Volker Beck Mitglied des Deutschen Bundestages Bündnis 90 Die Grünen im phoenix Polittalk Unter

PR Sechs. Setzen!

60 Promis appellieren an die Grünen, Beck 2017 auf einen aussichtsreichen Listenplatz zu setzen. Warum?

 

60 Prominente aus alle Lebensbereichen haben am Montag an die Grünen in Köln geschrieben, um die davon zu überzeugen, Volker Beck auch bei der Bundestagswahl 2017 auf einem aussichtsreichen Listenplatz aufzustellen. Sie schreiben: „Wir haben uns unabhängig von Partei-Präferenz zusammengefunden, um zu appellieren: Volker Beck: kandidieren Sie erneut 2017 für den Deutschen Bundestag. Und wir appellieren an Bündnis 90/Die Grünen, dies zu unterstützen. Volker Beck steht für eine inhaltliche Ausrichtung: Für die Rechte von Migrantinnen und Migranten, Flüchtlingen und Minderheiten; für die absolute Einhaltung der Menschenrechte in allen Politikbereichen; für das Recht auf Asyl; gegen Antisemitismus, Rassismus, Homo- und Transphobie. All dies darf nicht nur in Sonntagsreden stattfinden. Es muss die Politik bestimmen und im Alltag Wirkung zeigen. Dafür steht Volker Beck: Verlässlich, hartnäckig, immer argumentationsstark und dialogorientiert und für viele unbequem. Das muss so bleiben. Er erweist damit der gesamten Gesellschaft einen großen Dienst. Vieles erreicht Geglaubte ist nun in Gefahr, wenn antisemitische, rassistische, homo- und transphobe Stimmen wieder lautstärker werden, wenn die freie Religionsausübung oder das Recht auf Asyl in Frage gestellt wird, wenn in der Flüchtlingspolitik ein menschenrechtlicher Standard nach dem nächsten geschleift wird, wenn autoritäre Phantasien einer ausgrenzenden, „homogenen Volksgemeinschaft” Zulauf finden. Nur zu gerne würden AfD und Co. Volker Beck zum Verstummen bringen. Seine Stimme wird umso mehr gebraucht: Nicht nur um das Erreichte zu verteidigen, sondern um wieder in die Offensive zu kommen. Denn für eine offene Gesellschaft der Vielfalt auf Basis der Menschenrechte und des Respekts gibt es noch unendlich viel zu tun.” Soweit, so richtig.

60 Menschen werfen ihre Prominenz in die Wagschale, um sich in die innerparteiliche Vergabe von Listenplätzen der BündnisGrünen in Köln einzumischen?

Unterschrieben ist das Ganze von, unter anderem, Katja Riemann, Maren Kroymann, Peter Plate, Sibylle Berg, und viel Politprominenz wie Andrea Fischer, Bundesministerin a. D., Stephan J. Kramer, Präsident des Amtes für Verfassungsschutz Thüringen, Detlef Mücke, AG schwule Lehrer in der GEW BERLIN etc.. Queer.de verbindet die Veröffentlichung des Appells mit einer Ja/Nein-Abstimmung darüber, ob Volker Beck noch gebraucht wird. Und alle sind’s zufrieden. Besonders, weil niemand die Frage beantworten muss, was das Ganze eigentlich soll. Und es ist nicht so, als wäre die unangebracht. Denn: 60 Menschen werfen ihre nicht unerhebliche Prominenz in die Wagschale, um sich in die innerparteiliche Vergabe von Listenplätzen der BündnisGrünen in Köln einzumischen? Die im Moment so aussieht: Neben Beck und der 31-Jährigen Abgeordneten Katharina Dröge will auch Landes-Grünenchef Sven Lehmann in den Bundestag. Jedoch gelten nur zwei Listenplätze der Landesliste Nordrhein-Westfalen als sicher drin. Was es, um es mal freundlich auszudrücken, schwierig macht, wenn einer von drei Bewerbern gut anderthalb Jahre vor der Wahl sechzig bekannte Buddies hat, die sich öffentlich geschlossen hinter ihn stellen und von denen ihn viele auch noch persönlich gut kennen. Kölner Klüngel anyone? Warum all das passiert ist klar: Beck ist, durch eine Drogen-Affäre (MÄNNER Archiv) schwer angeschlagen, erst vor wenigen Wochen in die Politik zurückgekehrt. Und soll, so wohl der Gedanke hinter der Aktion, jetzt öffentlich gestützt werden.

