Eddie McGuinness and John Ward on their wedding Day 2016

1 Jahr nach dem irischen YES!

Wie Aktivist Eddie McGuiness sein Ehe-Update bekommen hat

Was vor einem Jahr in Irland passiert ist, war eine Revolution: Am 22. Mai 2015 wurde der Inselstaat zum ersten Land der Welt, in dem die Ehe über eine Volksabstimmung geöffnet wurde. 62% der Iren stimmten für den Gesetzesentwurf – und das, obwohl Kardinäle und Bischöfe in dem katholisch geprägten Land lautstark Wähler aufgefordert hatten, mit Nein zu stimmen.

Als wir die Zahlen hörten, ist kein Auge trocken geblieben

Mit leichter Verzögerung ging es dann im November los: Die ersten schwulen und lesbischen Brautpaare traten vor den Altar. Seitdem haben bereits mehr als 400 gleichgeschlechtliche Paare geheiratet, unter ihnen auch unser „Aktivist der Herzen“ Eddie McGuinness (MÄNNER-Archiv). Der Erfinder und Veranstalter des Musik- und Datingfestivals „The Outing“, das jährlich in der Kleinstadt Lisdoonvarna im Westen Irlands stattfindet, erinnert sich noch genau an den Tag des Referendums.

„Mein Mann und ich waren für den Eurovision Song Contest in Wien. Wir haben uns mit über 120 schwulen Iren in einem Irish Pub die Ergebnisse der Abstimmung live aus Dublin angesehen. Als wir die Zahlen hörten, ist kein Auge trocken geblieben.“ Für Eddie, der sich auch als Aktivist aktiv für LGTBI-Rechte engagiert, war der Tag das Resultat Jahrzehnte langer Arbeit: „Wir konnten endlich zeigen, dass dieses kleine katholische Land eine große Stimme hat und eine Message an die ganze Welt senden kann.“

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Eddie McGuinness und John Ward bei ihrem „Upgrade“ (Foto: privat)

Eddie selbst hatte bereits im Jahr 2013 mit seinem Lebenspartner John eine eingetragene Lebenspartnerschaft abgeschlossen. Für ihn war es keine Frage, diese nun in eine Ehe umzuwandeln: „Ich hätte nie erwartet, dass ich einmal wie mein Bruder und meine Schwester werde heiraten können. Nach dem Referendum konnten wir jetzt ein ‚Upgrade’ haben, dass es uns ermöglicht, den Leuten um uns herum zu zeigen: Wir sind nicht anders als Ihr und unsere Liebe ist dieselbe.“ Und es gab seit der historischen Abstimmung noch mehr Upgrades für LGTBI in Irland: Bereits im Oktober verabschiedete die Regierung den so genannten „Gender Recognition Act“, der es Trans*Menschen ermöglicht, selbst zu bestimmen, unter welchem Geschlecht sie bei Behörden gemeldet sind. Außerdem wurde vor einigen Wochen erst ein neuer Gesetzesentwurf vorgestellt, der verheirateten Schwulen und Lesben das Recht zur Adoption geben wird. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er verabschiedet wird.

Die Bevölkerung ist längst klare für die Ehe für alle – aktuelle Zahlen sprechen von 68% Befürwortern

Weniger rosig sieht es indes in Nordirland aus: Hier stimmte das Parlament zwar im November zugunsten einer Gesetzesänderung ab, die die Ehe auch schwulen und lesbischen Paaren ermöglichen sollte. Seitdem blockiert jedoch die konservative „Democratic Unionists“-Partei (DUP) die Änderung (MÄNNER-Archiv: So führt ein Teenager seinen homofeindlichen Abgeordneten vor). Sie beruft sich auf eine umstrittene Klausel aus der Verfassung, die eigentlich ursprünglich dem Schutz von Minderheiten dienen sollte. Der Druck auf die DUP wächst jedoch: Nicht nur kritisieren LGTBI-Organisationen und Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International lautstark die Blockade. Auch hat sich gezeigt, dass seitens der Bevölkerung längst eine klare Stimmung zugunsten der Ehe für alle herrscht – aktuelle Zahlen sprechen sogar von 68% Befürwortern.

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Prächtige Stimmung in Lisdoonvarna, 2015 (Foto: Eamon Ward)

Katholische Kirche zeigt sich unbeeindruckt

Doch auch im Rest der Insel gibt es ein Jahr nach dem erfolgreichen Referendum einiges zu tun. Nach wie vor hat die katholische Kirche einen großen Einfluss im Land. Und sie hat sich, wie auch sonst überall auf der Welt, selbst angesichts klarer Abstimmungsergebnisse bisher keinen Zentimeter bewegt, wie uns Eddie erzählt: „Die katholische Kirche hat ziemlich unbeeindruckt reagiert und nur angekündigt, überprüfen zu wollen, was das Referendum nun für die katholischen Iren bedeutet. Passiert ist seitdem nichts. Andere Kirchen haben sich da offener gezeigt und ich glaube, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis erste (nicht-katholische) Kirchen Schwulen und Lesben erlauben werden, bei ihnen eine Ehe abzuschließen.“

The Outing First Wedding of Christina Procter and Amy Gavin with Eddie McGuinness at The Outing LGBT Matchmaking Festival Lisdoonvarna Ireland

Eddie (Mitte) mit Christina Procter und Amy Gavin (Foto: privat)

Eddie selbst sorgt selbst für immer neuen heiratsfreudigen Nachschub. Denn sein „The Outing“-Festival will den Besuchern nicht nur ein spannendes Musik- und Kulturprogramm bieten, sondern sie auch verkuppeln. Inzwischen hat sich aus dem „Matchmaking“ auch die erste Ehe ergeben, wie er stolz erzählt.

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Eddie mit Christina Procter and Amy Gavin in Lisdoonvarna, 2015 (Foto: Eamon Ward)

Als offizieller Kuppler war er bei der Hochzeit höchstpersönlich dabei: „Das waren zwei wunderbare Frauen, die sich bei unserem ersten Festival kennengelernt haben und nun beschlossen haben, zu heiraten. Das freut mich natürlich, eine helfende Hand dabei gewesen zu sein und sie zusammengebracht zu haben. Soweit ich weiß, sind auch noch einige in der Pipeline.“

Das „The Outing LGBT Matchmaking & Music Festival“ findet in diesem Jahr vom 7. bis 9. Oktober in Lisdoonvarna statt. Mehr Informationen unter www.theouting.lgbt und hier (MÄNNER-Archiv)!

Titelbild: privat


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