Lgbt happy gay meeting people group and sky.

Rechtspopulisten beim CSD?

Veranstalter haben verschiedene Konzepte, wie sie mit AfD und Co. umgehen

Vertreter der AfD äußern sich immer wieder rassistisch und stellen homophobe Forderungen. Kürzlich sprach sich ein Abgeordneter der Partei in einem Zwischenruf im Magdeburger Landtag dafür aus, Homosexuelle einzusperren (MÄNNER-Archiv) – Wochen zuvor hatte sein Landesparteichef André Poggenburg gesagt, dass sich Schwule nicht halbnackt auf einem CSD zeigen sollten. Wir haben Alfonso Pantisano, den Sprecher der größen LGBTI-Organisation Enough is Enough, gefragt: Sollte man der Partei die Teilnahme an CSDs verbieten?

CSD

Alfonso Pantisano (Foto: Philip Kanchana)

„Wenn man den Rechtspopulisten die Teilnahme verbieten würde – das haben Fälle wie der von Pro Köln 2013 gezeigt -, würden sie sich einklagen. Und diese Genugtuung würde ich ihnen nicht geben wollen. Deshalb mein Rat an alle, die einen CSD organisieren und sich mit der Anmeldung der AfD konfrontiert sehen: Lasst sie teilnehmen und stellt sie als allerletzten Wagen auf. Packt vielleicht ein oder zwei Protest-Wagen davor, die ankündigen, dass jetzt eine Partei kommt, die unsere Rechte nicht anerkennt und uns nicht gleich behandeln will und die – würde sie tatsächlich irgendwann an die Macht kommen – alles dafür würde, dass wir wieder mittelalterliche Zustände bekommen.“

Wir haben uns bei diversen CSD-Veranstaltern umgehört, wie man mit einer Anmeldung der AfD (Alternative für Deutschland) bzw. der FPÖ (Freiheitliche Partei Österreichs) oder der SVP (Schweizerische Volkspartei) umgehen werde. Aus Innsbruck, wo bereits heute (4. Juni) der CSD stattfindet, teilte man uns mit: „Die FPÖ hat sich nie angemeldet, weder für einen Wagen (politische Wägen haben bzw. hatten wir sowieso noch nie von irgendeiner Partei) noch für politische Reden oder sonstiges. Unser Motto war ja ‚Lassts uns heiraten‘, und die FPÖ ist ja gegen die ‚Homo-Ehe‘ wie auch auch gegen die ‚Eingetragene Partnerschaft‘.“ Auch in Dresden, wo der CSD bereits Ende Mai stattgefunden hat, gab es keine Anmeldung der AfD.

 

GRAZ 11.6.

„Über eine Teilnahme der FPÖ würden wir uns in Graz freuen, auch wenn wir mit dieser Meinung vielleicht etwas alleine da stehen“, erklärt man uns in Österreichs zweitgrößter Stadt. „Wir sind der Meinung, wenn man politisch etwas bewegen will, muss man vorrangig mit der Gegenseite diskutieren, denn hier ist die meiste Überzeugungsarbeit gefragt. In Kreisen, in denen man bereits einer Meinung ist, soll man beraten analysieren und planen.“ Für eine Veränderung reiche es jedoch nicht, das Fenster des politischen Spektrums nach links zu vergrößern: Man müsse auch den rechten Fensterrand mit in eine liberale Richtung ziehen.

„Zum anderen sehen wir uns als ‚Homolobby‘ und wissen, dass Homosexuelle Personen kaum ein anderes Wahlverhalten haben als Heterosexuelle Personen. Würden wir uns nun von einzelnen Parteien die nicht unserer Meinung sind abwenden, würde sich vermutlich auch ein Teil unserer Community von uns distanzieren.“

KÖLN, 3.7.

Die AfD hat sich weder für einen Stand auf dem CSD-Straßenfest angemeldet noch für die Demonstration am CSD-Sonntag. Beim Straßenfest sei man theoretisch für alle demokratischen Parteien offen, erfahren wir auf Anfrage. „Letztlich bestimmen aber trotzdem wir selbst, wem wir eine Plattform bieten möchten und wem nicht. Und am Ende möchten wir auch ein fröhliches Fest statt fliegender Tomaten – unsere Besucher würden dort sicher nicht gemütlich mit einem Kölsch vorbeischauen. Die AfD jedenfalls können wir uns nicht zwischen Grünen und SPD vorstellen.“

Bei der CSD-Demonstration sei es etwas komplizierter, da es um eine öffentliche Versammlung zum Zwecke der Meinungsäußerung handle – nicht um eine geschlossene Veranstaltung auf privatem oder gemietetem Grund. Und zu einer Meinung gehöre auch eine Gegenmeinung, die erst einmal auf jeder Demonstration geäußert werden dürfe.

