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„Ist die Sau immer noch nicht tot?”

SZ besucht Sebastian Edathy zwei Jahre nach Kinderporno-Affäre

SPD-Chef Sigmar Gabriel wollte ihn rauswerfen, doch das Schiedsgericht der Partei kam zu dem Schluss, dass die Mitgliedschaftsrechte von Sebastian Edathy erstmal für fünf Jahre lang ruhen sollen. Auf Facebook – wie so oft – hatte man ganz andere Vorstellungen, wie man mit „einem wie ihm“ umgeht. Eine Gruppe heißt  „Todesstrafe für Edathy“. Sie hat 59 Mitglieder. Der letzte Post stammt von einem Herrn Schmitt, der am 5. Mai fragte: „Ist die Sau immer noch nicht tot?“

Edathy

Sebastian Edathy (Foto: SPD)

Politisch ist er tot, das trifft es ganz gut. Edathy lebt, und zwar irgendwo im Orient, am Stadtrand. Die Süddeutsche Zeitung hat ihn dort besucht, gut zwei Jahre, nachdem Polizei und Staatsanwaltschaft vor seiner Tür standen. Jahre lang hatte sich der SDP-Politiker, der von 2005 bis 2009 den Innenausschuss und nach 2012 den NSU-Untersuchungsausschuss leitete, Filme mit nackten Jugendlichen bei einem Versand in Kanada bestellt. Auf eigenen Namen, mit der eigenen Kreditkarte. Man kann es dumm oder naiv nennen und fühlt sich an den Grünen-Politiker Beck erinnert, der seine Drogen höchstpersönlich beim Dealer abholte und dabei erwischt wurde (MÄNNER-Archiv) – aus mangelndem Unrechtsbewusstsein, dem Gefühl, als Politiker über dem Gesetz zu stehen? (So arbeiten die Grünen ihre Pädophilie-Vergangenheit auf – MÄNNER-Archiv.)

Keine Strafbarkeit nach deutschem Recht

Edathy nennt sich „eindeutig nicht pädophil“, er habe „kein sexuelles Interesse an Minderjährigen“. Die Filme hätten auch weder etwas mit Posing noch mit Pornografie zu tun. Im Bundeskriminalamt habe man sich jeden einzelnen Film ganz genau angeguckt und am Ende festgestellt, dass „keine Strafbarkeit nach deutschem Recht“ vorläge. Thomas Fischer, Richter im 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs, nannte das Verfahren gegen Edathy „unverhältnismäßig” und entschuldigte sich stellvertretend für den Rechtsstaat.

Verpartnerung im Dezember

Edathy spricht von „über längere Zeit nicht ausgelebter Sexualität”. Was immer das heißt. Bis bekannt wurde, dass Edathy sich Filme mit nackten Jungs bestellt hat, war der heute 46-Jährige nicht mal offiziell geoutet – das erzählte sich in der Affäre nebenbei. Inoffiziell bekannt war es schon, ähnlich wie bei Westerwelle. Selbst als Edathy kürzlich via Facebook seine Verlobung bekanntgab, erwähnt er nicht, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt.

Als Edathys Vergehen 2014 bekannt wurde, floh er zunächst ins benachbarte Frankreich, wohnte bei Freunden. Dort wurde er von einem Bild-Reporter aufgespürt. Die Flucht ging weiter in die arabische Stadt, in der er jetzt lebt. Mit drei Katzen, einem Hund – und seinem Verlobten. Er ist Hotelmanager in Edathys Exil. Ende des Jahres wollen sie sich verpartnern, in Deutschland. Ob sich Edathy einen Gefallen damit tut, in seine Heimat zurückzukehren, muss er selbst wissen.

