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„Sei ruhig butch, Baby”

"Orange Is The New Black"-Star Lea DeLaria im Gespräch über Fassbinder, Neandertaler und den Sexappeal von Hillary Clinton

Lea DeLaria ist Comedien, eine fantastische Sängerin und noch bessere Schauspielerin. Sie arbeitet seit 30 Jahren sehr erfolgreich am Broadway und dreht TV- und Kinofilme. Sie ist „sehr offen lesbisch”. Ein Weltstar ist sie, seit sie vor drei Jahren angefangen hat, in der Netflix-Frauengefängnis-Serie „Orange Is The New Black”, die „Big Butch” Big Boo zu spielen. DeLaria ist meinungsstark, lacht viel und gern und „kann gar kein Gespräch führen, ohne politisch zu werden”. Zu unserem Interview mit ihr trägt die 58-Jährige ein T-Shirt, auf dem der Fassbinder-Film „Querelle” beworben wird.

Ich liebe Ihr T-Shirt. Tragen Sie das extra für uns?
Danke. Und, nein, ich trage es öfter. Aber auch heute wieder sehr gern. Ist es nicht toll? Ich liebe Fassbinder! Und besonders diesen Film: Matrosen! Jeanne Moreau! Analverkehr! Was sollte man daran nicht toll finden?

Sie haben mal gesagt, dass das Universum Humor haben muss, weil Sie eine Lesbe sind. Und zwar, weil Sie Frauen überhaupt nicht verstehen, sondern mit Männern viel besser auskommen. Stimmt das noch?
Es gibt Ausnahmen, aber generell stimmt das, ja.

Ich habe das genau umgekehrte Problem.
Dann sind wir doch wie gemacht füreinander. (lacht) Wobei kann ich Dir denn mit Männern weiterhelfen, Schätzchen.

Warum vögeln wir Männer soviel herum?
Das ist fast ein bisschen zu einfach. Das weißt du selbst.

Weil Abwechslung schön ist?
Das stimmt auch. Aber, beginnen wir mit den Blumen und den Bienen, Liebes. Bienen fliegen von Blüte, zu Blüte, zu Blüte.

Und sind Frauen.
Mist! Unterbrich mich nicht. (lacht) Meine Theorie ist die: Als wir noch alle Neandertaler waren, waren Männer eben die Jäger und Frauen waren die Sammler. Männer waren aggressiv und immer auf der Suche nach dem nächsten Stück Fleisch. Und so gut wie jede kulturelle Äußerung seitdem, Bücher, Filme, Werbung,  unterstützt und befördert dieses Klischee. All das sagt Männern: Wenn eine Frau mit vielen Männern oder Frauen schläft, ist sie eine Schlampe. Wenn Männer das tun, sind sie einfach Männer.

Betrügst du deine Frau dann und wann?
Nein. Muss ich gar nicht. Meine Verlobte und ich haben eine offene Beziehung. Früher habe ich immer gesagt: „Meine Freundin und ich haben eine offene Beziehung, sie weiß nur nichts davon.” Oder ich habe mir bescheuerte Regeln ausgedacht, um mich vor mir selbst zu rechtfertigen. „Auf einem anderen Kontinent zählt nicht”, sowas. Bis ich irgendwann einfach zugegeben habe, dass mir Monogamie nicht gut tut und ich kein Talent dazu habe. Ich bin als Feministin in dieser Beziehung einfach sehr altmodisch: Monogamie ist ein gesellschaftliches Instrument, um Frauen zu unterdrücken, oder denjenigen, der die klassisch „weibliche” Rolle in der Beziehung hat. Früher haben Feministen das mal alle geglaubt.

Lea DeLaria, Dascha Polanco, Kate Mulgrew, Selenis Leyva, Yael Stone und Uzo Aduba bei der Europapremiere der 4. Staffel der Netflix TV-Serie Orange Is the New Black in der Kulturbrauerei. Berlin, Foto:xFredericx/xFuturexImage Lea DELARIA Dascha Polanco Kate Mulgrew Selenis Leyva Yael Stone and Uzo Aduba at the European premiere the 4 Season the NETFLIX TV Series Orange IS The New Black in the Kulturbrauerei Berlin 07 06 2016 Photo xFredericx xFuturexImage

Lea DeLaria, Dascha Polanco, Kate Mulgrew, Selenis Leyva, Yael Stone und Uzo Aduba bei der Europapremiere der 4. Staffel der Netflix TV-Serie Orange Is the New Black in der Kulturbrauerei. Berlin,

Fehlen Dir diese altmodischen Feministen auch so sehr?
Total. Wenn ich jetzt meine Comedy-Sachen in Universitäten spiele, erinnert mich das Publikum teilweise sehr an die inbrünstigen, dogmatischen Frauenrechtlerinnen meiner Jugend. Die waren der Hauptgrund, warum ich damals mit Comedy angefangen habe: Um mich von der Bühne runter über sie lustig machen zu können. Jede Dame mit einer akustischen Gitarre die Tofu aß, war ein Lacher. Und auf ihre Art, sind die jungen, intellektuellen Feministinnen heute wieder so. Was bedeutet, ich mache mich wieder über sie lustig.

Nehmen die das nicht übel?
Nein, ich darf. Weil: Erstens bin ich in „Orange Is The New Black” und zweitens bin ich sehr offensichtlich und offensiv eine Butch-Lesbe. Das steht groß und breit auf meinem Unterarm, verdammt. Das einzige, was das toppen würde, wäre, wenn ich zusätzlich schwarz wäre, dann wäre ich noch cooler und würde diese Mädels noch leichter erreichen.

Sind Butch-Lesben eigentlich gerade dabei auszusterben?
Aber nicht doch! Butch-Lesben haben gerade ein grandioses Comeback begonnen. Unsere Show hat damit viel zu tun. Es ist wieder cool, butch zu sein. Es gab eine Zeit, in der niemand mehr butch war „Nein, nein, ich bin doch nicht butch. Ich bin androgyn!” Was mich immer zum Lachen gebracht hat. Weil: „Was soll das denn heißen? Du siehst gar nicht aus, wie Annie Lennox. Du siehst aus, wie ich. Sei ruhig butch, Baby, keine Angst.”

Ist Hillary Clinton butch?
Nein, aber sehr tatkräftig.

Sexy?
Hillary? Total. Ich bin mal öffentlich vom amerikanischen Kongress ermahnt worden, weil ich nachdem Bill Clinton Präsident geworden war, gesagt hatte, es würde mich unheimlich freuen, dass wir jetzt eine Frau im Weißen Haus wohnen hätten, die aussieht, als wüsste sie, wie man anständig vögelt. Und das denke ich immer noch. Meine Stimme hat sie im November sicher. (lacht)

Bild: Twitter/Imago/Future Image

Die Vierte Staffel von „Orange Is The New Black”, jetzt auf Netflix.de

leadelaria.com/


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