Was ihn als Kandidaten eher schwächt. Imageproblem nicht behoben, sondern verstärkt.

Was die UnterzeichnerInnen hierbei offensichtlich nicht mit bedacht haben: Jetzt sieht es auch wirklich so aus, als bräuchte er diese Unterstützung. Was ihn als Kandidaten eher schwächt. Imageproblem nicht behoben, sondern verstärkt. PR Sechs. Setzen! Dabei schien es noch letzte Woche (MÄNNER Archiv) so, als würde Beck klug genug sein, einfach da weiter zu machen, wo er vor dem Drogenfund aufgehört hat: Als eloquenter, scharfzüngiger Kenner seiner Politikbereiche, der den Mund aufmacht, wann immer er es für richtig hält und seine Notwendigkeit für den Politikbetrieb und seine Partei, so aus sich heraus begründet. Denn das, liebe UnterstützerInnen, muss in einer Demokratie reichen, um als Kandidat zu überzeugen. Alles andere ist gar nicht nötig.

Bild: Imago/Müller-Staufenberg


8 Kommentare

  1. Bernhard Kreiner

    weg vom religionsthema die meisten religionen hassen uns wie die pest warum soll man sich für solche einsetzen herr beck suchen sie sich ein vernünftiges thema- für homophobe religionen einsetzen ist ein tiefpunkt

  2. Bernd Ostermayer

    Nur zwei Plätze der Landesliste gelten als sicher? Falsch. Selbst bei 5,01% kommen etwa 10 Grüne MdB aus NRW in den Budnestag. Das Problem ist der innerparteiliche Regionalproporz: wenn drei Kölner unter den sicheren Plätzen sind, meckert Westfalen, Düsseldorf, Sauerland…

  3. Christian Knuth

    Sorry, aber die Entscheidung, wer für die Grünen antritt treffen die Grünen, nicht der Wähler. Parteiinterner Wahlkampf wird halt in Zeiten von SoMe ebenfalls nicht leiser, sondern vielschichtiger.

  4. Marc Kersten

    Die Frage ist nicht „Wer braucht Beck?” sondern „Wer braucht diesen Kommentar?”.

    Muss man ihn gar verstehen? Ist die Logik hier so gut versteckt, wie Ostereier im Garten?

    Wenn Wähler*innen Aufrufe für Politiker unterschreiben, dann sei das irgendwie unpassend für eine Demokratie? Und würde demjenigen schaden? Und sei Kölner Klüngel, auch wenn die 60 Prominenten gar keine Kölner sind und auch nix heimlich abläuft?

    Öffentliche Aufrufe für Volker Beck, gab es auch schon zu früheren Bundestagswahlen. Zu einer Demokratie gehört es GERADE dazu, sich jederzeit für oder gegen einen Kandidaten einzusetzen. Und der Aufruf wird Volker Beck sicher nicht schaden, solange Alexander Gauland oder beatrix von Storch nicht mit auf der Unterstützer*innenliste stehen. Und hier von Klüngel zu sprechen („einem Geschäft auf Gegenseitigkeit, oft im Verborgenen ausgeführt”) ist einfach nur absurd. Transparenter geht nicht und politische Meinungsäußerungen als Klüngelei zu verunglimpfen empfinde ich als voll daneben.

    Nix für ungut, aber das ist keine Glanzstunde des Kommentariats.


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