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Maxdome wehrt sich gegen Vorwürfe

Beim Relaunch wurde Queer-Rubrik gelöscht

Bei Maxdome, der zu ProSieben/Sat.1 gehörenden Online-Videothek, gab es bis kurzem eine eigene Rubrik für queeres Cinema. Als diese jetzt aufgelöst wurde, setzte ein amtlicher Shitstorm in den Sozialen Netzwerken ein. Axel Schmidt, der Geschäftsführer von Pro-Fun Media, einem der Lizenzgeber für die entsprechenden Filme, sagte gegenüber Blu.fm, ihm sei erklärt worden, Maxdome wolle sein Programm stärker auf Familien ausrichten. Von der Löschung habe er lediglich vier Tage im Voraus erfahren. Binnen 24 Stunden seien dann mehr als 400 Titel von Pro-Fun und Salzgeber gelöscht worden.
Maxdome: Keine queere Frage!

„Wenn ihr die Queer-Inhalte löscht, um ‚familienfreundlicher‘ zu werden, warum dann nicht die Erotikfilme, Horror, Thriller, manche Fantasy-Filme. Da würde euch nicht viel bleiben“, machte eine Userin auf Facebook ihrem Ärger Luft. „Zum Beispiel: Disneys ‚Alles steht Kopf! Da beschliesst die Heldin, wegzulaufen von zu Hause! Das könnte Kinder auf dumme Ideen bringen! Das ist einer Eurer meistgesehen Filme! Sofort löschen!“

Bei Maxdome versteht man die Aufregung nicht. „Wenn das irgendetwas nicht ist, dann eine queer-Frage! Dass die Auflösung dieser Kategorie überhaupt ein Thema ist, verwundert uns schon sehr“, so Matthias Bohlig von ProSiebenSat.1. Allein die Nutzung entscheide, ob man für ein Genre eine eigene Kategorie aufsetze oder eben auch wieder auflöse. Außerdem seien neben der queeren Rubik weitere Genres entfernt worden wie die Kategorie „Kriegsfilme“.

Eine Komödie ist und bleibt eine Komödie – ganz unabhängig von der Sexualität der Hauptdarsteller

Man habe lediglich entscheiden, so Bohlig, queere Titel nicht mehr in einer gesonderten Kategorie zu listen, sondern sie ihrem jeweiligen Genre zuzuordnen – „Brokeback Mountain“ finde man jetzt in der Rubrik Drama. Außerdem: „Eine Komödie ist und bleibt eine Komödie – ganz unabhängig von der Sexualität der Hauptdarsteller.“

Maxdome

Maxdome-Startseite (Foto: Screenshot)

Es habe Proteste gegeben, auch Kündigungen – wieviele will man nicht sagen. Jedenfalls weist der Unternehmenssprecher daraufhin, dass Content-Entscheidungen „aufgrund wirtschaftlicher Gesichtspunkte“ erfolgten. So sei auch der Wegfall einiger Queer-Inhalte auf eine kommerzielle Entscheidung zurückzuführen, die mit einer vergleichsweise geringen Nachfrage der entsprechenden Inhalte zusammenhänge. „Und that`s it! So wurden im Zuge unseres regulären Portfolio-Managements im April Verträge mit einigen Lizenzgebern gekündigt, darunter auch die mit Pro-Fun Media und Salzgeber, die hauptsächlich Inhalte aus dem queer-Genre anbieten.“

Dennoch wolle man das queer-Angebot auf Maxdome aufrechthalten. Fest stehe jedenfalls, dass der Relaunch nichts mit einer neuen „Familienfreundlichkeit“ zu tun habe. Und was an homosexuellen Inhalten familien-unfreundlich sein soll, verstehe er auch nicht. Man lebe schließlich im 21. Jahrhundert.

Man hat praktisch das gesamte Angebot entfernt und fühlt sich dann missverstanden? Lächerlich!

Der schwulen Gemeinde genügt diese Erklärung nicht. Der Shitstorm geht weiter. So schreibt ein User auf der MÄNNER-Facebookseite:

Man hat ja nur de Verträge mit den zwei wichtigsten Content-Lieferanten gekündigt, die Rubrik geschlossen und praktisch das gesamte Angebot entfernt und fühlt sich dann missverstanden?! Lächerlich. Ich habe mein Paket gestern gekündigt.“

Titel: Brokeback Mountain/Universum

 


16 Kommentare

  1. Juergen Fleischhacker

    Ich habe Maxdome gekündigt, mit Hinweis auf das löschen von 400 queer-Filmen. Die Filme waren der Hauptgrund für das Abo. Keine Reaktion von Maxdome darauf, nur eine Standardantwort. Jetzt schaue ich bei Netzkino , die haben derzeit zwar noch eine kleinere Auswahl an Filmen, dafür kostenlos mit Werbeunterbrechung und mit einem Queerbereich.

