Happy gay couple outdoors

„Skeptiker sind verstummt”

Hessen-Nassau bietet schon seit 2013 Traugottesdienste für Homopaare an

von Pascal Beck

UPDATE (23.4.2016) Baden öffnet sich als vierte Landeskirche für gleichgeschlechtliche Paare. Das wurde heute mit großer Mehrheit auf der Frühjahrstagung in Bad Herrenalb beschlossen. Außerdem sprach die Landessynode ihr Bedauern darüber aus, dass Schwulen und Lesben in der Vergangenheit Leid zugefügt worden sei. Kurz zuvor  hatte die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz beschlossen, dass sie ab Juli Traugottesdienste auch für gleichgeschlechtliche Paare anbietet.

Baden ist also die vierte deutsche Landeskirche nach Hessen-Nassau und Rheinland, die die Eheschließung öffnet. Zwar ist es bereits in 14 von 20 evangelischen Landeskirchen möglich, als gleichgeschlechtliches Paar den kirchlichen Segen zu erhalten; allerdings sind es nur die genannten vier, in denen die Partnerschaft schließlich auch in die Kirchenbücher eingetragen und damit beurkundet wird. Die offizielle Haltung der römisch-katholischen Kirche bleibt strikt ablehnend, wie das jüngste nachsynodale Papstschreiben zeigt.

Überwiegend positive Reaktionen

Vorreiter der Ehe-Öffnung war die Evangelische Kirche in Hessen-Nassau, EKHN. Bereits seit 2002 konnten sich gleichgeschlechtliche Paare in den zugehörigen Gemeinden den kirchlichen Segen geben lassen. Im Jahr 2013 wurden die Gottesdienste zur Segnung von gleichgeschlechtlicher Paare mit traditionellen Trauungen weitgehend gleichgestellt. Sie können seither auch in den Kirchenbüchern eingetragen und beurkundet werden. Die Reaktionen darauf waren überwiegend positiv, so EKHN-Sprecher Volker Rahn gegenüber MÄNNER.

Skeptiker mittlerweile verstummt

„Es war vor allem der Wunsch der Gemeinden, nun endlich für Klarheit und Gleichheit zu sorgen.“ Gerade das Interesse der Medien war 2013 besonders groß. Viele, die der Kirche kritisch gegenüberstanden, zeigten sich von der Öffnung positiv überrascht und angetan. Zwar seien zu Anfang auch viele Stimmen laut geworden, die die Entscheidung kritisch sahen und dies vor allem via Mail und Briefe äußerten. Doch nach mittlerweile drei Jahren seien auch diese verebbt. Auch die Stimmen der Skeptiker innerhalb der Kirche selbst seien mittlerweile verstummt.

Segnung gleichgeschlechtlicher Paare wird so selbstverständlich wie von Pfarrerinnen auf der Kanzel

Rahn sieht sogar einen Fortschritt, da wie jüngst Berlin-Brandenburg andere Kirchen nachziehen. Auch mit der katholischen Kirche sowie Evangelischen in Osteuropa und südlich des Äquators seien die Diskussionen diesbezüglich intensiviert worden, auch wenn es bei diesen noch immer keine wirkliche Annäherung an das Thema gäbe. „Wir haben schon damals auf dem Höhepunkt der Debatte allen Kritikern gesagt: Wir werden einmal so selbstverständlich von der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare sprechen wie von Pfarrerinnen auf den Kanzeln.“

Rahn spricht von etwa 45 gleichgeschlechtlichen Paaren, die sich 2014 die sich segnen ließen. Die Zahlen von 2015 liegen noch nicht vor. In den Jahren 2002 bis 2013 rechnet man insgesamt mit etwa 150 Paaren, die gesegnet wurden.

Gleichstellung der Segnungen homosexueller Paare fiel nicht einfach vom Himmel

Warum man sich vor drei Jahren für die Öffnung der Traugottesdienste für Homosexuelle entschieden hatte, beantwortet Rahn damit, dass es der Gemeinde ein Anliegen gewesen sei, alle Menschen zu unterstützen, die ihre Partnerschaft dauerhaft und verlässlich führen wollen und dafür um Gottes Segen bitten. Gleichzeitig sei es ein Zeichen der Akzeptanz in einer doch noch erschreckend homophoben Gesellschaft.

„Die Gleichstellung der Segnungen homosexueller Paare fiel also nicht einfach vom Himmel, sondern war ein langer Weg mit vielen Debatten, die am Ende alle ein Stück weiter gebracht haben.“

Der EKHN-Kirchenpräsident Volker Jung wurde im Herbst von den Schwulen und Lesben in der Union, LSU, geehrt, weil er „immer wieder für die Rechte und gesellschaftliche Akzeptanz homosexueller Menschen eintritt”.

Titelbild: Fotolia


13 Kommentare

  1. Jörg Schlüter

    Sorry – nahezu ist vielleicht falsch ausgedrückt, wir wurden getraut und ich habe damals keinen Unterschied zu einer Hetero Hochzeit festgestellt Thorsten! Nur gab es diese Zeremonie halt nicht offiziell und da gebe ich Dir recht, wir sollten uns nicht am langen Arm verhungern lassen. P.S. Die Ho Hochzeitrzeromonie der Pastorin war richtig gut! ??

  2. Bernhard Kreiner

    finde die evangele verlogene pagage einfach nur ekelhaft und würde bei solchen hasserfüllten menschen nie heiraten die wollen nur die knete von schwulen deshalb wollen sie sich öffnen – die wollen ans geld dafür gibs zugeständnisse- da passiert freiwillig gar nix- sowas kostet auch unmengen an geld und die streicht die kirche ein- da steckt nur business dahinter

  3. Bernhard Kreiner

    kirchen trauen nur menschen die kirchensteuer zahlen die folgekosten solcher trauungen sind viel zu hoch jeder schiffskapitän machts ohn religiöser zugehörigkeit dem ist die kirchensteuer auch scheiss egal

  4. Jens Rödiger

    Bernhard Kreiner Niemand wird gezwungen sich kirchlich trauen zu lassen. Rechtsgültig ist allein die Trauung vor dem Standesamt. Wer sich aber kirchlich trauen lassen möchte, der muss Mitglied in der Kirche sein – und damit auch seinen Mitgliedsbeitrag zahlen.

    Das ist so ähnlich, wie bei jeder Religions-Kirchen-Debatte mein Lieblingsvergleich mit dem Tennisclub:

    Ich kann Tennis spielen wo ich will. Will ich aber auf dem Platz eines bestimmten Clubs spielen, dann muss ich im Zweifel dafür auch bezahlen.

  5. Nathalie Müller

    Ich war Teil des Entscheidungsgremiums. Wir haben hart und lange gerungen, und die Gleichberechtigung homosexueller Menschen in allem kirchlichen Casualhandeln zu erreichen. Übrigens waren auch Betroffene im Gremium

  6. Uwe Stöckler

    nun sollte aber auch bspw. die katholische kirche Euch zum vorbild nehmen, ihre gespielte „Barmherzigkeit” an den nagel hängen und die realitäten so anerkennen, wie sie nun mal sind. vermutlich (und leider) wird das aber noch lange dauern, denn das thema Homosexualität ist bei den kath. Priestern ein sehr großes thema. eine liberalisierung bzw. öffnung hätte zur folge, dass innerhalb der kirche auch offener über das thema diskutiert würde, sprich, viele Priester hätten dann keine scheu mehr davor, sich zu outen. und davor hat man im Vatikan vermutlich am meisten angst!!!


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