Nick Jonas 23 beim Goat Photocall im Rahmen der 66 Internationale Filmfestspiele Berlin Berlinale

North Carolina wird ausgetrocknet

Lizenzen für Musical-Hit werden gestoppt, immer mehr Konzerte abgesagt

Wegen der LGBTI-feindlichen Gesetzgebung in North Carolina und Mississippi haben schon etliche Künstler ihre Konzerte abgesagt. Im nächsten Schritt geht es um Musicals, die in diesen Bundesstaaten aufgeführt werden sollen, für die die Agentur Music Theatre International (MTI) die Rechte vertritt – und das sind eine ganze Menge: neben Shows wie „Beauty and the Beast“ und „Billy Elliot“ auch die „West Side Story“. Für genau diesen Klassiker werde man keine Lizenzen mehr ausgeben, solange die diskriminierenden Gesetze in Kraft sind. MTI vermittelt Lizenzen als Agent für die Rechteinhaber der Shows, die sie repräsentieren. In einem Statement heißt es, es werde bis auf weiteres keine Lizenzen für Aufführungen in North Carolina oder Mississippi geben.

Zuvor hatte bereits der Cirque du Soleil seine Shows abgesagt, ebenso wie Ex-Beatle Ringo Starr, Bryan Adams und Bruce Springsteen (MÄNNER-Archiv). Auch Nick Jonas und Demi Lovato werden nicht in North Carolina spielen. Die Sängerin erklärte, sie wünsche sich bei ihren Konzerten eine Atmosphäre, bei der sich alle Besucher gleichwertig und akzeptiert fühlen – egal wie sie sind. Jonas hat eine große schwule Fangemeinde und lässt sie bei jeder Gelegenheit wissen, wie er sich darüber freut. „Es sollte mehr heterosexuelle Künstler geben, die sich damit wohl fühlen, ein schwules Publikum anzuziehen und dies auch authentisch tun.“

Noch vor 40 oder 50 Jahren wurde hier darüber gestritten, ob Schwarze und Weiße die gleichen Toiletten benutzen dürfen

Experten gehen davon aus, dass HB2 North Carolina allein im laufenden Jahr Hunderte von Millionen Dollar kosten wird. Und das nur, um die religiöse Rechte des Staates zu befriedigen, die Schwule und Lesben gern diskriminieren und Trans* vorschreiben möchte, welche öffentlichen Toiletten sie aufsuchen dürfen. Ein als Mann geborener muss also aufs Männerklo, auch wenn er sich als Frau fühlt, und umgekehrt. Diese Regelung empfinden viele als diskriminierend für Trans*Menschen, die von den Befürwortern des Gesetzes gern als Perverse dargestellt werden, wie diese Karikatur verdeutlicht, die derzeit im Netz kursiert.

North Carolina

„Ich will nur sichergehen, dass Sie nicht so ein Perverser sind!“

„Noch vor 40 oder 50 Jahren wurde hier darüber gestritten, ob Schwarze und Weiße die gleichen Toiletten benutzen dürfen. Nun wiederholt sich der Streit, wenn es um trans* Menschen geht“, sagte Elias Lyles im taz-Interview, die den Protest gegen HB2 organisiert.

Vordergründig soll das Gesetz HB2 das Recht auf uneingeschränkte Religionsausübung stärken. Das führt aber dazu, dass Schwulen, Lesben und Transsexuellen Dienstleistungen verweigert werden können, die Heteros dagegen problemlos in Anspruch nehmen können.

Paypal: „selektive Heuchelei“

Die Deutsche Bank hat eine angekündigte Investition in North Carolina auf Eis gelegt – bis 2017 sollten 250 neue Jobs entstehen. Auch Unternehmen wie der Bezahldienst Paypal und Coca-Cola machen Front gegen die Diskriminierung. Paypal ist allerdings mittlerweile in die Kritik geraten, weil das Unternehmen mit extrem homofeindlichen Ländern wie dem Jemen Geschäfte macht. North Carolinas Gouverneur Pat McCrory, der sein Gesetz nach wie vor verteidigt, warf Paypal „selektive Heuchelei“ vor.

Titelbild: Imago/APress


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