Salman al-Ouda

„Homosexuelle passen zum Islam“

Ein wichtiger Islam-Gelehrter widerspricht der Regierung in Saudi Arabien

Ein prominenter Islam-Gelehrter in Saudi Arabien hat sich gegen die Verfolgung von LGBTI in seinem Heimatland ausgesprochen. Dr. Salman al-Ouda, der der Internationalen Union für Muslimische Gelehrte angehört und Herausgeber der viel gelesenen Webseite „Islam Today“ ist, sagte der „Jerusalem Post“ in einem Interview zum Thema Homosexualität und Islam: „Homosexualität wird in allen wichtigen religiösen Büchern als Sünde bezeichnet, bedarf aber keiner Bestrafung in dieser Welt. Diese Sünde wird den Betreffenden bis nach seinen Tod in die nächste Welt begleiten, in das Leben nach dem Tod.“

Dass sie Homosexuelle zum Tode verurteilen, ist eine viel größere Sünde als Homosexuelle sie begehen.

Und dann wird es wirklich revolutionär: „Homosexuelle haben sich nicht vom Islam abgewandt, aber diejenigen, die behaupten, Homosexuelle hätten das getan, und das sei gut so, haben sich selbst  vom Geist des Islam abgewandt. Dass sie Homosexuelle zum Tode verurteilen, ist eine viel größere Sünde als Homosexuelle sie begehen. Aber auch wenn Homosexualität einen nicht vom Geist des Islam entfernt, fordert er Homosexuelle auf, ihre Gefühle nicht öffentlich zur Schau zu stellen.“ In Saudi-Arabien sind homosexuelle Handlungen strafbar. Deswegen sind al-Oudas Sätze so wichtig und die Reaktion in seinem Heimatland war enorm. Zwar erfolgen gegenwärtig keine Vollstreckungen von Todesstrafen, gleichwohl sind Homosexuelle von der Todesstrafe bedroht, oder anderen schweren Strafen. Ende 2007 wurden zwei Männer wegen homosexuellen Geschlechtsverkehrs zu jeweils 7.000 Peitschenhieben verurteilt. Ein Diskriminierungsschutz der sexuellen Orientierung besteht aufgrund der Illegalität nicht. Einvernehmliche Homosexualität fällt als Vergehen in die selbe juristische Kategorie wie Pädophilie oder Vergewaltigungen. Letzten Monat gab es Berichte, die besagten, dass die Regierung in Saudi Arabien mehr LGBTI zum Tode verurteilen wollte, weil es wegen der sozialen Medien immer mehr davon geben würde.

Al-Oudas war unter Scheich Abd al-Aziz Ibn Baz Dissident und saß für seine regierungskritischen Äußerungen und Schriften mehrere Jahre im Gefängnis.

Al-Oudas Äußerungen sind auch wegen seiner Biografie so bedeutend. Er war unter Scheich Abd al-Aziz Ibn Baz Dissident und saß für seine regierungskritischen Äußerungen und Schriften mehrere Jahre im Gefängnis. Der Scheich sprach eine Fatwa gegen ihn aus, die einige Jahre Bestand hatte. Al-Ouda ist in Saudi Arabien selbst, aber auch international, eine wichtige politische Figur und wird von liberalen Muslimen als Hoffnungsträger angesehen.

Bild: WikiCommons


5 Kommentare

  1. Stefan Häbich

    Man muß erst mal sehen was einzelne mutige Menschen ausrichten können. Für mich hat im moment Saudi Arabien mehr mit dem stark rechten Konservativen bei uns gemein.

  2. Uwe Pfeiffer

    Hallo ?! …dass sich ein Islamist in Saudi Arabien öffentlich zu so einer Aussage bekennt, das muß man erstmal verdauen. Meine Hochachtung für „Dr. Salman al-Ouda“ (y)


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