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Schwule Tunesier ohne Menschenrechte?

Laut Human Rights Watch wurden in den vergangenen sechs Monaten sieben schwule Männer verurteilt

Obwohl Tunesien 2011 der UN-Antifolterkonvention beigetreten ist und den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte ebenso unterschrieben hat wie die afrikanische Charta für Menschenrechte, scheinen diese Bekenntnisse nur auf dem Papier zu gelten. Das zeigt ein Bericht von Human Rights Watch, der vor kurzem veröffentlich wurde.

Die Polizei schlägt und missbraucht Verdächtige

In Tunesien wurden in den vergangenen sechs Monaten sieben schwule oder vermeintlich schwule Männer verurteilt. Laut Artikel 230 des Strafgesetzbuchs steht auf „Sodomie“ drei Jahre Gefängnis. Fünf der Verurteilten wurden von Human Rights Watch befragt und gaben an, dass die Polizisten sie geschlagen und missbraucht hätten. Außerdem wurden sie zu Anal-Untersuchungen gezwungen. Dennoch gibt es aktuelle Bestrebungen in der CDU/CSU, Tunesien zu einem sicheren Herkunftsstaat zu erklären (MÄNNER-Archiv).

Tunesien Folter

Regenbogen- und Nationflaggen bei einer Demonstration gegen Terrorismus in Tunis (Foto: Mawjoudin Association, 2015)

So wurde etwa ein 22-jähriger Student für eine Vernehmung einbestellt, nachdem seine Telefonnummer im Handy eines Mannes gefunden wurde, der in der Woche zuvor ermordet worden war. „Ich wurde in einen Raum gebracht, in dem sieben oder acht Polizisten warteten. Sie stellten Fragen und sagten mir, dass der Mann  tot sei.“ Der Student, der nebenbei in einem Shop jobbt, sagte ihnen, dass er zur fraglichen Zeit dort gearbeitet habe. Die Überwachungskameras würden das beweisen können. Das sei ihnen egal, sagten die Polizisten.

Wieso kennst Du so einen alten Mann? Hat er Dich gefickt oder Du ihn?

Der Student berichtet, dass man ihn nach dem Altersunterschied zu dem Mordopfer fragte. „Wieso kennst Du so einen alten Mann? Hat er Dich gefickt oder Du ihn?“ Der Student antwortete: „Was sollen all diese Fragen?“

Daraufhin hätten mehrere Polizisten angefangen, ihn ins Gesicht zu schlagen. Sie drohten ihm an, eine Flasche anal einzuführen und ihn zu vergewaltigen, falls er nicht antworten würde. Nach Angaben von Human Rights Watch eine verbreitete Form von Folter.

Analuntersuchung im Krankenhaus

Man teilte ihm mit, man werde ihn nicht anklagen, wenn er seine Beziehung zu dem Getöteten eingesteht. Daraufhin erfand der Student die Geschichte einer Liebesbeziehung – in dem Glauben, er dürfen danach gehen. Doch anstatt ihn freizulassen steckte man ihn drei Tage in Untersuchungshaft und brachte ihn später in ein Krankenhaus, wo ihn ein Arzt anal untersuchte – offiziell nach Spuren von Sperma des Mordopfers. Tatsächlich ging es bei der Untersuchung darum, einen „Beweis“ für die Homosexualität des Studenten zu finden, den man vor Gericht gegen ihn verwenden könnte.

Ein Jahr Haft wegen Homosexualität

Knapp zwei Wochen später wurde der Student zu einem Jahr Haft verurteilt. Im Dezember wurde die Strafe von einem Berufungsgericht auf zwei Monate reduziert. Jetzt wendet sich der Student an ein Kassationsgericht.

Zwar ist Tunesien das Land, in dem die demokratischen Bestrebungen nach dem Arabischen Frühling am erfolgreichsten waren. Inzwischen gibt es eine ordentliche Verfassung, dessen Artikel 24 garantiert, dass der Staat die Privatsphäre der Bürger achtet und schützt. Doch für Schwule scheint das oft nicht zu gelten (MÄNNER-Archiv).

Titelbild: Wikimedia / BEN KHALIFA WISSAM


3 Kommentare

  1. Bodo Schäf Er

    Die, die so was machen gehören in die geschlossene Anstalt und da nie wieder raus. Kommen sich wohl noch gut dabei vor wenn sie in die Privatsphäre der Leute eingreifen. Gestörte Welt und zurückgebliebene Länder. Aber der Prophete A….. weiß ja alles besser.


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