Geldschine

Was kostet Homophobie?

"Schwuler Kölner“ - macht 300 Euro!

von Hanno Stecher

Vor einigen Tagen haben wir über den Fall des schwulen spanischen Schiedsrichters Jesús Tomillero Benavente berichtet, der nach wiederholten Anfeindungen seinen Job hingeschmissen hat (MÄNNER-Archiv). Das Fass zum Überlaufen gebracht hatte ein Zuschauer, der den Andalusier als „Scheiß Schwuchtel“ beschimpfte. Benavente beschloss daraufhin, seinen Job als Schiedsrichter an den Nagel zu hängen, legte aber vorher beim andalusischen Fußballverband Beschwerde ein. Genugtuung brachte ihm das nicht: Der Verein seines Peinigers kam mit einer Geldstrafe von 150 Euro davon. Lächerlich, wie nicht nur der 21-jährige findet.

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Anlass genug, zum heute stattfindenden Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie (IDAHOT) einen genaueren Blick darauf zu werfen, welche Geldstrafen eigentlich in Deutschland zu erwarten sind, wenn man andere homophob oder transphob diskriminiert. Haben wir nicht das Antidiskriminierungsgesetz, das Menschen vor solchen Äußerungen und Taten schützen soll?

Nicht ganz, erklärt man uns auf Nachfrage bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die Menschen berät, die von Diskriminierung betroffen sind. Denn das „Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“ (AGG) regelt nur Fälle, in denen in Form von Benachteiligungen oder Belästigung in konkreten Zusammenhängen diskriminiert wird. Die betroffene Person hat Anspruch auf eine Entschädigung, wenn sie nachweisen kann, dass sie aufgrund von Merkmalen wie sexueller Identität, Geschlecht oder Alter ungleich behandelt wurde. Das Gesetz bezieht sich dabei vor allem auf Arbeitszusammenhänge, aber nicht nur: So musste beispielsweise im Juni letzten Jahres der Vermieter einer Kölner Villa für Feste und Veranstaltungen 1.500 Euro Schadensersatz zahlen, nachdem er einem schwulen Paar verweigert hatte, in seinen Räumlichkeiten ihre Hochzeit zu feiern. Doch es gibt nur sehr wenige konkrete Fälle wie diese – vor allem, da es nicht einfach ist, Ungleichbehandlungen nachzuweisen.

Anders sieht es aus bei konkreten Beleidigungen aus, die vor Gericht kommen. Diese werden vom Strafgesetzbuch geregelt. Hier gibt es mehr Beispiele, insbesondere wenn es um die Beleidigung von schwulen Männern geht.

  • 2014 beleidigte Akif Pirinçci in seinem Buch „Deutschland von Sinnen“ den Wissenschaftler Heinz-Jürgen Voß als „geisteskranken, durchgeknallten Schwulen mit Dachschaden“. Voß erstattete darauf Strafanzeige und Pirinçci wurde zu einer Geldstrafe von 8.000 Euro verurteilt.
  • 2014 verurteilte das Amtsgericht München zwei Wiesn-Besucher zu Geldstrafen, nachdem sie eine Gruppe von schwulen Männern in der U-Bahn mit folgenden mäßig schmeichelnden Worten beehrt hatten: „Drecksschwuchteln, ihr gehört vergast. Früher wärt ihr ins KZ gekommen“. Es kam außerdem zu tätlichen Angriffen. Strafe: Bußgelder in Höhe von 6.600 und 7.000 Euro.
  • Aus dem Jahr 2013 stammt der Fall des Friseurpaares Ignacio Mendez und Timur Babayigit aus Schleiden bei Köln: Die beiden waren von einem wütenden Nachbarn mit diesen Worten beschimpft worden: „Was wollt Ihr hier, Ihr Scheiß-Schwuchteln? Verpisst Euch in das Loch, woher ihr gekommen seid.“ Der Mann wurde zu 900 Euro Schadensersatz verdonnert.
  • Noch am günstigsten weggekommen ist ein Mann aus Essen, der einen 48-jährigen Mitarbeiter eines Bürgerbüros in Düsseldorf mit folgenden Worten bedachte: „Ich reiß dir deinen schwulen Ohrring raus, Du schwuler Kölner“. Kostenpunkt: 300 Euro.

An den Fallbeispielen kann man erkennen, wie unterschiedlich die Strafen für Beleidigungen ausfallen können und wie sehr sie von der konkreten Situation abhängen. Eine einheitliche Geldstraft für „Schwule Sau“ gibt es nicht. Die Zahlen zeigen außerdem, wie glimpflich man in Deutschland mit Diskriminierung davonkommt.

130.000 Euro für verweigerte Dienstleistung
Ein Blick auf die USA führt vor Augen, dass es auch anders laufen kann: Hier wurden beispielweise im vergangenen Jahr die Bäcker Aaron und Melissa Klein aus Oregon zu einer Zahlung von umgerechnet 130.000 Euro verurteilt, nachdem sie sich geweigert hatten, eine Hochzeitstorte für ein lesbisches Paar zu backen. Grundlage ihrer Verurteilung war das lokale Antidiskriminierungsgesetz. Dieses Gesetz war es auch, das einer Gruppe von Transfrauen in Portland einen Schadensersatz von 400.000 Euro ermöglichte, nachdem ein Barbesitzer ihnen aus Angst vor Kundenmangel ihren Stammtisch verboten hatte.

 

Komm her, Du schwule Sau!

Zum Schluss noch ein letzter Blick nach Deutschland und auf den Fußball, wo wie so oft ganz eigene Gesetze gelten. Der DFB verhängt regelmäßig Geldstrafen gegenüber Vereinen oder Einzelpersonen, die sich diskriminierend äußern. Klassisches Beispiel ist jenes von Peter Pacult, Trainer des Regionalvereins RasenBallsport Leipzig aus dem Jahr 2012. Er hatte in einem Spiel seines Vereins einem Zuschauer „Komm her, Du schwule Sau“ zugerufen und musste dafür 800 Euro blechen. Weniger glimpflich kam 2013 Spieler Mohamadou Idrissou vom 1. FC Kaiserslautern davon. Er wurde vom DFB mit einer Geldstrafe in Höhe von 3.000 Euro verdonnert, nachdem er in einem Fernsehinterview einem Schiedsrichter eine „schwule“ Körpersprache unterstellt hatte.

3.000 Euro, das wäre wohl auch die Größenordnung, die dem spanischen Trainer Jesús Tomillero Benavente eine gewisse Genugtuung gebracht hätte. Aber seien wir mal ehrlich: Auch der größte Geldbetrag kann das tragische Ende einer Karriere nicht wettmachen. Und er wird vermutlich auch wenig daran ändern, dass gerade im Fußball homo- und erst recht transphobe Diskriminierungen und Beleidigungen weiterhin zur Tagesordnung gehören.

Wie nimmst Du homo- und transphobe Tendenzen in Politik und Gesellschaft wahr?

    Titelbild: Fotolia


    5 Kommentare

    1. Ömer Sith Blackwave

      Naja Diskriminierungs Entschädigung wäre cool ich habe das seit jahren in der schule immer gehört drecksschwuchtel scheißschwuchtel dies und das eben.. ich würde mich dann jetzt extra so beleidigen lassen und Geld kassieren. Hahaha 😀

    2. Ömer Sith Blackwave

      Naja Diskriminierungs Entschädigung wäre cool ich habe das seit jahren in der schule immer gehört drecksschwuchtel scheißschwuchtel dies und das eben.. ich würde mich dann jetzt extra so beleidigen lassen und Geld kassieren. Hahaha 😀


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