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Was macht eigentlich Klaus Wowereit?

Antwort: S-Bahnfahren! MÄNNER hat sich mit Berlins Regierendem Bürgermeister a.D. zum Ringbahnfahren verabredet

Wir treffen uns mit Klaus Wowereit für eine Fahrt mit der Berliner Ringbahn und starten in Halensee. Es ist 11 Uhr vormittags. Nicht viel los in der S-Bahn. Die Berufspendler sind schon auf der Arbeit. Nur Wowereit nicht. Hat ja keine mehr.

Wowereit (62) sagte am 10. Juni 2001 den legendären Satz „Ich bin schwul – und das ist auch gut so“ und wurde sechs Tage danach zum Regierenden Bürgermeister von Berlin gewählt. Später wurde er eine Zeitlang als SPD-Kanzlerkandidat gehandelt. In seine Amtszeit fielen u. a. der Beginn der Pannenserie am Flughafen BER und die Abstimmung im Bundesrat zur Öffnung der Ehe, bei der sich die Berliner SPD-CDU-Koalition enthielt – was Wowereit von vielen schwulen Anhängern verübelt wurde. Im Dezember 2014 trat er als Regierungschef zurück. MÄNNER veranstaltete aus diesem Anlass eine Ausstellung im Schwulen Museum* (MÄNNER-Archiv).

 

Herr Wowereit, Sie sind seit eineinhalb Jahren raus aus der Politik. Überkommt Sie manchmal die Lust, wieder aktiv mitzumischen?

Nee, das Kapitel ist abgeschlossen. Ich bleib ja trotzdem ein politischer Mensch und interessiere mich für Politik. Politik hat mein Leben wesentlich geprägt und das bleibt in mir drin. Aber diese funktionale Politik, dass ich ein Amt habe, da gibt es keine Bestrebungen. Das Kapitel ist abgeschlossen. Es war eine schöne Zeit. Ich hab das ja hauptamtlich auch über 30 Jahre gemacht. Und das war gut, aber kein Blick mehr zurück.

Aber wenn man sich das Erstarken der AfD ansieht, könnte ich mir vorstellen, dass es einen da juckt?

Manchmal juckt es einen, wenn man nicht einverstanden ist mit Entscheidungen, da denkt man sich – da hättest du auch noch einen Beitrag leisten können. Das ist ganz klar. Aber das ist auch schnell vorbei. Wenn man sieht welche Schwierigkeiten sich ergeben und einfache Lösungen gibt es nunmal nicht, dann ist man manchmal auch ganz zufrieden, dass man nicht mehr im Tagesgeschäft drin ist und sich nicht mit den Alltäglichkeiten auseinandersetzen muss. (lacht)

Würden Sie sich mit der AfD in einer Talkrunde auseinandersetzen?

Es hilft ja nicht, so zu tun, als ob es sie nicht gibt. Man muss sich mit ihnen auseinandersetzen. Sie zu ignorieren oder verteufeln hilft auch nicht weiter. Und sie argumentativ stellen und sie entlarven – das kann man ja nicht machen, wenn man nicht irgendwo mit ihnen auftritt. Ich würde nun auch nicht gerade den Kontakt suchen, aber bei einer Diskussion mitmachen, wenn das Thema passt – ja.

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Es gibt bei Facebook eine Gruppe „Homosexuelle in der AfD“, die laut auftritt, aber man weiß nicht, wie stark sie eigentlich und ob es nur eine Scheinveranstaltung ist. Wie nehmen Sie die wahr?

Die nehme ich gar nicht wahr, weil mir das nicht bekannt war. Aber man sollte sich keine Illusionen machen, was die AfD für ein Gesellschaftsbild hat.

Wer glaubt dann, dass jemand, der sich so massiv gegen Ausländer positioniert, vor anderen Minderheiten halt macht?

In der Partei wird zum Beispiel behauptet, dass es keine Diskriminierung von Homosexuellen und Trans*menschen mehr gibt.

Ich glaube nicht, dass das bundesweit der Fall ist. Aber machen wir uns nichts vor. Wer glaubt dann, dass jemand, der sich so massiv gegen Ausländer positioniert, vor anderen Minderheiten halt macht? Zwar gibt es einen bestimmten Anteil an Protestwählern, die unzufrieden sind, aber auch ein Protestwähler hat die Verantwortung, sich über Parteiprogamme zu informieren – und darf sich anschließend nicht beschweren, was er dafür gekriegt hat, wenn er AfD wählt.

Im September wird in Berlin gewählt. Ihre Prognose für die AfD?

Es gab gerade eine aktuelle Umfrage in Brandenburg. Da liegen sie bei 19 % – das ist erschreckend. In Berlin tippe ich auch mal auf ein zweistelliges Ergebnis, aber eher im Bereich 12 %.

Und da verspüren Sie keinen Impuls, wieder in die Politik zu gehen? Machen Sie zumindest Wahlkampf für Ihre Partei?

Ich gehe zum Landeswahlkampf und unterstütze auch meine Kandidatin aus Wilmersdorf, ich gehe auch zu der einen oder anderen Veranstaltung. Aber nicht mehr so intensiv wie früher.

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In Berlin steht die SPD ja ganz gut da, im Bund kommt sie nur noch auf 20 %.

