Dennis Reske bei der Delphin-Therapie. Foto Sven Reske

Wenn Homophobie lähmt

Weil Dennis Reske schwul ist, haben ihn Jugendliche brutal verprügelt. Seitdem sitzt er im Rollstuhl.

von Pascal Hesse

„The Happy Dogs“ steht am Klingelschild. Hier wohnen Dennis und Sven Reske, in einer Nebenstraße in Gelsenkirchen. Seit sieben Jahren sind beide verheiratet. Während Sven (37) in einem Callcenter arbeitet, hat Dennis seinen Traum verwirklicht und machte sich mit einer Hundepension selbstständig, den „happy dogs“. Doch ein Akt homophober Gewalt warf ihn aus der Bahn, machte ihn zum „Krüppel“, wie sein Mann resigniert beklagt. Schwer traumatisiert sitzt Dennis heute im Rollstuhl, ist auf Hilfe angewiesen – auf Pflegekräfte, Ärzte und Therapeuten. Wenn sein Kopf mitspielen würde, könnte er laufen. Eigentlich. Doch sein Kopf will einfach nicht mitlaufen. Seinem Beruf kann Dennis heute nur noch eingeschränkt nachgehen. Seine Lebenskraft, seine Fähigkeit lachen zu können und seine Begeisterung für Tiere hat der junge Mann aber dennoch nicht verloren.

Niemand hat mir geholfen. Im Gegenteil: Die Autofahrer hupten und schrien: ‚Runter von der Straße!’

Dennis erinnert sich noch gut an jenen Tag, der sein Leben schlagartig verändern sollte. Es ist der 10. Februar 2012, kurz vor 19 Uhr, als er unweit seiner Wohnung von zwei Jugendlichen zusammengeschlagen wird, während ein Dritter Schmiere steht. Zunächst versucht einer der Jungs Dennis ein Bein zu stellen, was ihm jedoch misslingt. „Das hat ihm nicht gepasst. Da spürte ich, wie jemand von hinten auf mich einschlug. Und nicht mehr aufhörte.“ Anfangs ist Dennis von Schmerzen erfüllt und wie gelähmt. Dann versucht er weinend über den Boden zur Straße zu robben, um vorbeifahrende Autofahrer auf seine Notlage aufmerksam zu machen. „Niemand hat mir geholfen. Im Gegenteil: Die Autofahrer hupten und schrien: ‚Runter von der Straße!’. Fußgänger haben weggeschaut, obwohl ich laut um Hilfe geschrien habe. Es war schrecklich.“

Dennis und Sven Reske (Foto: Pascal Hesse)

Dennis und Sven Reske (Foto: Pascal Hesse)

Die Polizisten meinten später, dass es noch viel schlimmer hätte enden können, wenn sie nicht gewesen wären.“ Beinahe hätte die junge Frau ebenfalls einen Schlag kassiert. „Als dann ihr Freund dazwischen ging, flüchteten die Täter ins Haus. Denn, so dämlich es klingen mag: Sie haben mich vor ihrer eigenen Haustür angegriffen.“ Mit Prellungen und einer Platzwunde kommt Dennis ins Krankenhaus, während sich die Polizei um die minderjährigen Täter kümmert. Obwohl er keine bleibenden, körperlichen Schäden von dem Überfall davongetragen hat, kann er seither nicht mehr laufen. Zuhause ist er auf einen Rollstuhl angewiesen, außer Haus auf einen E-Scooter.  Bis heute haben sie keinen Psychologen gefunden, der sich der Sache annehmen möchte. Therapien mit Delphinen und Pferden mussten abgebrochen werden, weil die Therapeuten sich nicht in der Lage fühlten, mit Dennis Handicap umzugehen.

Wie fühlten uns zuständig zu helfen, denn es handelt sich wirklich um eine tragische menschliche Geschichte.

Unterstützung erfährt Dennis hingegen in der Community: 16.500 Euro kommen über die ARCUS-Stiftung und die Spendenaktion „Wir helfen Dennis“, einer Initiative der Landeskoordination der Anti-Gewalt-Arbeit für Lesben und Schwule in NRW, zusammen. Weitere 5000 Euro steuert ein Familientheater aus Datteln bei, das kurzerhand zur Benefizaufführung geladen hatte. Der Grüne Landtagsabgeordnete Arnd Klocke hilft und auch Dietrich Dettmann von „Essen andersrum“, der Dennis und Sven beim Ruhr CSD auf die Bühne holt. „Wie fühlten uns zuständig zu helfen, denn es handelt sich wirklich um eine tragische menschliche Geschichte. Einen solchen Fall hatten wir im Ruhrgebiet lange nicht mehr“, so Dettmann. Von den Spenden sollte ein Treppenlift bezahlt werden. Doch da Dennis mit dem E-Scooter nicht Bus und Bahn fahren darf, wurde stattdessen ein Elektrorollstuhl angeschafft. „Den Treppenlift brauchen wir immer noch, da Dennis sonst nur mit einem Kissen die Treppen runterrobben kann. Das ist nicht ungefährlich, vor allem nicht, wenn er einen Anfall hat“, sorgt sich Sven um seinen Mann. Obwohl beide ihr altes Leben nicht weiterführen können, wegen Dennis Anfällen heute ungerne ins Kino oder ins Musical gehen, scheint ihre Liebe unverändert stark zu sein. Daran konnte selbst der Überfall nichts ändern.

Spenden nimmt die ARCUS-Stiftung unter dem Stichwort „Dennis Reske“ entgegen. IBAN: lautet DE80370205000001201201, BIC: BFSWDE33XXX.

Kontakt via Facebook unter „Hilfe für Dennis Reske“

Mehr zu Dennis und seiner Geschichte in der aktuellen Ausgabe der MÄNNER

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