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„Ich werde Schwule nicht verfolgen”

sagt der Oppositionsführer von Simbabwe, Morgan Tsvangirai

Morgan Tsvangirai, der Oppositionsführer von Simbabwe, will Schwule nicht mehr verfolgen, sollte er Präsident werden. Das sind ungewöhnliche Töne aus dem Land im Süden Afrikas, wo seit 1980 Robert Mugabe herrscht. Der 92-Jährige hatte erst letztes Jahr vor der UNO-Vollversammlung erklärt, in seinem Land gebe es gar keine Homosexuellen.

Sein 28 Jahre jüngerer Herausforderer Tsvangirai, Vorsitzender der Partei „Movement for Democratic Change” sagte dagegen am Freitag bei einer Pressekonferenz: „Ich werde Schwule nicht verfolgen. Ich weiß, dass in unserer Gesellschaft Schwule verstoßen werden und soweit ich weiß, bin ich nicht schwul. Ich unterstützte Schwule nicht.”

Nächste Wahl in Simbabwe: Wahrscheinlich 2019

Dann ergänzte er: „Ich möchte nur sagen, dass ich Schwule weder verfolgen noch bestrafen möchte, denn laut Verfassung haben sie ein Recht dazu.” Denn gemäß simbabwischem Grundgesetz besteht tatsächlich die Freiheit der sexuellen Orientierung. „Warum sollten wir dieses Gesetz verletzen?”, fragte der Politiker.

Die nächste Präsidentschaftswahl findet voraussichtlich 2019 statt. Ob Mugabe, der schon jetzt das älteste Staatsoberhaupt der Welt ist, diese überhaupt noch erleben wird, steht in den Sternen. Genauso, wie reibungslos die Wahl ablaufen wird. Denn bereits 2013 und 2008 kam es zu Beschwerden von Seiten der Opposition, die Mugabe Wahlbetrug vorgeworfen haben. Erst nach langen Verhandlungen konnte sich der damalige sowie aktuelle Oppositionsführer und neuerdings schwulenfreundlichere Morgan Tsvangirai mit Mugabe einigen. Tsvangirai wurde 2008 Ministerpräsident des Landes und behielt das Amt bis 2013.

Erfolg im Oktober: Homosexualität ist kein Kündigungsgrund

Homosexualität unter Männern steht in dem Staat mit etwa 13 Millionen Einwohnern unter Strafe. Seit 2006 gibt es ein Gesetz gegen „sexuelle Abnormitäten”, unter das sogar Händchenhalten fällt. Es droht eine Geldstrafe oder bis zu drei Jahre Gefängnis.

Die positiven Aussagen von Tsvangirai sind nicht die ersten schwulenfreundlichen Nachrichten aus Simbabwe. Im Oktober 2015 hat das höchste Arbeitsgericht des Landes geurteilt, dass Homosexualität kein Kündigungsgrund ist. Aktivisten sahen in dem Urteil einen „Meilenstein”.

Denn Diktator Robert Mugabe, der das Land durch Korruption heruntergewirtschaftet hat, äußerte sich in der Vergangenheit oft explizit LGBTI-feindlich. Homosexualität sei eine „schmutzige Krankheit”, Schwule und Lesben seien”schlimmer als Hunde und Schweine”. Schon lange fordern Politiker weltweit, dass der Staatschef zurücktritt. Der in den Diamantenhandel verstrickte Machthaber darf nicht mehr in die EU einreisen.

Titelbild: imago/Xinhua


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