Man muss auch mal die Ausgangslage sehen. Lange war die SPD bei 25 %, bevor die AfD stark wurde. Man muss auch sehen, wie die CDU verloren hat. Jetzt liegt sie bei 33, kam aber von über 40 %. Das ist ja auch nicht so doll. Und im linken Spektrum ist es nunmal so: Grüne und Linke liegen beide bei über 10 %  – wo sollen da die ganzen Stimmen für die SPD herkommen?

Trotzdem muss die SPD handeln.

SPD hat noch die Aufgabe, ihr Profil zu schärfen. Viele Fragen sich: Wozu brauchen wir die SPD noch? Nun hat sich soziologisch viel verändert in Deutschland. Den klassischen Arbeiter z. B. gibt es nicht ehr, der das klassische Wahlpotenzial für die SPD war. Aber die SPD macht gute Arbeit in der Regierung.

Das nimmt aber offenbar niemand wahr.

Das ist leider das Schicksal in Koalitionen, auch in Großen. Bei Erfolgen sahnt die Kanzlerin ab. Sie steht im Vordergrund, nicht der Vizekanzler.

Früher waren Sie es als Regierungschef, der abgesahnt hat.

Tja.

Da können Sie mit leben?

Damit kann ich leben.

Wo Sie von Profil schärfen gesprochen haben: Warum geht die SPD nicht hin und setzt ihr Wahlversprechen von 100 % Gleichstellung um?

Wenn sie es durchsetzen könnte, klar. Das haben wir ja bei den Koalitionsverhandlungen versucht, hat leider nicht geklappt.

 

Was Wowereit von Hillary Clintons Präsidentschaftskandidatur hält und wie er zu seinem früheren Parteifreund Thilo Sarrazin steht – das gesamte Interview erscheint in MÄNNER 6.2016. Hier geht’s zum Abo!

Fotos: Sven Serkis


7 Kommentare

  1. Frank La Biel

    Ich finde diesen Satz bis heute nicht „Besonders“ Welche Wahl hatte er denn, außer sich zu outen? Keine! Lange bevor Wowereit sich geoutet hat, haben unzählige Leute ihr Gesicht gezeigt , sind auf den CSD´s nackt umher getanzt und haben für unsere Rechte gekämpft. Ich sehe bis heute keine Errungenschaft von Wowereit die uns Gay zu Gute gekommen sind. Im Gegenteil! Viele die auf HIV Medikamente sind und sie brauchen, mussten plötzlich dank der SPD Zuzahlungen leisten! Zahlungen die sie kaum bewältigen konnten, dann kommen die 10 Euro Arztbesuch im Quartal, Zahnmedizin geht extra. Wowereit hat das gesamte Viertel um den Nolli in Berlin so Kosten explodieren lassen, das sich „Normalverdiener“ die damals das Viertel Salonfähig gemacht haben, es nicht mehr leisten konnten und in die Asiviertel von Berlin abgedrängt wurden . Umwelttechnisch hat er auch nichts erreicht. Politisch ist er für den Machterhalt mit der CDU zusammen gekrochen. Ich sehe außer das Wowereit ein Lutscher ist wie wir (Nur in Hawaiihemd) nichts was uns zu Gute kam. Einmal im Jahr die Regenbogenfahne zu schwingen hat uns was gebracht? Gar nichts! Zur Politik gehört so viel mehr als nur „Schwul“ zu sein! Wo sind die Leute von der Zik in Berlin die geehrt werden müssen, wo sind die Sozialarbeiter von der Aidshilfe die geehrt werden müssen, wo sind die ganz normalen Gay´s die sich untereinander helfen beim alltäglichen Dingen wie Einkaufen….. Wowereit war vieles, aber weder Sozial, noch besonders schwulen freundlich oder herausragender Politiker . Unsere Ehrenbürger und unsere Leute deren wir es verdanken, dass wir heute so großmäulige Arschlöcher sein können, die beschimpfen wir jetzt als alte geile Böcke, als alte Säcke und Abschaum. Wir Gays sollten Dankbar sein , aber das sind wir nicht, weil Poppers, Sex, Drogen und Partys uns „Wichtiger “ sind als die Errungenschaften in Ehren zu halten. Das viel Sex zu den Gay, zu der Szene und zum schwulen Leben gehört, das kreide ich nicht an, aber es ist nur der einzige Bestandteil der von der Community im Moment bedacht wird.

  2. Ralf Olck

    Er ruht sich auf seiner fetten Pension aus und verdient nebenher noch ein paar Euro in irgendwelchen Aufsichtsratsjobs! Anstatt Verantwortung für seine ganze Inkompetenz zu übernehmen! Aber so sind die Damen und Herren Politiker, scheiße bauen und sich dann aus dem Staub machen, ohne dafür den Kopf hin halten zu müssen, wie jeder normale Mensch!

  3. Robby Fliewatüt

    Ich finde ihn Gut. Er war und ist immer Menschlich geblieben.

    Und was kann er dafür mit dem BER?

    Sie bekommen es ja bis heute nicht gebacken. Und immernoch wird gefuscht.

    Ist die Schlampigkeit heute auch seine Schuld!? Wobei er garnicht mehr im Amt ist.


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