Die Band mit dem schwulen Sänger

Mashrou’Leila auf Deutschlandtour

Gleich zweimal spielt Mashrou’ Leila (Facebook-Profil) in Berlin – eine doppelte Premiere für die libanesische Band. Das Konzert, das die fünf Jungs morgen im Yaam spielen, war ausverkauft, sodass ein weiterer Termin angeboten wurde, heute Abend. Am Sonntag folgt noch eine Show in Frankfurt, die ebenfalls ausverkauft ist – dann fliegen sie zurück nach Beirut. Dass sie ein Zusatzkonzert spielen, hat eine gewisse Ironie – denn in der vergangenen Woche war ihr Auftritt von den Behörden abgesagt worden. Nach Ansicht des Tourismusministeriums hätte er die antike Substanz des römischen Theaters gefährdet. Tatsächlich hat die Band zuvor schon mehrfach dort gespielt.

Die Forderung, das Konzert abzusagen, kam von einem christlichen Priester

Warum also die Absage? Es gibt zwei Gründe, sagt Sänger Hamed Sinno. Zum einen bekäme die Band mittlerweile mehr Aufmerksamkeit, weltweit, aber eben auch im Nahen Osten. Und so hätten die falsche Leute Wind davon bekommen, dass die Band nicht nur einen schwulen Sänger hat, sondern in ihren Songs für Meinungs- und sexuelle Freiheit eintritt. Die Forderung, das Konzert in Amman abzusagen, kam dann schließlich von einem christlichen Priester. Dazu kommt, so Hamed, dass Regierungen immer mehr dazu neigen, religiösen Kräften nachzugeben, um des lieben Friedens willen; in der christlichen wie der islamischen Community wachse der Fundamentalismus.

Mashrou Leila

Die Band genießt die Pause zwischen Presseterminen (Foto: Kriss Rudolph)

Auch in ihrer Heimat im Libanon ist es ihnen schon passiert, dass ein Konzert gecancelt werden musste, und auch hier wurde die Absage von christlichen Gruppen forciert. Im Libanon leben nach einer Schätzung aus dem Jahr 1956 – der bisher letzten – etwa 54% Christen und 44% Muslime.

„Es ist schon interessant”, sagt Hamed, „dass die Berichterstattung über Fundamentalismus im Nahen Osten sich immer auf den Islam konzentriert, nie aufs Christentum. Unsere schlechten Erfahrungen mit Konzerten kamen aber immer aus der christlichen Ecke, nicht aus der christlichen Community, sondern von einzelnen Menschen.” Das sagt er nicht, weil er den Islam für so viel besser hielte. Religion spielt für ihn keine Rolle, sagt Hamed. Und übererhaupt: „Auf der anderen Seite wird es wohl nie passieren, dass wir im islamischen Saudi-Arabien spielen.”

Ich bin queer!

Während in arabischen Medienberichten die Sexualität des Sängers gerne umgangen wird, schreiben westliche Medien gerne von der „Band aus dem nahen Osten mit dem schwulen Sänger”, sagt Hamed. „Dabei würde ich mich nicht mal als schwul bezeichen. Ich bin queer!”

Ein ausführliches Interview folgt in MÄNNER 7.2016 – hier geht’s zum Abo!

Titelbild: Orazio Sagone Manzella


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