CDU macht auf AfD

Union will mit Arroganz für Deutschland punkten

Ein gutes Jahr vor der Bundestagswahl kommt die CDU auf etwa 33 Prozent (je nach Meinungsforschungsinstitut mal ein bisschen mehr, mal etwas weniger), die SPD erreicht in den meisten Umfragen 21 Prozent, liegt vereinzelt aber schon unter 20 Prozent. Um Platz 3 konkurrieren die Grünen (etwa bei Forsa) und die Alternative für Deutschland, AfD (Infratest dimap).

Nachdem die CDU erfolgreich sozialdemokratische Positionen übernommen hat (Atomausstieg, Mindestlohn), was dem Koalitionspartner empfindlich Stimmen gekostet hat, will sie dieses Modell jetzt auch auf die AfD anwenden und teilweise deren Positionen übernehmen. Dazu gehört u. a. die Betonung des Familienmodells Vater-Mutter-Kind gegenüber der Regenbogenfamilie. Wobei das Copyright für schwulenfeindliche Positionen bekanntlich bei CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder liegt. „Ich glaube nicht, dass sich Kinder wünschen, in einer homosexuellen Partnerschaft aufzuwachsen“, äußerte er einst gegenüber der Frankfurter Rundschau. 2010 war das. Drei Jahre vor der Gründung der AfD.

CDU

Alexander Vogt, Bundesvorsitzender der Lesben und Schwulen in der Union (LSU)

Ein Bericht der BILD-Zeitung, dass die „christlichen“ Unionsparteien auf dem Rücken von Schwulen und Lesben – und ihren Kindern – den nächsten Wahlkampf austragen wollen, hat gestern nicht nur die queere Gemeinde aufgeschreckt, sondern auch schwule CDU-Mitglieder kalt erwischt. Überrascht zeigten sich sowohl LSU-Chef Alexander Vogt wie der Stuttgarter CDU-Abgeordnete Stefan Kaufmann. Schwer vorstellbar, lautete der Tenor.

Die Menschen wollen nicht, dass die Politik ihnen sagt, nach welchem Modell sie zu leben haben

Christian Bäumler, der stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU Sozialausschüsse (CDA), wies gegenüber MÄNNER daraufhin, es gebe dafür bisher keinen Beschluss eines Parteigremiums. Es widerspreche auch dem, was Wahlforscher berichteten: „Die Menschen wollen nicht, dass die Politik ihnen sagt, nach welchem Modell sie zu leben haben.“

Auch beim Großstadtbeauftragten der CDU, Kai Wegner, dürften die Pläne nicht auf Begeisterung stoßen. Das erklärte Ziel Wegners, der am Freitag leider nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war, ist es, seine Partei in den großen Städten wieder attraktiver und schlagkräftiger zu machen (MÄNNER-Archiv). Mit längst überholten 50er-Jahre-Positionen dürfte das schwierig werden. Zumal selbst die Kirchen in Deutschland fortschrittlicher sind: Mittlerweile vier evangelische Landeskirchen bieten Traugottesdienste auch für schwule und lesbische Paare an oder öffnen sich in Kürze (MÄNNER-Archiv).

Offiziell war von der CDU gestern nichts zu erfahren. Weder kommentierte man die BILD-Meldung, noch dementierte man sie.

Echte Gleichstellung, wie es das Grundgesetz vorsieht

Die offen lesbische Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat vor wenigen Tagen in der Reihe Caren Miosga interviewt … daraufhin gewiesen, dass die Öffnung der Ehe eine Frage sei, „die wir jetzt bald mal klären müssen“. Der nächste Schritt sei die „echte Gleichstellung, so wie es das Grundgesetz vorsieht“. Die Ministerin räumte aber ein: „Innerhalb dieser Legislaturperiode wird uns das nicht gelingen. Das ist von der Union deutlich ausgeschlossen worden.“

