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„Dafür hat er mich gewählt”

Mark Hall ist Engländer und Markus Busch ist Deutscher. Wir wollten wissen, wie das Paar den Brexit sieht.

Heute stimmen die Briten darüber ab, ob sie Mitglied der Europäischen Wirtschaftsunion bleiben wollen, oder sich aus der EU verabschieden. Mark Hall ist Brite und lebt mit seinem Partner Markus Busch in Hamburg. Mark ist Finance Director und Markus Einkäufer für ein deutsches Unternehmen. Wir wollten von dem Paar wissen, wie das so ist, mit den deutsch-britischen Beziehungen im Zeichen eines drohenden Brexits.

Wie lange seid ihr beide jetzt zusammen?
Mark: 18 Jahre. Wir sind in dem Jahr zusammen gekommen, in dem Großbritannien Mitglied der EU geworden ist.

Macht ihr euch Sorgen um den Brexit?
Mark: Wir sprechen natürlich darüber. Mich persönlich betrifft es nicht wirklich. Ich habe ein deutsches Arbeitsverhältnis und darf, weil ich zu lange in Deutschland bin, weder in Großbritannien, noch in Deutschland wählen. Kann das Ergebnis also nicht beeinflussen.

Markus: Dafür hat er mich gewählt. Und dafür alle demokratischen Rechte abgegeben. (lacht) Ich mache mir aber schon Gedanken. Die EU ist gerade ohnehin relativ angeschlagen. Und sie jetzt durch den Brexit noch weiter zu schwächen, ist keine gute Idee. Für uns als Paar spielt das aber keine Rolle.

Wie deutsch ist Markus denn, Mark?
Mark: Markus ist schon sehr deutsch. Er ist stolz auf Deutschland und auf Hamburg. Er freut sich über die Entwicklung in Deutschland in den letzten zehn Jahren. Wenn wir im Urlaub sind, erzählt er gern, was für ein tolles Land Deutschland ist und wie schön Hamburg ist.

Findest du das sexy?
Mark: Ich finde es schön und attraktiv, wenn Menschen stolz auf ihre Heimat sind.

Bist du stolz auf England?
Mark: Ja, schon. Auf die Tradition und die Kultur. Politisch finde ich uns oft etwas schwach. Aber unsere Geschichte und unseren Humor, darauf kann man schon stolz sein.

Markus, wie englisch ist dein Mann?
Markus: Mark lebt in zwei Welten. Wenn er in England ist, ist er 1000 Prozent Engländer, mit allen positiven und negativen Seiten, die das Ganze haben kann. Er lässt sich dann mehr gehen und lässt sich in die englische Kultur und Subkultur sehr reinfallen. In Deutschland ist er auch Engländer, aber er hat auch viele deutsche Tugenden angenommen: Er ist sehr gradlinig, sagt ganz klar seine Meinung und ist sehr korrekt, was seine Arbeit anbelangt. Seine Selbstdisziplin ist auch eher deutsch. Die haben Engländer eigentlich nicht so. Alle Viere gerade sein lassen, das macht er eher in England.

Bist du mit Mark denn gern in England, wenn er da ein anderer Mensch ist?
Markus: Ja. Aber es ist auch wichtig, dass ich ihn da mal alleine hinfahren lasse und er es einfach völlig für sich erleben kann. Dann weiß ich auch, dass es o.k. ist, wenn wir an einem Wochenende nur zweimal kurz telefonieren, weil er es krachen lässt. Die andere, sagen wir mal, „intensivere“ Art zu feiern, ist Teil der englischen Kultur. Auch der Familienzusammenhalt ist ein anderer: Die Generationen leben übergreifender miteinander. Es mischt sich ganz anders. Im Pub treffen sich Papa, Mama, Oma und die Enkel.

War es deswegen Liebe auf den ersten Blick, nicht nur beim Mann, sondern auch beim Volk?
Markus: Ich kannte England ja vorher schon. Und es gibt ein paar Sachen, die mich, bei aller Liebe, stören. Die Engländer glauben, dass sie der Nabel der Welt sind. Und sich alle, zum Beispiel sprachlich, an sie anpassen müssen. Dieser gedankliche Sonderstatus ist, glaube ich, auch das, worauf die Brexit-Befürworter jetzt ansprechen. Die lassen sich eben nicht gern bevormunden, auch von der EU nicht. Das kann auch anstrengend sein. Mark ist stur, aber das ist eher sein Charakter. Das wäre er auch, wenn er nicht Engländer wäre, glaube ich. Ich bin eher sentimental, was man Deutschen ja gern mal nachsagt.

Seid ihr ein europäisches, oder ein deutsch-englisches Paar?
Mark: Ich würde eher Letzteres sagen. Wir spiegeln unsere Nationen schon relativ gut wieder.

Wenn heute der Brexit kommt, was passiert dann?
Mark: England wäre der Leidtragende. Ich glaube nicht, dass wir das in Deutschland so extrem zu spüren bekämen. Wirtschaftlich hätte England ein Riesenproblem. Und zwar relativ schnell. Das würde man sofort sehen.

Markus: Ich glaube schon, dass auch Deutschland das schnell spüren würde. Großbritannien ist unser drittwichtigstes Exportland und ein starker Partner für Deutschland. Für die Völkerverständigung könnte das auch schwierig sein, das „Nein, danke.“ Richtung Europa wäre ja deutlich. Und für Europa ist England einfach extrem wichtig. Da würde etwas fehlen und etwas aus der Balance geraten.

Ihr seid also beide gegen den Brexit?
Mark: Ich bin in jedem Fall dagegen und hoffe, dass sich die EU-Befürworter durchsetzen.

Markus: ich natürlich auch.

Foto: Privat


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