Westerwelle Mronz

Westerwelle: Abschied mit Schlagermusik

Gestern fand in Köln die Trauerfeier für Guido Westerwelle statt. Mit vielen Politikern und einer bemerkenswerten Botschaft an die deutsche Nation - von Vicky Leandros

Solch einen Abschied von Guido Westerwelle hätte man nicht für möglich gehalten: weil da so vieles zusammenkam, was auf den ersten Blick nicht zusammen passt. Und was dann doch wunderbaren Sinn machte, mit dem Schlüsselsatz in der Predigt: „Es war Euch beiden [Westerwelle und Mronz] immer ein Anliegen, deutlich zu machen, dass Diskriminierung und Ausgrenzung – aus welchen Gründen auch immer – mit unserem Menschenbild nicht in Einklang zu bringen sind.“

Zur Trauerfeier des ehemaligen FDP-Chefs, Vizekanzlers und Außenministers saß gestern in der Kölner St.-Aposteln-Kirche Westerwelles Witwer Michael Mronz neben der Kanzlerin. Der Bundespräsident war auch nicht weit. Mehr Staatsweihe geht eigentlich nicht. Oder doch? EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker war ebenfalls da. Mronz und Merkel hielten – so wie alle anderen Trauergäste auch – ein Programm in Händen mit einem schönen Foto der beiden eingetragenen Lebenspartner, als sei das das Normalste der Welt. Was es auch wäre, wenn sich Merkel und die CDU nicht dauernd quer stellen würden, wenn’s um die Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften ginge. Dann kam durchaus staatstragend der „Freiheitschor“ aus Beethovens „Fidelio“, gefolgt von einem ökumenischen Gottesdienst, den Westerwelles Jugendfreund Prälat Karl Jüsten hielt. Im Laufe dieses Gottesdiensts gab es immer wieder Opernstücke zu hören, weil Westerwelle und Mronz passionierte Opernfans waren und sind.

Sakrale Aura, als gäbe die Kirche hier ihren späten Segen zu dieser Mann-Mann-Verbindung

Veronica Ferres, eine enge Freundin Westerwelles, hielt eine Lesung mit den Worten: „Keiner von uns lebt für sich selber, keiner von uns stirbt für sich selber.“ Sabine Christiansen las eine Fürbitte. Und zum Schluss: „Va pensiero“, der Gefangenenchor aus Verdis „Nabucco“.

Die Trauerfeier gab es am Samstagabend in ziemlicher Ausführlichkeit in allen Abendnachrichten zu sehen, mit bewegenden Bildern für die gesamte Nation. Sie zeigten den Deutschen landauf landab einen schwulen Witwer mit schmerzlichem Abschiedslächeln, eine geknickte Kanzlerin, eine sakrale Aura, als gäbe die Kirche hier ihren späten Segen zu dieser Mann-Mann-Verbindung. Und dann Leandros mit einer Power-Ballade mittendrin. Sie sang „Ich liebe das Leben“ mit verändertem Text: ‚Schön war die Zeit mit dir. Wir wissen, du liebst das Leben. Und weinen wir heute sehr um dich, du bleibst im Herzen sicherlich‘.

Den Gottesdienst hat Sportevent-Manager Michael Mronz gestaltet. In der Mitte des Altarraums stand ein brauner Holzsarg, ein großes Porträtfoto zeigte einen lächelnden Westerwelle, der am 18. März mit 54 Jahren an Leukämie gestorben war.

Es kommt im deutschen Fernsehen nicht allzu oft vor, dass man solch emotional kraftvolle Bilder einer schwulen Beziehung sieht, die offensichtlich von den höchsten Kreisen der Macht gutgeheißen wurde.

Insofern ist diese Trauerfeier – weit mehr als die Verpartnerungsparty 2010 – ein Meilenstein in der Geschichte der Akzeptanz von Homosexuellen in Deutschland. Ein Meilenstein, den man von Westerwelle vermutlich nicht erwartet hätte. Prälat Jüsten sagte in seiner Predigt,  Westerwelle suchte „Anerkennung, Liebe und Geborgenheit“. In den Nachrichten zoomte die Kamera dabei aufs Gesicht von Michael Mronz.

Was da wohl die vielen besorgten Eltern in Baden-Württemberg und die AfD-Wähler dachten, die doch solche Sorge vor den falschen Signalen für den Nachwuchs haben? Und was wohl den vielen jungen LGBTI-Menschen durch den Kopf ging, die zusammen mit ihren Eltern „heute“ oder „Tagesschau“ gucken und das gemeinsam sahen? Wenn Joachim Gauck, Mama Merkel und Jean-Claude Juncker dabeisitzen, kann wohl niemand in diesem Land ernsthaft behaupten, diese Liebe zweier Männer sei „schädlich“ oder „schlechter Einfluss“.

Titelbild: Westerwelle und sein Partner Michael Mronz, wie sie im Booklet zur Trauerfeier zu sehen waren. Quelle: Westerwelle Foundation


48 Kommentare

  1. Wolfgang Nagel

    Was für ein dummer Kommentar und eine geschmacklose Berichterstattung. Erstens war es kein Staatsbegräbnis, zweitens ist Vicky Leandros eine ganz enge Freundin. Ich habe hohen Respekt, dass sie die Kraft hatte dort zu singen.

  2. Michael Offermann

    Ich finde er hat es verdient. Denn vor dem Herrn sind alle gleich! Es war ein gefühlvoller Trauergottesdienst in der Kölner Basilika St. Aposteln und ich war erstaunt, dass soviele aus Politik und Gesellschaft, da waren. Wo sie doch zu Lebzeiten eher kritisch ihm gegenüber standen, ja zum Teil nicht Ernst nahmen. Er war für mich ein ungewöhnlicher Mensch, dem ich Respekt und Achtung zeige. Möge Guido Westerwelle in Frieden ruhen!

