Mark Waugh

Manchesters neuer Oberbürgermeister

War mal Mr. Gay Great Britain. Und sieht auch sonst ganz super aus.

Manchester gilt vielen als die heimliche schwule Hauptstadt Englands. Und zwar nicht erst seit die englischen Variante von „Queer As Folk“ (MÄNNER ARCHIV) dort spielte und „Canal Street“ 2000/2001  zu internationalem Ruhm verhalf. Aber jetzt haben die Einwohner bald etwas, dass sonst nur größere Städte hinbekommen und das ihren Ruf als Hochburg des guten Geschmacks weiter zementieren dürfte: Carl Austin-Behan wird am Mittwoch der neue Oberbürgermeister der Stadt. Der 44-Jährige fand, es sei jetzt an der Zeit, für einen offen schwulen Mann an der Spitze seiner Heimatstadt. Und offen schwuler als er kann man kaum sein.

Es wird Zeit, dass wir einen offen schwulen Oberbürgermeister haben. Wir hatten schon viele Hautfarben und kulturelle Hintergründe. Jetzt ist die LGBTI-Community dran.

Nicht nur war Austin-Behan 2001 mal für ein Jahr ganz offiziell Mr. Gay Great Britain, also der schönste schwule Mann im Vereinigten Königreich, er ist, weil er sich nicht verstecken wollte, 1997 auch mal aus der Royal Air Force, der britischen Luftwaffe, rausgeflogen. Da war Homosexualität im Militär in Großbritannien noch illegal. Jetzt ist alles anders: der neue Bürgermeister hat vor ein paar Monaten seinen Mann geheiratet, was er in England im Gegensatz zu Deutschland ja kann, und freut sich darauf, dass höchste Amt seiner Stadt anzutreten. Er sagt gegenüber Medien: „Es wird Zeit, dass wir einen offen schwulen Oberbürgermeister haben. Wir hatten schon viele Hautfarben und kulturelle Hintergründe. Jetzt ist die LGBTI-Community dran. Als ich vor 20 Jahren aus der Luftwaffe ausgeschlossen worden bin, gab es für uns überall hohe Barrieren. Inzwischen sind wir weit gekommen, aber es gibt auch noch viel zu tun. Ich will gern vermitteln, dass wir alle einfach normal sind, egal ob hetero oder LGBTI.“

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Austin-Behan als Mr. Gay Great Britain 2001

Seinen Ausschluss aus dem Militär hat er verarbeitet: „Ich bin nicht verbittert deswegen. So waren damals die Regeln. Sie konnten gar nichts anderes tun. Aber ich war 24 und wollte einfach mein Leben leben.“ Mit 28 wurde er Mr. Gay Great Britain. An diesem Wettbewerb nahm er teil, weil er ein Rollenmodell für schwule Jungs sein wollte, die, wie er, vom flachen Land und aus winzigen Orten kamen. Heute sieht er die Herausforderungen anderswo: „Wir müssen uns mehr um die Trans*-Community kümmern, da liegt noch viel im Argen, es muss aufgeklärt und normalisiert werden. Außerdem will ich mich um HIV kümmern. Die Zahlen steigen immer noch, und in Manchester schneller als anderswo. Die Menschen scheinen die Schrecken der 1980er vergessen zu haben. Wir müssen mehr und bessere Testangebote machen.“ Der Mann hat viel vor, wird sich dafür allerdings nicht umziehen. „Die klassische Amtsrobe werde ich nicht tragen. Ich möchte, dass die Leute sich mit ihrem Oberbürgermeister auch äußerlich verbunden fühlen.“

Bilder: Mr. Gay UK, Mark Waugh

 

 

 

 

 


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