Schweiz: Stiefkindadoption wird Gesetz

Der Nationalrat stimmt mit 113 zu 64 Stimmen für die Rechte gleichgeschlechtlicher Paare und ihrer Kinder

Die Stiefkindadoption wird in der Schweiz bald möglich sein. Gestern stimmte der Nationalrat mit 113 zu 64 Stimmen für einen modifizierten Gesetzentwurf, der das möglich macht.  Anfang März hatte schon der Ständerat, die Vertretung der Schweizer Kantone, mit 25 zu 14 für eine Anpassung des Zivilgesetzbuches gestimmt. (MÄNNER ARCHIV) Die nun bedeutet, dass gleichgeschlechtliche Paare zukünftig das leibliche Kind ihres eingetragenen Partners adoptieren können. Damit haben sich die Schweizer Volksvertreter am Ende ganz am Wohl des Kindes orientiert und für die Gleichstellung von Kindern unabhängig des Zivilstandes der Eltern eingesetzt. Die Schweiz hat nach der knappen Abstimmung über das Verbot der Eheöffnung (MÄNNER ARCHIV) einmal mehr bewiesen, dass die Schweizer mehr Fortschritt in sozialen Fragen wollen, nicht weniger.

Der konservative Abgeordnete Oskar Freysinger (SVP/VS) setzte sich scharf gegen das Adoptionsrecht ein. Er berief sich dabei auf UN-Kinderrechtskonvention.

Der Abstimmung im Nationalrat war eine hitzige Debatte vorausgegangen: Der konservative Abgeordnete Oskar Freysinger (SVP/VS) setzte sich scharf gegen das Adoptionsrecht ein. Er berief sich dabei auf UN-Kinderrechtskonvention. Die sagt, dass jedes Kind ein Recht auf Eltern hat, die, seiner Ansicht nach, eben nur Mutter und Vater sein könnten. Nur so könne das Kind eine gefestigte Identität entwickeln. Außerdem würden lesbische Frauen sonst einfach so schwanger werden, den Namen des Vaters verschweigen und so die Stiefkindadotion ausnutzen. Krude Thesen, die Tausende von Regenbogenfamilien in der Schweiz nicht amüsiert haben dürften. Vielen anderen Abgeordneten ging es auch so: Freysinger fing sich Buhrufe für seine Rede ein. Die Liberale Christa Markwalder (FDP/BE) Sprach sich für den geänderten Gesetzentwurf aus dem Ständerat aus. „Kinder in Regenbogenfamilien sind eine Realität, der wir uns stellen müssen“, sagte sie. Es ginge um das Kindeswohl und darum, diese Kinder genauso zu schützen, wie alle anderen Kinder auch. Die Schweizer Grünen wollten ein erweitertes Adoptionsrecht für alle gleichgeschlechtlichen Paare, so wie der Entwurf des Ständerates es vorsieht, konnten sich aber nicht durchsetzen.

Das Partnerschaftsgesetz erlaubt bisher zwar die Adoption durch Einzelpersonen, schließt die durch Paare aber ausdrücklich aus.

Das Gesetz wird eine Lücke schließen. Denn das Partnerschaftsgesetz in der Schweiz erlaubt bisher zwar die Adoption durch Einzelpersonen, schließt die durch Paare aber ausdrücklich aus. Konkret soll die Gesetzesvorlage bewirken, dass eine Person das Kind ihres Partners bzw. ihrer Partnerin adoptieren kann, sofern der zweite leibliche Elternteil des Kindes nicht bekannt, verstorben oder mit der Übertragung seiner Rechte und Pflichten einverstanden ist und unter der Bedingung, dass die Adoption die beste Lösung für das Kindeswohl darstellt. Durch die neue gesetzliche Bestimmung wird zum Beispiel sichergestellt, dass Kinder, die in Regenbogenfamilien aufwachsen, im Falle des Todes ihres leiblichen Elternteils bei ihrem zweiten Elternteil verbleiben können und nicht fremdplatziert werden. Im Falle des Todes ihres nicht-leiblichen rechtlichen Elternteils haben sie einen Erbanspruch sowie einen Anspruch auf Waisenrente. Des Weiteren wird gewährleistet, dass sie ihren zweiten rechtlichen Elternteil im Trennungsfall weiterhin sehen können und auch einen gesetzlichen Anspruch auf Unterhalt haben.

Bild: Fotolia/Monkey Buisness


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