Londons schönster Vorort

Mit 15 Prozent homo- und bisexueller Bevölkerung ist Brighton die queerste Gemeinde der Insel

London wurde kürzlich von einem US-Reisemagazin zur Gay City 2015 gewählt. Mitgewertet wurde dabei gewiss auch „London by the sea“: Mit 15 Prozent homo- und bisexueller Bevölkerung ist Brighton die queerste Gemeinde der Insel und gilt als glücklichster Ort des Landes.

 

Text und Fotos: Carsten Heinke

 

Die Plastikstühle im Frühstückszimmer sind so blau wie der Himmel über Brighton und so rot wie die selbstgemachte Marmelade auf den Tischen. Der helle Raum könnte eine WG-Küche sein – unorthodox, aber schick und urgemütlich wie das ganze „Snooze“. Die Einrichtung des kleinen Gästehauses ist eine witzige Mischung aus Vintage, Pop und nüchternem Design. Ein gelber Kamin, ein Waschbecken mit Rosendekor, Blechreklameschilder und Mona Lisas. Viktorianische Sessel und Bauhauslampen. Hier eine Porzellan-Ente, da eine Bahnhofsuhr.
Das Bio-Frühstück à la carte wird zubereitet und serviert von den Besitzern Paul und Tony. Die beiden gut aussehenden Typen tragen T-Shirts, Jeans und Sneakers, lachen gern und kochen prima, verdienen ihr Geld am liebsten mit Jobs, die Spaß machen und wollten schon immer mal ein eigenes Hotel. Das machen sie so gut, dass es jährlich neue Auszeichnungen absahnt.

Komm und schlaf mit uns!

Den Werbeslogan „Come and sleep with us“ sollte man nicht wörtlich nehmen, denn Paul und Tony sind zwar supernett, aber hetero – und gehören damit zu einer gefühlten Minderheit in Großbritanniens „Queer Capital“ Brighton, deren Pride-Festival zu den größten Szene-Events weltweit gehört.

Das ganz Jahr wird gefeiert

„Schwule und lesbische Besucher haben wir das ganze Jahr, denn hier gibt es immer etwas zu feiern“, erklärt John Carmichael von VisitBrighton. „Und ganz gleich, ob es um Kunst und Kultur, um Sport oder Essen geht: Bei uns ist alles irgendwie und mindestens ein bisschen schwul.“
Viel Rummel erwartet John auch zu der für August geplanten Eröffnung von „British Airways i360” – ein superdünner Aussichtsturm am West Pier. der einem im Boden steckenden Degen gleicht. Mit rotierender Besucherplattform, zu der eine vertikale Seilbahn fährt: 162 Meter hoch und nur vier Meter dick, wird er das höchste sich drehende Bauwerk und zugleich der schlankste Turm der Welt sein. John freut sich auf die neue Attraktion, die sicher genauso gut in die verrückte Stadt passt wie ihr exzentrischstes Gebäude – der indische Märchenpalast „Royal Pavilion“, heute Museum und exklusivste Party-Location der Stadt. Der junge Prinz von Wales und spätere König Georg IV. (1762-1830) erwarb das einst viel bescheidenere Landhaus 1786, ließ es umbauen und löste damit einen Bau-Boom aus.
„Ende des 18. Jahrhunderts war Bade- und Partyurlaub in Brighton schon ein Trend – am liebsten mit eigenem Feriendomizil“, erzählt John. Die Verwandlung vom Fischerdorf zum Seebad begann 1750, als ein Arzt die gesundheitsfördernde Wirkung des Meerwassers entdeckte und erste Kurgäste anlockte …

Wo selbst in Brighton die Toleranz an ihre Grenzen stößt – das steht im ausführlichen Artikel in MÄNNER 5.2016


2 Kommentare


Schreibe einen neuen Kommentar



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close