Papst: „Wir müssen LGBTI nicht trauen”

Franziskus behauptet, der Staat müsse Diskriminierung durch katholische Bedienstete möglich machen

Der Vatikan hat keine gute Woche. Kardinäle in New York behaupten, LGBTI und besonders Transgender wären „dämonisch” und würden „den Tod Gottes” verursachen und auch der Papst selbst, beweist einmal mehr, dass er von einer fortschrittlichen Haltung beim Thema Eheöffnung oder Lebenspartnerschaft weit, weit entfernt ist. Daran hat sich seit seinem Treffen mit der untrakonservativen Kim Davis im letzten Jahr (MÄNNER ARCHIV) nichts geändert. In einem Interview mit der französischen Tageszeitung  La Croix sagte der Pontifex jetzt, katholische Staatsbedienstete sollten von der Pflicht, gleichgeschlechtliche Paare trauen zu müssen, befreit werden.

Das Recht, etwas aus Gewissensgründen abzulehnen, muss erhalten bleiben, weil es ein Menschenrecht ist. Und auch Staatsdiener sind Menschen.

Auf die Frage, ob Katholiken ihren Glauben auch in „gesellschaftlichen Fragen” über alle weltlichen Angelegenheiten stellen sollten, antwortete Franziskus: „Es ist an den Politikern in den Parlamenten, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. So entwickeln sich Gesellschaften weiter. Wenn ein Gesetz jedoch verabschiedet wurde, ist es auch die Pflicht des Staates, Menschen bei ihren Gewissensentscheidungen zu unterstützen. Das Recht, etwas aus Gewissensgründen abzulehnen, muss erhalten bleiben, weil es ein Menschenrecht ist. Und auch Staatsdiener sind Menschen. Der Staat muss diese Art von Einspruch unter laizistischen Gesichtspunkten berücksichtigen. Man kann diese Argumente nicht einfach vom Tisch wissen, indem man Leuten sagt, sie sollen aufhören, sich wie ein Priester zu benehmen. Diese Gedanken sind tief verwurzelt in der christlichen Tradition.”

Jemand, der im Staatsdienst steht, muss sich zu allererst den Gesetzen des Staates unterwerfen, für den er arbeitet und von dem er dafür bezahlt wird.

Es tut uns nicht leid, den Papst hier zu korregieren, da er sich mit diesen Aussagen im Widerspruch nicht nur zur französischen, sondern jeder Art von Gesetzgebung befindet, die eine Trennung von Staat und Kirche vorsieht, also die der meisten Länder der Welt. Religion ist in Demokratien vom Staat in ihrer Ausübung geschützt, aber auch privat. Jemand, der im Staatsdienst steht, muss sich zu allererst den Gesetzen des Staates unterwerfen, für den er arbeitet und von dem er dafür bezahlt wird. Wenn seine Pflichten mit seinem Gewissen als Katholik nicht zu vereinbaren sind, muss er (oder sie) sich einen anderen Job suchen. Da man aus den Aussagen des Papstes eine Aufforderung an Katholiken ablesen könnte, gleichgeschlechtliche Paare nicht zu trauen, muss der Pontifex sich vorsehen. Sollte ein Staatsbediensteter sich auf ihn berufen, wäre eine Klage möglich und in Italien wahrscheinlich.

Titelbild: Imago/ZumaPress

 


25 Kommentare

  1. Bernhard Kreiner

    was will man so einem rassisten wohl erwarten der ist eine bestie und rassist und wird es bleiben hat längst gezeigt das er auch nur so ein menschenhasser ist wie dei freaks vor ihm

  2. Gudrun Koball

    Wer mit der Ehe-Öffnung nicht klar kommt, hat ja die Möglichkeit, den Job zu wechseln. Könnte aber sein, dass das dann mit persönlichen (wirtschaftlichen) EInbußen verbunden ist.
    Das hieße dann wirklich „Ein Opfer für den eigenen Glauben bringen” – aber die guten Bezüge eines Staatsdieners haben zu wollen, und den verlängerten Arm des Vatikan zu spielen, ist unmoralisch.

