Einsatzkräfte bereiten sich an Messe auf Proteste vor AFD Bundesvorsitzende Frauke Petry schaute v

Was bringt der AfD-Parteitag?

Grundsatzprogramm gegen Ehe-Öffnung, Adoptionsrecht und Bildungspläne mit sexueller Vielfalt

Heute beginnt in Stuttgart der zweitägige Parteitag der Alternative für Deutschland, AfD. Zum ersten Mal gibt sich die rechtspopulistische Partei ein Grundsatzprogramm. Darin spricht sie sich für „die Wertschätzung für die traditionelle Familie“ aus und gegen ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare; auch die „staatlich geförderten Umerziehungsprogramme in Kindergärten und Schulen“ lehnt sie grundsätzlich ab – gemeint sind Bildungspläne, die das Thematisieren menschlicher Vielfalt vorsehen.

Mitgliederzahlen geben wir grundsätzlich nicht raus

Auch die Gruppierung „Homosexuelle in der AfD“ wird auf dem Parteitag vertreten sein, wie uns ihr Sprecher Mirko Welsch bestätigte. Man plane eine Veranstaltung „Schwule gegen Genderwahn. Migranten gegen Multikulti“. Wie groß seine Gruppe ist, weigert sich Welsch bekanntzugeben. „Mitgliederzahlen geben wir grundsätzlich nicht raus“, antwortete Welsch, aber: „Wir haben viele aktive Mitglieder und dazu viele inaktive. Zumal wir 1/3 an Mitgliedern haben, die heterosexuell sind – und unsere Arbeit gut und wichtig finden.“ Wie Welsch in einem Porträt in der aktuellen MÄNNER-Ausgabe sagt: „Wir haben viele schwule und lesbische Mandatsträger bis in den Bundesvorstand. Bei uns sind alle wegen der Qualität gewählt. Nicht wegen der Quote.“ Als hätten Volker Beck (Grüne), Klaus Wowereit (SPD) oder Klaus Lederer (Linke) Karriere gemacht, weil sie schwul sind.

Unsere Anfrage zur Gruppenstärke bei Alexander Tassis wurde gar nicht erst beantwortet. Tassis ist einer der beiden Bundesvorsitzenden der AfD-Homos und noch Abgeordneter des Bremer Landesverbandes –dort wurde jetzt ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn eingeleitet, weil er außerhalb der Statuten und der Parteisatzung gehandelt habe.

AfD – nicht homophob?

Ob die Gruppe auf dem Parteitag willkommmen ist, darf man bezweifeln. Der AfD-Spitzenkandidat im Wahlbereich Edemissen/Wendeburg für die niedersächsische Kommunahlwahl im September, Andreas Tute, befürwortet mal die harten Strafen für Schwule in Uganda, mal postet er bei Facebook brennende Regenbogenflaggen. Die Jusos haben jetzt seinen Rücktritt gefordert. Inzwischen verkündet er auf Facebook:

Es war nicht meine Absicht, homosexuelle Menschen zu verletzen

„Es war nicht meine Absicht, homosexuelle Menschen emotional zu verletzen oder in irgendeiner Form Maßnahmen gegen Homosexuelle zu befürworten. Es wurde falsch aus den Beiträgen heraus interpretiert und wurden wohl missverstanden.“

In Baden-Württemberg bestreitet die Partei sogar, dass es überhaupt noch Diskriminierung von Homosexuellen in Deutschland gibt.

AfD Parteitag

Andreas Tute und Bundesvize der AfD, Beatrix von Storch (Foto: Facebook)

Darüber, ob die Partei weiter nachts rechts abdriftet, tobt aktuell ein neuer Streit. Parteichefin Petry hat mit ihrem Rückzug gedroht, wenn es einen weiteren Rechtsruck gibt. Thüringens Landeschef Björn Höcke dagegen sieht „überhaupt keine Notwendigkeit [… ], sich grundsätzlich für einen bestimmten Kurs zu entscheiden“, so Höcke in der Thüringer Allgemeinen. Die Partei müsse „das Beste aus konservativen, liberalen und sozialen Traditionen in einem neuen Patriotismus verbinden“.

Gegen den LGBTI-feindlichen Kurs der AfD findet auf dem zentralen Schlossplatz in Stuttgart eine Mahnwache statt, die das Bündnis Vielfalt für alle von heute 9 Uhr bis Sonntag um 18 Uhr veranstaltet. Motto: Wir wachen durch“. Der Bundesparteitag selbst findet in Leinfelden-Echterdingen auf dem Gelände der Messe Stuttgart statt. Dort zu demonstrieren, ist den Gegner gerichtlich verboten worden. Insgesamt sind für heute drei Demonstrationen gegen das AfD-Treffen angemeldet.

Auch ein Protestwähler hat die Verantwortung, sich über Parteiprogamme zu informieren

Bundesweit liegt die AfD in der Wählergunst – je nach Meinungsforschungsinstitut – zwischen 10 % (Forsa) und 14 % (Infratest). Wie viele von den Befürwortern potenzielle Stammwähler sind und wer die Partei aus Protest, v. a. für ihren Anti-Flüchtlingskurs wählen will, lässt sich schwer beurteilen. Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (im Juniheft folgt ein großes Interview – hier geht’s zum Abo) sagte gegenüber MÄNNER: „Machen wir uns nichts vor. Wer glaubt dann, dass jemand, der sich so massiv gegen Ausländer positioniert, vor anderen Minderheiten halt macht. Zwar gibt es einen bestimmten Anteil an Protestwählern, die unzufrieden sind, aber auch ein Protestwähler hat die Verantwortung, sich über Parteiprogamme zu informieren – und darf sich anschließend nicht beschweren, was er dafür gekriegt hat.“

Titelbild: Imago/7aktuell


14 Kommentare

  1. Konstantinos Aspridis Pauli

    nur wen ich manche sachen höre muss ich kotzen manche menschen wißen woll selber nicht was die wollen oder und mal so´nebenbei auch wen die sagen das männer die anders sind die dürfen sich nicht lieben als wir da drauf hören hahaha

  2. Mike Sieg

    Kai Sautter – Bisher waren doch alle Rechten u.“Glatzen“ gegen schwule, obwohl Michael Kühnen (bekannter Nazi, was unter den Teppich sollte) auch schwul war. Dürfte bei der AfD mit ihrer „Heimchen am Herd“ + „treu-dtsch. Familiensicht“ nicht anders sein!

  3. Mike Sieg

    Kai Sautter – Auch all diese s.g. ‚“christlichen Werte“ bringen mehr Zwist und Intoleranz wie die meisten anderen Religionen auch! Somit sind mir „Christen“ und „christl. Werte“ genauso suspekt wie andere Strenggläubigen auch. 🙂

  4. Dennis Eicker

    Gegen AfD, weil angeblich homophob, aber für grenzenlose Zuwanderung muslimischer Menschen, die Schwule steinigen und verfolgen???
    Die Einstellung scheint ein wenig blasphemisch zu sein.

  5. Bodo Schäf Er

    Wenn ich so eine Scheiße lese. Willkommen im dritten Reich.
    Und jedes mal wenn einer was sagt war das alles nicht so und wurde falsch verstanden. Wenn AFD Wähler unter meinen Facebookfreunden sein sollten bitte mich löschen auf so einen Schwachsinn habe ich keinen Bock!!!!!!!!!!!!!

  6. Mio Min Mio

    Ich spreche mich vernünftiger Weise gegen die Afd aus!
    Alles andere ist Sittenwidrig, wenn man zu so einem Lügenverein gehören möchte!
    Nein danke.


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