Desire Will Set You Free

Kino: Utopie küsst Geschichte

Das Generationsporträt „Desire Will Set You Free“ erfindet die Welt nicht neu, aber punktet mit Charme

Das Generationsporträt „Desire Will Set You Free“ erfindet die Welt nicht so neu, wie der Macher es gern hätte, aber punktet mit Charme

Desire will set you free

Szene aus „Desire will set you free”

Er wolle die Welt nicht zeigen, wie sie ist, sondern wie sie sein könnte, mit all ihrem dreckigen, sexy, verrückten und farbenfrohen Potenzial. Das sagt Regisseur Yony Leyser über seinen neuen Film – und hat damit nur bedingt Recht. Denn das Berlin, das der Amerikaner in „Desire Will Set You Free“ zeigt, ist einem auch in Wirklichkeit ziemlich vertraut. Ezra (gespielt von Leyser selbst), Amerikaner mit palästinensisch-israelischen Wurzeln, lässt sich hier mit Freunden wie der bisexuellen Cathrine (Chloe Griffin) durch das drogengetränkte Nachtleben von Kreuzberg-Neukölln treiben und träumt von einer Schriftstellerkarriere. Dann lernt er in einer Schöneberger Stricherbar den hübschen jungen Russen Sasha (Tim- Fabian Hoffmann) kennen – und stürzt sich auch noch in die Liebe.

Der Charme des Selbstgebastelten

Viel Handlung ist das nicht, doch um Plot geht es Wahl-Berliner Leyser (inszenierte auch die Doku „William S. Burroughs: A Man Within“ ) sowieso nicht. Vielmehr vermischt er die eigene Biografie mit dokumentarischen Hauptstadt-Elementen, einer schwulen Liebesgeschichte und jeder Menge (pseudo-)intellektuellen und politischen Ideen. Das Ergebnis ist ein filmisches Experiment, dem in jeder Hinsicht der Charme des Selbstgebastelten anhaftet.

Desire will set you free

Szene aus „Desire will set you free”

Zwischen Bowie-Referenzen und MDMA-Exzessen hapert es dramaturgisch und dialogisch zwar bisweilen, dafür bietet der Film mehr Homo-Hipster-Sexiness, als man sie sich im Kino je erträumt hätte. Nebenbei wird der queeren Historie Berlins ein originelles und bei aller Utopie eben doch authentisches Denkmal gesetzt. Neben „Buffy“-Lesben-Ikone Amber Benson haben auch Rosa von Praunheim (MÄNNER-Archiv: Rosa erhält Bundesverdienstkreuz), Peaches, Nina Hagen, Blixa Bargeld, Rummelsnuff und Chantal Berlin Gastauftritte

Die ZDF-Koproduktion des Kleinen Fernsehspiels „Desire will set you free” wurde gefördert durch das Medienboard Berlin-Brandenburg und die Rudolf Augstein Stiftung und läuft am Montag, 7. November 2016 um 00.30 Uhr im ZDF.

Foto: missingFILMs


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