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Chaos beim CSD in Sofia?

Die Stadtverwaltung hat den Pride auf Kollisionskurs mit einer rechten Demo gesetzt

Der morgen stattfindende Sofia-Pride steht unter gefährlichen Vorzeichen. Denn der jährliche „Marsch für die Gleichberechtigung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans* und Intersexuellen in Bulgarien” ist von der Stadtverwaltung parallel zu einer Demonstration von Ultrarechten, Nationalisten und Fußball-Hooligans genehmigt worden. Wozu gerade die letzte Gruppe in der Lage ist, haben Besucher eines russischen LGBTI-Clubs gerade erst wieder schmerzlich erfahren müssen (MÄNNER -Archiv). Und auch die Veranstalter des Sofia-Pride haben berechtigte Angst vor Gewalt.

Yordanka Fandakova, die Bürgermeisterin von Sofia, es nicht für nötig befunden, die Gegendemonstration zu verbieten oder zu verlegen,

Stana Iliev vom Organisationsteam berichtet: „Am 13. Juni hat uns die Verwaltung wissen lassen, dass beide Demonstrationen zur gleichen Zeit beginnen, wenn  auch nicht am selben Ort, und teilweise die gleiche Route haben. Wir haben den Sofia-Pride am 14. Mai angemeldet, die Gegendemonstranten ihre Veranstaltung am 16. Mai. Trotz der gefährlichen Situation hat Yordanka Fandakova, die Bürgermeisterin von Sofia, es nicht für nötig befunden, die Gegendemonstration zu verbieten oder zu verlegen, wozu sie gesetzlich problemlos in der Lage wäre. Artikel 12 unserer Verfassung schränkt die Versammlungsfreiheit da ein, wo es den öffentlichen Frieden oder die Freiheit anderer gefährdet. Dieser Umstand ist hier klar gegeben.

Die Gegendemonstranten fahren seit Wochen eine Kampagne gegen den Pride, die voller Hass und erfundener Vorwürfe ist. Sie bezeichnen LGBTI als Gefahr für Kinder, behaupten, wir wären Pädophile, nennen uns ‘Sodomiten’ und sagen für Menschen wie uns ‘gäbe es keinen Platz in Bulgarien’. Sie haben in sozialen Netzwerken angekündigt, es könnte ‘häßlich werden’ und zu ähnlichen Vorfällen kommen, wie bei einem UEFA-Cup-Spiel in diesem Frühjahr, bei dem es nach Krawallen viele Verletzte gab. Am 13. Mai haben uns Mladen Marinov, der Leiter der Stadtverwaltung und Borislav Muerov, der Polizeichef von Sofia, bei einem Treffen nahegelegt, wir sollten den Beginn des Prides verschieben, damit es nicht zu einem Aufeinandertreffen der beiden Demos kommt. Falls es dabei zu Gewalt käme, seien wir verantwortlich.

Das Unterstützer-Schreiben der Botschafter für den Pride

Das Unterstützer-Schreiben der Botschafter für den Pride

Am 14. Juni heben wir der Stadtverwaltung mitgeteilt, dass wir nicht verschieben werden, weil viele ausländische Gäste sonst nicht kommen können und die Teilnehmerzahl merklich gedrückt würde. Wir haben, gerade nach den Ereignissen in Orlando, das Recht auf eine friedliche Demonstration unter sicheren Vorzeichen. Das muss die Stadtverwaltung gewährleisten.” Und zwar schon deswegen, weil die Rednerliste des Prides wirklich beeindruckend ist. Sprechen werden unter anderem: Die israelische Botschafterin, die britische Botschafterin, Peter Kolb, der Stabschef der deutschen Botschaft, J. Chris Karber, der stellvertetende Botschafter der USA, Daniel Kaddick von der Friedrich-Naumann-Stiftung und Abgeordnete vieler internationaler Prides, sowie Alfonso Pantisano von ENOUGH IS ENOUGH. Siebzehn Botschafter haben einen Unterstützerbrief für den Pride unterzeichnet, den die Veranstalter heute auf ihre Facebook-Seite stellten. Jetzt ist die Bürgermeisterin am Zug.

Alle Bilder: Sofia Pride


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