Ignorantes Schweigen, arrogantes Schweigen

Das Desinteresse der „christlichen“ Parteien an gleichgeschlechtlich Liebenden, die fortgesetzte Behandlung von LGBTI-Menschen als Bürger 2. Klasse hat Methode. Das zeigte das passive Verhalten der Kanzlerin am Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie, IDAHOT (MÄNNER-Archiv). Während andere Staatschefs darunter Obama und Cameron ausgesprochen homofreundliche Worte fanden, war von der Kanzlerin nichts zu hören. Auf Nachfrage von MÄNNER, wie man das verstehen solle, gab es keine Antwort. Auf ignorantes Schweigen folgte arrogantes Schweigen.

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Klaus Lederer, Vorsitzender der Berliner Linken

Bevor 2017 ein neuer Bundestag gewählt wird, finden im September die Wahlen zum Berliner Abgeordntenhaus statt. MÄNNER veranstaltet eine Elefantenrunde mit queeren Politikern aller Parteien. Nein, nicht ganz. Nicht alle Parteien. Während beispielsweise der Berliner Landeschef der Linken, Klaus Lederer und der bisherige SPD-Landeschef Jan Stöß längst zugesagt haben ebenso wie FDP und Piraten, schafft es die CDU seit zwei Monaten nicht, einen Teilnehmer zu nominieren.

Titelbild: Imago/Pacific Press Agency


12 Kommentare

  1. Frank Hoffmann

    Ihr nehmt die Bild-Zeitung als Quelle für eine Meldung die Euch so gut gefällt weil sie Eure Schubladen bedient, nicht wahr? Ist das nicht sogar für Eure Verhältnisse ein bisschen peinlich? Bild als Quelle? Werdet erwachsen!

  2. Bernhard Kreiner

    alles grundgesetzverbrecher die würde des menschen ist unantastbar da steht nicht dreckige hetero sind übermenschen und homosexuelle müssen mit reste der rechte zurechtkommen

  3. Manuel Kettner

    Das Problem ist, das in den Altparteien zu viele alte Menschen, Die überhaupt keine Ahnung haben, noch das sagen haben. Solang da nichts geschieht und sich nichts ändert, werden wir noch in 10 Jahren um unsere Rechte kämpfen müssen. Das Problem von den meisten Politikern ist einfach, das die nicht mit der Zeit mitgehen, sondern noch in der Vergangenheit leben und an die Werte für Familie und die Gesellschaft festhalten, Die vor 20 oder 30 Jahren noch aktuell waren. Eins scheinen die leider zu geverssen, das die Familie und Gesselschaft sich entwickeln und entwickeln muss, um zu überleben und die Politik sich danach richten muss.
    Wenn man bedenkt, das einige Länder bei diesen Thema schon viel weiter sind.

  4. Gernot Langs

    Wahrscheinlich verbietet Herr Erdogan Frau Merkel sich für LGBT einzusetzen. Und da sind Herr Kauder und die Kanzlerin ja ganz auf Linie mir der AfD und dem türkischen Präsidenten.

  5. Eleonore Nettelbeck

    Thorsten Kehrmann Ich verfolg das ja erst seit 2004 hier in Deutschland, weil ich vorher in Ö gelebt habe. Aber ich finde es wenig genau und insofern schon unwahr: Die CDU macht nicht auf AfD. Die CDU hat seit mind. 12 Jahren eine sich kaum verändernde Position. Auch schon vor dem Auftauchen/Erstarken der AfD gab es deutliche Berührungsängste der C-Parteien mit Lebensformen, die nicht Mainstream sind.

  6. Eleonore Nettelbeck

    Thorsten Kehrmann Sorry, hab ich missverstanden. Ich weiß nicht, in anderen Medien wird kolportiert, dass „die arrivierten Parteien“ (zu denen ich die CDU zählen würde) sich in Abgrenzung von der AfD eher in Richtung unterschiedlicher Lebenskonzepte öffnen möchte. Wahrscheinlich müssen wir es einfach abwarten.


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