiner Einheit darf ich den Kollegen auch mal zum Spaß an den Arsch fassen

Sein Schweizer Kollege und frisch gewählter Präsident Petrik berichtet, in der Ausbildung, die er 2004 begonnen habe, sei es manchmal schwierig gewesen. Aber als er zur Wasserschutzpolizei wechselte, waren dort alle „total offen“. Und heute? „In meiner Einheit darf ich den heterosexuellen Kollegen auch mal zum Spaß an den Arsch fassen“, sagt er lachend – das sei für die kein Problem.

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Der neue EGPA-Präsident Petrik Thomann (re) und sein französischer Vize, Alain Parmentier (Foto: FLAG)

Mobbing unter Zollbeamten

So eine Selbstverständlichkeit hat der österreichische Kollege Josef Hosp als junger Mann nicht erlebt. Der heute 57-Jährige war vor seiner Polizei-Karriere zunächst Zollwachbeamter in Feldkirch in Vorarlberg. 1991 outete er sich bei einem Lehrgang für dienstführende Beamte in Wien, die ihn immer wieder aufzogen, weil er mit 30 noch unverheiratet war. Am nächsten Tag wurde er von zwei Lehrern darauf angesprochen, die ihm erklärten, dass man nicht wünsche, dass über dieses Thema geredet werde. Außerdem gaben sie ihm zu verstehen, dass es sich negativ auf seine Prüfungen auswirken könne.

Es ist eine Zumutung, weil man sich dann ständig für seine sexuelle Orientierung rechtfertigen muss

Zurück in Feldkirch erhielt er ein Schreiben, in dem es hieß: Es wäre eine Zumutung, mit ihm in den Außendienst zu gehen, weil man sich dann ständig für seine sexuelle Orientierung rechtfertigen müsse. Josef Hosp wurde in den Innendienst versetzt, wo er jedoch weiter gemobbt wurde. Man spürte sein Profil bei der Dating-Plattform GayRoyal auf, machte Fotos und schickte sie im Kollegenkreis herum. 2004 wurde die Zollwache aufgelöst wurde und Josef wechselte zur Polizei, wo niemand Probleme mit ihm hatte. Drei Jahre später wurde der Verein Gay Cops Austria gegründet, dessen Obman er heute ist. Der 256 Mitglieder zählende Verband gehört ebenfalls zur Dachorganisation EGPA. In Vorarlberg, dem zweitkleinsten Bundesland Österreichs mit rund 380.000 Einwohnern, ist Josef der einzig offen schwule Polizist.

Gruppenbild mit Königin

Wo immer sich die homosexuellen Polizisten Europas alle zwei Jahre zu ihren Kongressen treffen, so erzählen sie stolz, zeigt sich auch die Politprominenz – egal ob in Österreich oder in Irland. Zu Hause ließ sich gar Königin Máxima mit den Polizisten fotografieren. In Berlin, wo momentan das Boardmeeting der EGPA stattfindet, das sich u.a. mit dem bevorstehenden Umzug des Verbands in die deutsche Hauptstadt befasst, ließ es sich der Polizeipräsident Klaus Kandt – der in Margarete Koppers eine lesbische Stellvertreterin hat – nicht nehmen, das Meeting am Freitag zu eröffnen.

Die European LGBT Police Association EGPA gibt es seit 2004. Gegründet wurde sie in Amsterdam, dort hatte sie auch bisher ihren Sitz und war eng an die niederländische Polizei angegliedert. Weil dort nun Umstrukturierungsmaßnahmen unternommen wurden, fallen Fördergelder weg, und die EGPA zieht um – nach Berlin.

Titelbild: jungs-luebeck.de / Velspol


17 Kommentare

  1. Wolfgang Salzmann

    Wenn sich endlich mehr schwule Polizisten zu ihrer sexuellen Selbstubestimmung bekennen würden, dann wären die Romane der SOKO Hamburg Hafen 1 bis 3 keinen Fiktion mehr. Teil 1und 2 erschienen im NOVUM Verlag. TEil 3 hat noch 10 Wochen und dann ist er auch da.

  2. Bernhard Kreiner

    bei heteros heisst das swingerclubs oder fetisch clubs die genauso schon ewig gibt dummes geschwäck das es sowas nicht gibt und die vielen fkk strände die oft kilometer lang sind– und den sex auf toiletten haben heteros genauso

  3. Manni Koeln

    Wir haben in Köln im Bereich südliche Altstadt einen fabelhaften (hetero) Veedelspolizisten, der immer wieder Kollegen mitbringt, ab und an bei den Wirten vorbei schaut und nachfragt, ob es irgendwelche Probleme gibt, ob er helfen kann. Gerade gestern bei einer Bar-Neueröffnung hat er sich bei den neuen Wirten kurz vorgestellt, Tipps gegeben und auch mit den Gästen geplaudert. Schade, daß es so ein positives Beispiel von Zusammenarbeit so selten gibt. Oder gibt es das auch in anderen Städten?


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