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Jesuitenpater fordert Gleichstellung

Klaus Mertes: Die schlimmste Homophobie geht von schwulen Priestern aus

In einem Interview anlässlich des heute beginnenden Katholikentages in Leipzig mit der Tageszeitung taz hat Klaus Mertes, Jesuitenpater und ehemaliger Leiter des Canisius Kollegs, sich für die Rechte von homosexuellen Kirchenmitgliedern stark gemacht. Der Geistliche äußerte Verständnis für die Austritte von LGBTI aus der katholischen Kirche: „Ich habe Respekt davor, wenn homosexuelle Menschen sagen, sie wollen nicht hundert Jahre warten, bis die Kirche soweit ist und deshalb austreten.“ Der Priester war einer derjenigen, die vor sechs Jahren begannen, den Missbrauchsskandal in der deutschen katholischen Kirche aufzudecken.

Ich kenne viele Schwule und Lesben, die sich in der katholischen Kirche trotz aller Verletzungen nicht ausgrenzen lassen und in ihr bleiben

Seitdem hat sich Mertes immer wieder unterstützend für LGBTI geäußert. In der taz vom Mittwoch sagte er unter anderem: „Ich kenne viele Schwule und Lesben, die sich in der katholischen Kirche trotz aller Verletzungen nicht ausgrenzen lassen und in ihr bleiben. Sie helfen mir, zu sehen, dass die Kirche viel zu bieten hat. Wer geht, verliert auch etwas.“ Was das ist, weiß er auch: „Die Glaubensgemeinschaft, die spirituelle Beheimatung. … Es ist die Schönheit der Gesänge, die Kraft der Liturgie, der ritualisierte wöchentliche Kontakt mit dem Evangelium, der Eucharistie und den Sakramenten. Das sind große Sachen.“

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die härteste Homophobie oft von Klerikern kommt, die selbst homosexuell sind und das Thema bei sich selbst verleugnen.

Trotz alledem sieht Mertes das Verhalten der Kirche gegenüber LGBTI mehr als kritisch: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die härteste Homophobie oft von Klerikern kommt, die selbst homosexuell sind und das Thema bei sich selbst verleugnen. Homophobie ist ein gesellschaftliches Thema. Die katholische Kirche lehnt Homosexualität vor allem deshalb ab, weil sie Sex grundsätzlich mit Fruchtbarkeit verbindet. Deswegen hängt an dem Thema für sie letztlich auch das ganze Gebäude der kirchlichen Sexualmoral.“ Und eben von diesem Denken, möchte Mertes weg.

Die katholische Kirche muss das Thema Homosexualität als Menschenrechtsthema wirklich ernst nehmen.

„Die katholische Kirche muss das Thema Homosexualität als Menschenrechtsthema wirklich ernst nehmen. Sie sollte ihren weltweiten Einfluss geltend machen, dass die elementarsten Rechte der Homosexuellen überall gesichert sind, zum Beispiel in der ersten Person Singular sagen zu können: ‚Ich bin schwul. Ich bin lesbisch‘, ohne ausgegrenzt zu werden. Seine Homosexualität in der Öffentlichkeit zeigen zu können, ohne mit dem Tod bedroht zu sein – hier könnte man ja mal anfangen. Es wundert, ja, es empört mich, dass die Kirche in dieser Frage so still ist, während sie doch in anderen Punkten erfreulicherweise ihre Stimme für die grundlegenden Menschenrechte laut erhebt.“

Mertes ist Autor mehrerer Bücher und schreibt Kolumnen in Zeitungen und Zeitschriften, unter anderem auch im Berliner „Tagesspiegel“. Er ist Chefredakteur von „Jesuiten“, einer quartalsweise erscheinenden Informationsschrift der deutschsprachigen Jesuiten und steht seit 2011 dem Kollegs St. Blasien als Direktor vor.

Das vollständige Interview findet sich in der Beilage der Taz vom 25. Mai

Foto: Imago/Metodi Popow


2 Kommentare

  1. Bernhard Kreiner

    homosexuelle brauchen einen eigenen glauben und glaubensrichtung verstehe es auch nicht warum homosexuelle so gerne—christen nachlauffen die haben unsere spezies der homosexuellen und lgbttia von anfang an gehasst warum da einer mitmacht verstehe ich bis heute nicht-

  2. Axel Saxel

    Gebe ihm völlig Recht, nur bin ich konsequenter, und bin mittlerweile konfessionslos.
    Ich kann nicht verstehen, wie man nach dieser leidvollen Geschichte und den Verstrickungen in Mafiastrukturen bei sämtlichen Religionsgemeinschaften vielleicht noch bis auf den Buddhismus im 21. Jahrhundert als aufgeklärter Mensch noch diesen Institutionen das Wort reden kann.
    Religionen haben sich gefälligst aus Politik und Staat heraushalten.
    Das gilt auch für den Zentralrat des Islam.


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