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„Holding the man”

Australischer Liebesfilm jetzt auf DVD

Noch nie von Timothy Conigrave gehört? Das wäre nicht weiter verwunderlich. Und wenn man in Deutschland aufgewachsen ist, sogar verzeihlich. Unter schwulen Männern in Australien beziehungsweise im gesamten englischsprachigen Raum ist der Name ungleich bekannter.  1995 – wenige Monate nach seinem Tod – erschien sein autobiografischer Roman „Holding the Man“ erschien. Bis heute wird das Werk, in dem der Autor die 15-jährige Beziehung zu seinem Jugendfreund und Lebensgefährten John Caleo beschreibt, neu verlegt, erschien in Spanien und den USA. Es wurde sogar mit dem Human Rights Award der Vereinten Nationen ausgezeichnet und immer wieder in Listen der besten australischen Bücher aller Zeiten aufgenommen. 2006 wurde es als Theaterstück adaptiert, avancierte zu einer der erfolgreichsten Bühnenproduktionen dieses Jahrhunderts in Down Under und schaffte es bis ins Londoner West End.

Holding the man

Zur Story: Conigrave und Caleo lernen sich 1976 als 16-Jährige an einer katholischen Schule in Melbourne kennen. Tim (Ryan Corr), eher der Typ für die Theater-AG als für den Sportunterricht, versucht mit einer Mischung aus Selbstbewusstsein und Naivität seinem Schwarm näherzukommen. Und siehe da: John (Craig Stott), seines Zeichens Captain des Football-Teams, dafür aber erstaunlich schüchtern, erwidert die Avancen. Zunächst zögerlich, bald umso leidenschaftlicher stürzen sich die beiden in ihre Romanze. Dass bald die Priester der Schulleitung und irgendwann auch die Mitschüler hinter ihr Geheimnis kommen, bleibt erstaunlicherweise ohne allzu negative Konsequenzen. Und selbst als die aufgebrachten Eltern der beiden die Beziehung verhindern wollen, lassen sich Tim und John nicht auseinanderbringen.

Holding the man

Über die Jahre macht das Paar gewöhnliche Höhen und Tiefen durch. Tim geht nach Sydney, um sich den Traum von der Schauspielerei zu erfüllen, während John eine Ausbildung zum Chiropraktiker macht. Tim stürzt sich auch ohne seinen Freund ins schwule Nachtleben der Metropole, sie trennen sich, kommen aber doch wieder zusammen und finden schließlich in einer gemeinsamen Wohnung ihr endgültiges Glück. Doch dann erschüttern zwei bedrohliche Diagnosen den Alltag des Paares.

Gespür für die Emotionen junger Liebender

Dass „Holding the Man“ auf die Kinoleinwand kam, ist zwei schwulen Männern zu verdanken: Tommy Murphy, der schon die Bühnenfassung verantwortete, schrieb das Drehbuch, die Regie übernahm Australiens Theater- und Opern-Titan Neil Armfield. Dessen letzter Film „Candy“ mit Heath Ledger liegt zehn Jahre zurück, doch sein Gespür für die Emotionen junger Liebender und ihre tragisch endenden Geschichten hat ihn nicht verlassen. So konzentriert sich „Holding the Man“ voll auf die intime Romantik der Beziehung von Tim und John. Nebenbei wird ein Stimmungsbild der australischen Gesellschaft Ende der 70er und Anfang der 80er gezeichnet, die auf Seiten der schwulen Community voll von der zerstörerischen Wucht der AIDS-Krise erfasst wurde. Die politische Dimension dieser Entwicklung geht in der Privatheit der Geschichte aber eher unter. Und auch die Homophobie, der die beiden Jungs in der Schule begegnen, wird nur sparsam thematisiert. Vorrang hat die Liebe und Romantik ihrer Beziehung.

Jetzt auf DVD und VOD

Eine ausführliche Besprechung ist in MÄNNER 6.2016 (zum Shop!) erschienen.

Fotos: Holding the man / Pro-Fun


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