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Die ganze Stadt hört Schlager

Stockholm freut sich auf den Eurovision Song Contest

Nein, am Eurovision Song Contest kommt in Stockholm keiner vorbei. Wer durch die Straßen geht, der trifft an jeder Ecke auf irgendein kleines oder größeres Detail, das sich die Stadt ausgedacht hat, um zu zeigen, wie sehr sich alle auf das Event freuen. Schon das Motto „Come Together“ macht klar: Die Schweden können es nicht erwarten, dass Touristen aus aller Welt in ihr Land kommen. Nach 2013 dürfen sie endlich wieder ESC-Gastgeber sein.

Damit auch wirklich jeder in Eurovision-Stimmung kommt, wehen an den Bussen kleine ESC-Fähnchen. Sie haben den Platz der schwedischen Flaggen eingenommen, die Ende April die Busse geschmückt haben, um den Geburtstag von König Karl XVI. Gustav zu feiern. Fahnen auf öffentlichen Verkehrsmitteln? Diese Ehre ist eigentlich royalen Feiertagen vorbehalten.

Zu Måns Zelmerlöw über die Straßen tanzen

Doch das ist noch lange nicht alles. Am Norrmalmstorg steht eine acht Meter hohe Plastik-Pusteblumen-Konstruktion, welche die Sekunden bis zum Finale zählt. Fans aus Australien posieren vor der Statue mit ihrer Landesflagge, sie machen Selfies, posten sie auf Instagram. Ob „Sound Of Silence“ von der australischen Sängerin Dami Im das zweite Halbfinale übersteht? Aus der Blume ertönen die 41 Teilnehmer-Songs in Dauerschleife. Die vier Australier sind fertig, da nehmen schon Fans aus Italien ihren Platz ein. Der Andrang ist groß. Angeblich versprüht der riesige Löwenzahn sogar einen leichten Duft.

Eurovision Song Contest

Der Aussichtsturm City Skyliner, eigens für den ESC aufgestellt. Foto: Fabian Schäfer

Gleich gegenüber, im Kungsträdgården, befindet sich im Eurovision Village die wohl außergewöhnlichste ESC-Attraktion: Der 81 Meter hohe Aussichtsturm City Skyliner, der einen 360-Grad-Blick über die ganze Innenstadt ermöglicht und eigens fürs größte Musikfest der Welt aufgebaut wurde.

Wer genau hinhört, der entdeckt auf dem Weg dorthin noch ein weiteres Detail: Aus den Ampeln zwischen Pusteblume und Eurovision Village ertönt bei Grün nicht nur das übliche Klock-Klock für Blinde, sondern Måns Zelmerlöws „Heroes“. Mit dem Gewinnerlied vom letzten Jahr tanzt es sich gleich viel besser über die Straße. Schaltet die Ampel auf Rot, übernimmt „Euphoria“ von Loreen.

Noch mehr Schlager als sonst

Was die Laune der Stockholmer noch weiter anheizt: Frühsommerliche 21 Grad bei blauem Himmel. Nach dem langen, kalten und dunklen Winter und dem regnerischen Frühling erlebt die Stadt gerade die ersten richtig schönen Tage des Jahres. Dass die Stadt aufblüht, überträgt sich eins zu eins auf die Menschen. Alle sind draußen, zeigen Haut, lassen es etwas ruhiger angehen, genießen die Sonne.

Eurovision Song Contest

Die riesige Pusteblume zählt den Countdown bis zum Finale. Foto: Fabian Schäfer

Und sie genießen den Schlager. Der läuft zwar normalerweise schon auf jeder Schwulenparty, doch am Wochenende vor dem Eurovision Song Contest haben sich ABBA (seit Anfang des Jahres gibt es mit „Mamma mia – the party“ eine neue Attraktion in Stockholm – MÄNNER-Archiv), Charlotte Perrelli und die schwedische Version von Helene Fischers „Atemlos“ abgewechselt.

Schwedischer Vorentscheid: 13 Millionen abgegebene Stimmen

Denn die Schweden lieben ihre Eurovision-Musik. Das beweist alleine der Aufwand, der um den Vorentscheid „Melodifestivalen“ betrieben wird. Statt wie hierzulande zunächst einfach der NDR einen Sänger fürs Finale bestimmen wollte (Irland und Russland haben es tatsächlich so gehalten), gönnen sich die Schweden ganze fünf Shows plus Finale.

Fast 3,5 Millionen Menschen haben dabei eingeschaltet. Das heißt: Mehr als jeder dritte Schwede hat die Melodifestivalen-Entscheidung vor dem Fernseher verfolgt. Fast 13 Millionen Stimmen wurden beim Televoting abgegeben.

Man kann also zurecht behaupten, dass die ganze Nation verrückt nach dem Eurovision Song Contest ist. „Wir haben gute Ergebnisse beim Eurovision, also schauen die Leute Eurovision. Sie sind stolz. Darum geht es eigentlich: um Stolz“, erklärte ESC-Produzent Christer Björkman im SZ-Interview die Faszination seiner Landsleute. Einen besseren Ort für den Grand Prix scheint es also kaum zu geben. Wer auch immer dieses Jahr gewinnt, eines steht fest: Stockholm legt die Messlatte sehr hoch.

So hört sich übrigens „Atemlos“ auf Schwedisch an (ab Min. 1:40):

Titelfoto: Fabian Schäfer


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