  2. Tim Alberts

    Ich boykottiere schon seit einigen Jahren Unternehmen die Homophob sind, wer mit mir als Mensch ein Problem hat bekommt auch kein Geld von mir

  3. Stefan Burger

    Man hat ja nur de Verträge mit den zwei wichtigsten Content-Lieferanten gekündigt, die Rubrik geschlossen und praktisch das gesamte Angebot entfernt und fühlt sich dann missverstanden?! Lächerlich. Ich habe mein Paket gestern gekündigt.

  4. Tim Alberts

    Ich habe nicht gesagt das sie Homophob sind, ich habe nur gesagt das jedes Unternehmen von mir kein Geld bekommt was sich diskriminierend verhält !
    Einen schönen Abend ✌?️

  5. Marco Armiento

    maxdome : Das ist doch lächerlich was sie hier als Erklärung abliefern. Hier geht es letztendlich um unternehmerische Interessen. Und die Kategorie queer – im Gegensatz zu Netflix – scheint wohl nicht rentabel für sie gewesen zu sein. Den Shitstorm müssen sie jetzt wohl aushalten. Und die Kündigungen ebenfalls.

  6. Silvio Hein

    Hab gerade noch etwas Zeit gefunden:

    Im ersten Absatz schreiben Sie, gestern wäre über maxdome kolportiert worden. Stimmt, aber auch schon viele Tage vorher gab es diese wahren Gerüchte im Internet. Es wurden Ihnen zufolge „einige“ queer-Inhalte entfernt. Einige sind aber sicherlich nicht nahezu alle. Das ganze noch im Zusammenhang mit einem diskriminierenden Familienbild… Das haben sie wahrlich nicht, ein diskriminierendes Familienbild, wenn Ihnen Ihr Familienbild passt…

    Im zweiten Absatz behaupten Sie, das sei alles nicht wahr und absurd, führen aber keine gehaltvollen Argumente an.

    In Absatz 3 dann der Hinweis auf ein ausgewogenes Angebot für die ganze Familie. Dann definieren Sie doch mal Ihr Familienbild. Papa darf sich immer noch Horrorfilme ab FSK 18 ansehen? Aber zu viel LGBTI ist nicht gut?

    Absatz 4: Wirtschaftlichkeit, geringe Nachfrage? Das trifft es doch. Das liebe Geld. Hätte man auch ehrlich begründen können, aber über die liebe Kohle will ja keiner reden. Wie bei den TV-Quoten.

    Einer Reihe von Lizenzgebern wurde deshalb gekündigt? ProFunMedia und Salzgeber sind zwei, ein Paar, aber doch keine Reihe…

    5. Absatz: Angebote erhalten wollen, neue Lizenzen erwerben? Und das für ein paar wenige Beispielfilme, die als bestehender Content aber schon da sind? Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Komödie bleibt Komödie, sicherlich, deshalb tauchen ja Filme bei maxdome auch in unterschiedlichen Kategorien auf. Und die Zuordnung mancher Filme zu manchen Kategorien ist eh mehr als fragwürdig…

    6. Absatz: Dass das ganze so ein Thema wird, verwundert also sehr? Wenn man keine Ahnung vom wirklichen Leben hat, verwundert mich diese Aussage nicht. Natürlich gibt es auch Filme und Serien, wo die Protagonisten nicht schwul und oder lesbisch sind, vielleicht wird aber gerade dies dort thematisiert. Vielleicht sind Darsteller im wirklichen Leben schwul etc… Da wahren die Macher von „The Golden Girls“ im Jahre 1985 ihrer Zeit um Jahrzehnte voraus. Schwule lieben auch Madonna, Cher, Kylie Minogue… sind die lesbisch?

    7. Absatz: Ausgrenzung von Minderheiten, rechtliche Schritte… harte Ansage… Sagt mir: Ihr habt keinen Arsch in der Hose oder landläufig bemerkt… keine Eier.

    Abschlusssatz: Den könnt Ihr streichen, facettenreich für Familien mit bunten Einhörnern im Kinderzimmer und rosa Feenstaub… vielleicht, aber erwähnt den bösen Regenbogen bitte nicht mehr im Zusammenhang mit Ihrem Angebot. Das wäre böse!

    Fazit: In Ihrem Statement haben Sie sich selbst zerlegt und dies in allen Facetten der Diskriminierung. Darauf möge morgen am Horizont ein anti-maxdome-Regenbogen erscheinen.