MÜNCHEN 9.7.

Den Veranstaltern des CSD liegt bisher keine Anmeldung der AfD vor. Einen Infostand oder eine Veranstaltung der Partei würde man aber ablehnen. (Wie die Münchner den von Neonazis bedrohten Pride in Kiew am kommenden Wochenende unterstützen – MÄNNER-Archiv).

Wir schließen Personen von einer Teilnahme aus, die in der Vergangenheit durch rechtspopulistische, homo-, trans- & interfeindliche oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind

LEIPZIG 16.7.

„Wir haben bisher keine Anfrage seitens der AfD erhalten. Abgesehen davon haben wir es uns in unseren Teilnahmebedingungen vorbehalten, Standanmeldungen zum Straßenfest auch ohne nähere Begründung abzulehnen.“ Von der Teilnahme an der Demo könne man Menschen generell nur schwer abhalten bzw. sie verweisen. Hier gehe das Versammlungsrecht sehr weit. Man habe sich jedoch das Beispiel des CSD Köln genommen im Bezug auf eine rechte Gruppierung, die dort mitlaufen wollte, und ein entsprechendes Demo-Leitbild entworfen: Darin schließen die Leipziger CSD-Veranstalter Personen von einer Teilnahme aus, „die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rechtspopulistische, rechtsextremistische, rassistische, nationalistische, antiislamische, antisemitische, antidemokratische,homo-, trans- & interfeindliche, sexistische, frauenverachtende und gewaltverherrlichende oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind.“

CSD

Berliner CSD 2014 (Foto: Redaktion)

BERLIN 23.7.

Das CSD-Forum der Hauptstadt erklärt mit einem Forderungskatalog, der sich sowohl an die Politik wie auch an die Teilnehmenden des CSD richtet: „Menschen und Organisationen, die versuchen ein Klima der Angst und Ausgrenzungzu schaffen, wie es AfD, BERGIDA und NPD tun, sind beim CSD nicht willkommen.“ Bisher sei allerdings auch noch keine Anmeldung der AfD eingegangen.

MÜNSTER 27.8.

Auch hier hat sich die AfD bisher nicht angemeldet. „Sollte sie es tun, würde sie selbstverständlich keinen Stand bekommen. Die Stände sind reserviert für Vereine und Parteien, die uns unterstützen und die sich für eine offene Gesellschaft, gegen Homo- und Trans*phobie engagieren. Auch der Gruppe Homosexuelle in der AfD würden wir keinen Platz geben. Wer nicht vom Rassismus sprechen möchte, sollte von Homo- und Trans*phobie schweigen.“

Wir sind sehr darauf bedacht, dass bei uns alle zusammenkommen und diese blöden rechts-links Gräben aufgehoben werden

BERN 3.9.

„Beim GAYWEST hat die Gay SVP gleich neben der (Hetero-)SP (die Sozialdemokraten, Anm d Red.) einen Stand. Wir sind sehr darauf bedacht, dass bei uns alle zusammenkommen und diese blöden rechts-links Gräben aufgehoben werden. Wer Toleranz verlangt, der muss sie selbst erstmals vorleben.

„Für mich sind politisch Korrekte so oder so genaugleich wie fanatisch Gläubige“, lässt uns Amal Chaoui vom Berner CSD wissen. „Sie meinen andauernd, nur ihre Meinung sei die richtige. Darum mag ich weder Politiker noch Gläubige sonderlich.“

 

Und jetzt zu Dir: Welchen Umgang mit rechtspopulistischen Parteien findest Du richtig?

Sollte man Parteien wie AfD und FPÖ beim CSD zulassen?

    Titelbild:Fotolia


    109 Kommentare

    1. Leo Lovepold Hapunkt

      …auch den größten Deppen sollte man nicht ausschließen aber man sollte auch nicht müde werden aufzuzeigen, dass und warum man nicht seiner Meinung ist. Schwierig – mühsam – ich weiß….

    2. André Ambrass

      Ich sitze auch nicht im schweinestall und singe den schweinen ein lied „alles hat ein ende nur die wurst hat zwei“ – tschuldigung, aber wer es sich wagen sollte, die afd zuzulassen auf dieser veranstaltung, gehört bis ans lebensende bestraft!


    Schreibe einen neuen Kommentar



    Likes & Shares

    Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

    The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

    Close