  3. Olaf Sion

    Da hat der Papst wohl etwas nicht verstanden, das Recht auf Religions- und Gewissensfreiheit endet dort, wo das eines anderen Menschen anfängt. Denn mit einer Forderung, dass Staatsdiener diese Erfüllung ihrer Pflicht aus Gewissensgründen ablehnen können, nur weil ihnen die Gesetze nicht passen, öffnet der Willkür und konkret der Diskriminierung Tor und Tür.
    Denn aus angeblich christlichen Gründen, die Eheschießung oder Verpartnerung im staatlichen Kontext zu verweigern, wenn sie gesetzich geregelt ist, ist für einen Staat nicht hinnehmbar.
    Ein Beamter hat gerade in besonderem Maße die Gesetze zu halten und umsetzen, denn dies begründet den besonderen Status im Gegensatz zu Angestellten. Wer die Umsetzung dieser Gesetze nicht mit seinem Glauben vereinbaren kann, muss sich dann auch konsequenterweise aus dem Staatsdienst entllassen lassen.
    Die römisch-katholische Kirche kann nicht für die gesamte Christenheit sprechen. Schließlich gibt es auch christliche Kirchen, die gleichgeschlechtliche Partnerschaften segnen oder (im Gegensatz zum deutschen Staat) bereits die Ehe für sie geöffnet haben: in deutschland sind dies verschiedene evanglische Landeskirchen und die alt-katholische Kirche.
    Es gibt andere

  4. Mio Min Mio

    Da hast du zwar recht, nur doppelt Zucker in den Allerwertesten gibts nicht. Ich bin evangelisch und sehr zufrieden, alleine da ich irgendwann gedenke meinen Mann zu heiraten, ohne Gegenwehr.
    Dankbarer weise macht es die evangelische Kirche jetzt schon ??✨

  5. Sebastian Eichhorn

    Ich frag mich was der König der Schwanz lutscher eigentlich will der hat einen eigenen staat und ich will nicht wissen wer seine verschrumpelte eier kraulen tut… Und das beste er darf noch ein Krönchen dazu tragen… Sry musste jetzt mal raus!

  6. Andreas Ka

    Also jetzt muss ich als Theologiestudent auch mal was sagen:
    Es gibt immer entgegengesetzte Meinungen und Ansichten; man kann sich darueber streiten und diskutieren.
    In der katholischen Kirche war es immer schon etwas strenger und so wird es auch bleiben; das gehoert einfach zur Kultur und ist in Ordnung.
    Wer dagegen ist, kann gerne auch dagegen argumentieren, aber muss niemanden beleidigen. Das gehoert sich ueberhaupt nicht.
    Die katholischen Kirche ist Kult und wird auch immer so bleiben.

  7. Carsten Uesbeck

    Das ist in Deutschland vielleicht so. In den USA müssen katholische Priester gleichgeschlechtliche Paare verheiraten. Hier wird mal wieder ausgeklammert, der Papst wäre nur für Deutschland zuständig. Die festgelegte Trennung von Staat und Kirche gibt es eben nicht in jedem Land. Das sollte man aber schon wissen.

  8. Frank Herzog

    Dürfen katholische Staatsdiener dann auch Scheidungen ablehnen? Oder dürfen katholische Vorgesetzte im Staatsdienst dann Geschiedene, Homosexuelle oder Alleinerziehende aus dem Dienstverhältnis entfernen?

  9. Maik Giese

    Die Kirchenaustritte nehmen stetig zu, immer mehr Kirchengemeinden werden zusammengelegt weil die Gottesdienste kaum noch besucht werden und die, die es tun langsam aber sicher wegsterben. Die katholische Kirche steckt in der größten Krise ihres Bestehens und es ist ihr egal. Papst Franziskus ist eine Schande für sein Amt und für jeden Katholiken auf der Welt.


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