  3. Dirk Schindel

    Es war zwar eine bewegende Trauerfeier aber kein Staatsbegräbnis.Bei letzterem erklingt nämlich auch die Nationalhymne.Das einzige was die Stimmung gestern mehr als getrübt hat war die verlogene Rede der Kanzlerin.

  4. Thorsten Schneppendahl

    Daß das männer magazin ein erbärmliches,schlimmes,nicht ernst zu nehmendes blättchen ist wussten wir ja alle…..aber dieser artikel….ist so dumm…..so schlecht……da fehlen einem wirklich die worte…..in diesem moment muss man sich schämen schwul zu sein…..

  5. Volker Borchers

    Geschmacklos von Euch, ich überlege ob ich Euer Blatt weiter monatlich kaufe. Ihr solltet Euch entschuldigen. Einfach nur etwas Gemeines schreiben damit Ihr auffällt. Schlecht!

  6. Frank Cologne

    Die Trauerfeier eines großen Politikers stand hier über allem anderen, stand über homoehe etc. Über die Gestaltung des Gottesdienstes zu frotzeln, finde ich ziemlich geschmacklos auch im Hinblick auf den trauernden Witwer.

  7. Kriss Rudolph

    Liebe Leser, es tut mir leid, wenn der Bericht unseres Autors zur Trauerfeier die Gefühle des einen oder anderen verletzt hat. Das war gewiss nicht unsere Absicht. Es ist nicht angebracht und steht niemandem zu, die persönliche Musikauswahl von Westerwelle/Mronz für diesen besonderen Moment zu beurteilen. Wir haben den Text darum überarbeitet. Ich wünsche allen einen schönen Sonntag! Kriss Rudolph, MÄNNER-Chefredakteur

  8. Ejo Eckerle

    Meine Güte, kriegt euch mal wieder ein. Der Kommentar mag weniger weihevoll daherkommen als der übliche Nachrufsermon, aber despektierlich ist er nicht.

  9. Dirk Ludigs

    Oder der Stock im Arsch zu Schluckbeschwerden führt. Der Kleingeist hat immer die Tendenz zu seiner Selbsverabsolutierung. „Weil ich so bin, muss die Welt so sein.“

  10. Bernhard Kreiner

    das der homophobe konzern katholische kirche dafür war das 2 männe rheiraten nur solange die 50 milliarden staatszuschüsse für kirchen und deren zum teil homophobes personalk fliesst die kirchenmafia war nur da um zu garantieren wieder einer weg den die kirchensteuer stören könnte- die gucken eher nach ob er wirklich tot ist.

  11. Tobias-Alexander Schröder

    Dummschwätzer. Mehr fällt mir zum Wort Staatsbegräbnis nicht mehr ein. Da hatte ja die Bild mehr Niveau, als sie über die Trauerfeier berichtet hat. Vielleicht sollte man mal Eurem Autor erklären, dass mit „die Fahnen auf Halbmast (u.a. Staatsakt)“ nicht der Schwanz gemeint ist. Aber Euren katholischen Chefredakteur gleich feuern. Ich finde, im letzten Jahr hat sich die M eh mehr Richtung Boulevard entwickelt.

  12. Werner Stammen

    Es war die Lieblingsmusik von Guido..in der Klassik Oper und Schlager gehörten..das sollte man respektieren ..da kann man doch sehen wie breitfaechrig Guido war..bei mir ist es genauso wir sollten froh sein so viele Musikrichtungen zu haben ich geniesse vieles davon und auch ganz bestimmt Schlager.
    .das Lied von Vicky begleitet mich und viele andere schon mehrere Jahrzehnte und sowohl auch Guido und es passt vom original Text so in unsere Zeit bei dem ganzen Weltgeschehen gibt es vielen kraft den Lebensmut zu behalten..für mich war der Gottesdienst sehr emotional gefühlvoll und das steht auch einem Politiker zu der auch nur ein Mensch ist…!!

  13. Emanuele Sgherri

    Ich finde auch, dass man mehr Respekt in so einer extremen Situation zeigen sollte. Wenn die Liebe eines Schwulen-Paars so stark auf die Probe gestellt wird, sollte ein Journalist in der Lage sein, Mitgefuehl zu zeigen und die kontroversiellen Dimensionen der Politik bzw. des Staatsprotokolls der Liebe zuliebe zu vergessen. Man schreibt nicht nur mit dem Messer, aber auch mit dem Herz.

    emanuele, langjaehriges Mitglied von Buendnis 90/die Gruenen

  14. Heiner Garg

    Was für ein grauenvoll dümmlicher und geschmackloser Artikel. Zudem auch noch fälschlich als Staatsbegräbnis bezeichnet – was die würdige Trauerfeier gar nicht gewesen ist.

  15. Thorsten Schneppendahl

    Na ja….ob ihr euch damit nochmal gerettet habt……
    Es ging bei der unbearbeiteten version nicht um verletzte gefühle,sondern um einen unglaublich schlechten,schäbigen journalismus…..aber ich befürchte das kommt bei euch eh nicht an!

  16. Dominik Schmitz

    Ich denke, bei dem Autor war es auch ein parteipolitisches Problem. Denn wir Schwucken dürfen ja nach landläufiger Meinung nur grün wählen… Das menschliche Schicksal war für den Autor Nebensache.

  17. Sascha Weber

    Warum denken eigentlich alle, sie seien berufen, Zensuren zu verteilen? Und dann auch noch teilweise in einer beleidigenden und demütigenden Sprache. Das sagt mehr aus über die Autoren der Kommentare als über den Artikel.


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