    PS: Ich bin gar kein maxdome-Kunde, habe schon vor Jahren gekündigt. Ihr lockt mit 50.000 Filmen und Serien und das meiste davon ist Schrott oder kostet unverschämt extra Geld.

  7. Marcelo Jürgens

    Ich habe derzeit Amazon Prime und Netflix. Von Maxdome hatte ich mich verabschiedet, weil sie auf diversen Plattformen keine App verfügbar hatten, bzw. grundsätzlich die letzten sind, die eine App entwickeln. Das einzige was mir wirklich fehlt, ist die Queer Rubrik. Und ja, ich wollte nach einem Jahr Abstinenz genau aus diesem Grund zurück zu Maxdome. Tja, das hat sich nun erledigt… So viel zum Thema „wirtschaftliche Entscheidungen“. Euren gesamten sonstigen 0-8-15-Mist könnt ihr ganz gepflegt für Euch behalten, den bekomme ich überall anders auch.

  8. Carsten Mundt

    Was für ein Sturm im Wasserglas.
    Wenn die Lizenzgebühren nicht eingepielt, ist es doch logisch, dass es sich für ein Unternehmen nicht lohnt, gewisse Angebote aufrecht zu erhalten.
    Sich darüber aufzuregen ist tuntig.

  9. Marcelo Jürgens

    Liebes Maxdome-Team, was auch immer Euch zu dieser wirtschaftlichen Entscheidung geführt hat, es hätte mit Sicherheit Alternativen gegeben: Erstens: Den Produktmanager feuern, der eine solche Entscheidung trifft (spart auch Geld – Grund: Unfähigkeit) – Zweitens: Etablierung von Sparten-Abos – ich würde für ein Queer-Abo problemlos monatlich Geld bezahlen – nein nicht zusätzlich zum Zwangs-Normalo-Abo sondern als reines Angebot (den billigen Rest erhalte ich ja überall sonst auch) Drittens – Entfernen einzelner Elemente aus dem kostenlosen Bereich und Überführung in den Bezahlbereich, wohlgemerkt nicht alle. Dafür die Preise etwas gesenkt für die einzelnen Filme. Habt Ihr, liebes Maxdome schon einmal vom Prinzip der Alleinstellung gehört? Ihr macht im Moment das, was alle tun… Amazon Prime hat eigene Kinderserien, Netflix auch … euer Erfolgskonzept kann eigentlich nur in den zahlreichen Nischen und Sparten bestehen? Noch nicht kapiert? Dann geht den Weg des irdischen, mich seid ihr los…

  10. Marcelo Jürgens

    Aufruf an Bruno Gmünder Verlag und PRO-FUN MEDIA und Edition Salzgeber: Macht etwas eigenes. Tut Euch zusammen und zeigt den Großen den Stinkefinger. Ihr werdet keine Heteros dazu bringen, auf einmal Sparten-Fernsehen zu schauen, so wenig wie Ihr einen AfD-Wähler dazu bringen werdet ein Rechtschreibbuch zur Hilfe zu nehmen, aber… hey, aber die Zielgruppe der Cineasten unter uns ist nicht zu unterschätzen. Ich gucke mir eben auch lieber Queer as Folk an als Two and a half Men. Und den ganzen Main-Stream Gender Quatsch von Brokeback Mountain (trotzdem ein toller Film) und Liberace … den hat doch ohnehin jeder schon zwanzig mal gesehen…

  11. Michael Gehrmann

    Der Beitrag von Maxdome zeigt, dass die Mitarbeiter von Maxdome nicht verstanden haben, was es heißt, einfach mal Normal sein zu dürfen. Ich unterstelle ihnen noch nicht mal eine böswillige Absicht. Wir sind doch Bunt wie der Regenbogen. Schau mal Sex and the City. Schwule mögen Sex and the City. Nein das ist keine böse Agenda, das ist einfach nicht nachgedacht. . Schwul sein heißt nicht non-stop CSD, non-stop Regenbogenfahnen schwenken und non-stop Party. Schwul heißt auch, sich mit dem Schatzi auf die Couch zu hauen und einen kleinen, leichten Film reinziehen. Das konnte man bei Maxdome bislang haben, das hat ein etwas trampeliger Portfolio-Manager jetzt kaputt gemacht. Und die Chefs von Maxdome verstehen die Welt nicht mehr. Und statt ruhig und besonnen hauen sie ein Statement raus, dass zeigt, dass sie noch lange nicht in der Normalität angekommen sind, die sie so gerne vor sich her tragen.

    Sex and the City? Echt jetzt?


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