Gratuliere Ihnen zu der Tatsache, weiterhin das mit Abstand größte Stück Kot zu sein, das in unserem Land frei herumlaufen darf

Aus Deutschland hat er eine dieser Mails bekommen: „Ich hoffe, dass dieser perverse Bastard an jedem Ort auf diesem Planeten bespuckt und mit Steinen beworfen wird. Sie sind ein widerwärtiges, krankes und hochgradig pädophiles Dreckschwein, das in unserer Gesellschaft keinerlei Rechte mehr bekommen sollte, um mit dieser Einstellung frei herumzulaufen. […] Laufen Sie mir niemals über den Weg, und wenn doch, dann Gnade Ihnen Gott, dass Ihr Suspensorium fest angeschnallt ist und Ihr Personenschützer gut ausgebildet […] Gratuliere Ihnen zu der Tatsache, weiterhin das mit Abstand größte Stück Kot zu sein, das in unserem Land frei herumlaufen darf.“

„Mein Verhalten war unnötig und falsch”

Der Absender ist ein ehemaliger Seriendarsteller mit weit über einer Millionen Facebook-Fans. Edathy zeigte ihn an, der Schauspieler musste 6.000 Euro Strafe zahlen.

Das SZ-Porträt von Heribert Prantl und Armin Smailovic sagt viel über Soziale Medien, über die Empörungs-, (Vor)Verurteilungs- und Hassbereitschaft ihrer Nutzer, die den Sohn eines Inders und einer Deutschen als „Türkenschwein” beschimpft haben. Aber es zeigt auch einen Mann, der zwar einräumt, dass sein Verhalten „unnötig und falsch” war, einen, der von Albträumen geplagt ist und zuviel trinkt, aber auch einen, der versucht sich mit einer verqueren Logik zu rechtfertigen – Edathy spricht von „fehlgeleiteter Neugier“ – anstatt einfach schweigen. Der SZ-Artikel dürfte etliche neue Hassposts und Drohmails nach sich ziehen.
Titelbild: Facebook

 


12 Kommentare

  1. Andreas Winkler

    Jahrelang? Was genau ist bekannt geworden? Die gleiche Staatsanwaltschaft hat Kachelmann und Wulff auf dem Gewissen. Sind überhaupt belegbare Fakten bekannt?

  2. Tim Alberts

    Wieso gebt ihr diesem Menschen eine Platform um über sich zu reden ? Ich finde es grauenvoll das ein Erwachsener Mann sich jahrelang Filme von Teenagern angesehen hat und jetzt so tut als wäre es das normalste der Welt dieses getan zu haben

  3. Dominik Geiwagner

    Sowas ist genau das worauf die Rechten gewartet haben. Ihm und anderen Tätern sollte man keine Plattform bieten, nur weil sie Schwul sind. Kann man noch tiefer als gewisse LGB Medien sinken?

  4. Martin Albert

    Wenn der Richter das Verfahren für unbegründet hielt und sich sogar bei ihm entschuldigte….warum hat er dann 5000€ uro gezahlt damit es eingestellt wird? Er hätte dann ja nur auf seinen gloriosen Freispruch warten müssen und wäre als unbescholtener Bürger aus der Sache heraus gewesen…. da leidet wohl jemand an leichtem Realitätsverlust….

  5. Niedergemeiert

    Gratulation für das schwule Coming out unter schwierigen Bedingungen. Ich fordere auch Solidarität für Sebastian Edathy, weil er nichts Verbotenes tat und trotzdem Mordrohungen erhält, und wäre er ein Pädokrimineller müssten ihn Menschen mit Anstand dennoch moralisch, ethisch und juztiziabel vor asozialen Selbstjustizlern und deren Verbalkomplizen schützen und Edathy beistehen. Alles andere ist Barbarei. https://youtu.be/O4FahFPhF5c

  6. Niedergemeiert

    Wenn du dir deine rechtlichen, ethischen und moralischen Wertvorstellungen von „Rechten” vorschreiben lässt, ist dir als Schwuler ohnehin ohne Aversionstherapie nicht zu helfen. 😉


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