Memorial to the Murdered Jews of Europe, Berlin on May 04 2015 B

Gestern war ein guter Tag

Kommentar zur Geschichtsvergessenheit des AfD-Sprechers Mirko Welsch

Gestern war ein guter Tag. Die Sonne schien, viele Menschen hatten frei und: Es war der Tag, der das Anfang vom Ende der Karriere Mirko Welschs bedeuten könnte – des Lautsprechers der AfD-Homos (in MÄNNER 5.2016 ist ein Porträt von Dirk Ludigs erschienen), der unheimlich gerne austeilt, aber es überhaupt nicht mag, wenn man ihn kritisiert. Man kann sich – wie in der vorvergangenen Nacht auf dem Facebook-Profil von AfD-Watch geschehen – an falsch gesetzten oder vergessenen Kommata oder Rechtschreibfehlern in AfD-Postings oder -Kommentaren aufreiben, wird damit aber wenig erreichen. Außer dass sich noch mehr Frustrierte und von der Politik Enttäuschte auf die Seite der Gedissten stellen.

Die AfD und ihre homofeindlichen Mitglieder

Stattdessen empfiehlt es sich, die AfD-Mitglieder beim Wort zu nehmen. In diesem Fall also Welsch. Das Team von AfD-Watch nahm ein Posting von Welsch zum Anlass, in dem er u. a. schrieb: „In der AfD interessiert es die Menschen nicht, ob jemand homo-, bi- oder heterosexuell ist. Es kommt auf das Engagement an und wie jemand hinter der Partei steht“, worauf AfD-Watch entgegnete: „Gerade die AfD beherbergt nicht wenige homofeindliche Mitglieder (MÄNNER-Archiv) und ihr werdet nur geduldet, solange ihr der Sache dienlich und als Alibi von Nutzen seid. Beweise findet man in euren Slogans, eurem Programmen und eurer Politik.“

Nächtliche Facebook-Debatte

Mitten in der Nacht ging die Debatte los, und wie immer, wenn man mit Welsch diskutiert, wurden auch dieses Mal wieder Grüne und Linke beschimpft, hier als „Demokratiegegner“  – in einem besonders abstrusen Kommentar weist Welsch daraufhin, dass „die NSDAP links war“, was „Goebbels selbst“ behauptet haben soll – und die Gegenseite verglich die AfD mit den Nazis. So weit, so bekannt. So unerfreulich. So kontraproduktiv.

Meine sowie künftige Generationen haben mit dem NS-Regime nichts am Hut

Irgendwann ließ sich Welsch zu einer Aussage hinreißen, die noch ein Nachspiel haben dürfte – jedenfalls wenn Parteichefin Frauke Petry es ernst meint mit der Abgrenzung nach rechts. Ein User wies ihn darauf hin, dass in der 12-jährigen Naziherrschaft Homosexuelle verfolgt und getötet wurden. Worauf Welsch entgegnete:

„Es waren auch nur 12 Jahre, die man in Erinnerung behalten sollte. Aber nicht zu sehr gewichten. Es ist jetzt 70 Jahre her und meine sowie künftige Generationen haben mit dem NS-Regime nichts am Huit (sic!).“

Leugnung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Was soll das heißen, dieses „nicht zu sehr gewichten?“ Weil die Gaskammern „nur ein Detail“ der Geschichte des Zweiten Weltkriegs sind? So hatte es der Front-National-Gründer Jean-Marie Le Pen wiederholt gesagt, wofür der 87-Jährige im April von einem Pariser Gericht zu 10.000 Euro Schadenersatz verurteilt worden war, zu zahlen an drei Verbände, die geklagt hatten. Grund: die Leugnung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Nach Einschätzung von MÄNNER-Rechtsexpertin Sissy Brucker könnten Welschs Äußerungen als Volksverhetzung gewertet – das Recht auf freie Meinungsäußerung greift hier nicht – und zur Anzeige gebracht werden. Genau diesen Weg will nun die LGBTI-Aktivistengruppe Enough is Enough gehen, wie Sprecher Alfonso Pantisano gegenüber MÄNNER erklärte.

Holocaust relativieren – am Holocaust-Gedenktag

Man kann – zumal als schwuler Mann – die 12 Jahre unter den Nazis gar nicht genug gewichten. 5000 homosexuelle Männer starben in den KZs (MÄNNER-Archiv). Der Bäcker, bei dem ich morgens die Brötchen hole, muss das nicht wissen. Der Taxifahrer, der mich zum Flughafen fährt, auch nicht. Ein deutscher Politiker aber, zumal ein schwuler, sollte das nie vergessen. Wer das als Sprecher einer Homosexuellengruppe nicht beherzigt, hat seinen Job verfehlt. Wer an dem Tag, an dem vor 71 Jahren das Konzentrationslager Mauthausen befreit wurde – das größte deutsche KZ der Nationalsozialisten auf österreichischem Gebiet – und der in Israel als Holocaust-Gedenktag begangen wird, an dem man der sechs Millionen ermordeten Juden gedenkt, der sollte seinen Hut nehmen und demütig den Mund halten. Gerne für immer.

Wie gesagt. Gestern war ein guter Tag.

Titelbild: Fotolia


31 Kommentare

  1. Torsten Rüdiger Ilg

    Das klingt ja furchtbar welche Geisteshaltung hier offensichtlich zutage tritt. Peinlich und schrecklich zugleich.

  2. Reinhard Mosheim

    Homosexuelle wurden meines Wissens nicht befreit! Die meisten wurden aufgrund des bestehenden Totalverbots in andere Haftanstalten verlegt. Die Befreiung begann erst als in der Christopher Street eine Drag Queen den ersten Stein geworfen hat. Es sind noch nicht einmal 50 Jahre in der Schwule nicht aufgrund ihrer Orientierung gesetzlich verfolgt werden. Ich denke, die Geschichte im Blickfeld habend, dass wir eine liberale Gesellschaft nicht als etwas Selbstverständliches annehmen sollten.

  3. Herbert Dudichum

    natürlich will der Chef-Onanierer der AfD nicht an die Verbrechen seiner geistigen Väter erinnert werden… sonst würde ja noch jemand merken, was für Dreckspack sich da sammelt.

    Ein Schlag ins Gesicht für Millionen Tote, Millionen Familien, die es nie gab, Millionen Biographien die viel zu früh endeten, dafür Raub, Mord, Betrug, Diebstahl und jede Art von Perversion und menschlichem Abgrund: sowas findet der feiner Herrenmensch ja wohl toll !?

    Vielleicht war ja jemand dabei, der eine richtig fiese Krankheit (Krebs wäre nett) hätte heilen können und dieses selten dämliche Schliessmuskel-Organ verreckt jämmerlich am Arschkrebs !?

    Hoffentlich verklagt mich der Wichser… dann seh ich ihn vor Gericht !

  4. Tim Alberts

    Herr Welsch ein Tipp von mir .. Besuchen sie einen Psychoanalytiker und dann einen Psychiater..möglicherweise kann ihnen geholfen werden !!!

  5. Viktor S Bloch

    Jetzt liebe Freunde könnt Ihr Unkenntnis nicht mehr vorbringen – lest es selbst. Und das meine ich ohne Sarkasmus oder Ironie! Es geht um unser Leben

  6. Torsten Müller

    wir sind keine Freunde und auf AFD Lügen scheisse da erbreche ich mich drauf den diese Leute sind eine Gefahr für unser Leben und damit beende ich diese Unterhaltung mit dir

  7. Viktor S Bloch

    Lieber Torsten, les doch die Quellen! Nix AfD … Originalquellen von islamischen Seiten. Irgendwann erkennst Du das hoffentlich auch. Das wünsch ich Dir! In diesem Sinn, alles Gute


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