Lemet_c_Oliver Noffke

Der Same der Hoffnung

Lemet setzt sich seit seinem 15. Lebensjahr für die Rechte von Schwulen und Lesben ein

von Thomas Petersen

Narvik liegt in Nordnorwegen, rund 350 km nördlich des Polarkreises. Es ist Sommer, und die Sonne meint es gut mit den Menschen. In dieser Jahreszeit geht sie überhaupt nicht mehr unter – Mittsommer eben. Alle um uns herum im Hotel sehen irgendwie übermüdet aus. Nicht so der 24-jährige Lemet, der eigentlich Leammuid Lemet Ánde heißt.

Coming-out mit 14

Lemet ist Same und stammt aus Karasjok, einer 2.700 Einwohner zählenden Gemeinde in der Finnmark und Zentrum der Samen in Norwegen. Seine Eltern sind Samen und die Familie pflegt seit etlichen Generationen die samische Tradition und Kultur. Als Lemet 14 Jahre alt war, hatte er endlich einen Namen für das, was er schon immer fühlte: er ist schwul. Als er es kurze Zeit später seinen Eltern erzählte, haben sie überraschend offen reagiert. Das hat ihm geholfen, sich seit seinem 15. Lebensjahr für die Rechte von samischen Schwulen und Lesben einzusetzen.

Narvik_c_Oliver Noffke

Die Samen haben 1989 von der norwegischen Regierung ein eigenes samisches Parlament zugestanden bekommen, das aber letztlich nur Eingaben und Vorschläge machen kann, die dann vom norwegischen Parlament umgesetzt werden – oder eben nicht. Autark und mitbestimmt sieht anders aus, findet Lemet.

Wenn es kein Ticket zum Oslo-Pride ist, will ich es überhaupt nicht haben

In der samischen Kultur sind die Männer- und Frauenbilder noch extrem tradiert und fixiert. Ein Mann ist ein Mann – ist ein Mann. Punkt! Da ist es nicht verwunderlich, dass ihm immer wieder extremer Gegenwind ins Gesicht blies. Im Gespräch mit Lemet merke ich aber sofort, dass mir eine Kämpfernatur gegenübersitzt. Jemand der für das, an was er glaubt, brennt. In der Anfangszeit war seine Familie die größte Hilfe, die er hatte. Kurz vor seinem 18. Geburtstag, so erzählt er, hat sein Vater ihn gebeten, zu raten, welche Geburtstagsüberraschung auf ihn wartet. Lemets harsche Antwort: „Wenn es kein Ticket zum Oslo-Pride ist, will ich es überhaupt nicht haben“. Darauf der Vater: „Richtig! Und die ganze Familie kommt auch mit, um Dich in Oslo zu unterstützen.“ Gut für den, der solche Eltern hat.

Mitten in der Planung für die Parade platzte die Meldung, dass die protestantische Kirche ihren Priestern gestattet, gleichgeschlechtliche Trauungen auch in der Kirche vorzunehmen.

Im vergangenen Jahr hat Lemet die erste samische Pride Parade veranstaltet. In Karasjok, seiner Heimatstadt. 150 kamen! Für ihn war das ein Riesenerfolg. Mitten in der Planung für die Parade 2016 platzte die Meldung, dass die protestantische, norwegische Kirche ihren Priestern gestattet, gleichgeschlechtliche Trauungen auch in der Kirche vorzunehmen (MÄNNER-Archiv). Die Liturgie wurde entsprechen angepasst. Einzige Einschränkung: die Bischöfe können selber entscheiden, ob sie diese Trauungen in ihren Gemeinden zulassen, oder nicht. Der für die Finnmark zuständige Bischof hat sich sofort und vehement dagegen ausgesprochen. Grund genug für Lemet, die geplante Parade von Karasjok in das benachbarte Kautokeino zu verlegen. Mit 3.000 Einwohnern unwesentlich größer als Karasjok und zufälligerweise Bischofsitz. Lemet geht dahin, wo es wehtut, ganz bewusst.

Norwegen

Lemets Pride (Foto: privat)

Aber er ist nicht allein. Neben seiner Familie und Freunden, die ihn begleiten hat er seit Oktober letzten Jahres mit Jørgen einen Partner gefunden, der ihn auf seine ganz eigene Weise liebt und unterstützt. Jørgen (28) ist Norweger und stammt aus Narvik. Da es zwischen Trondheim und Tromsø keine einzige schwule Bar gibt, haben sie sich wo kennengelernt? Genau, im Internet. Jørgen hat Philosophie studiert. Immer wenn Lemet berechtigterweise in Rage gerät über fehlende Rechte, die Borniertheit der Unwissenden, oder Anfeindungen gegen ihn, kann Jørgen ihn mit seiner philosophischen Gelassenheit wieder auf den Boden zurück holen. Frei nach dem Motto: „Du musst immer auch das Ganze sehen“.

Norwegen

Lemet (li.) und Jørgen

Nach Lemets Zielen gefragt, sagt er: „Ich kämpfe dafür, dass wir alle irgendwann keine Bezeichnung mehr für „gay“ brauchen, weil wir ohnehin eins sind.“ Bemerkenswert für einen 24-jährigen, der damit auch der Integration seines Volksstamms helfen möchte. Obwohl er von der Mehrheit immer noch als Außenseiter betrachtet wird.

Der Sápmi Pride findet vom 25. bis 28. August statt.

Fotos: Oliver Noffke


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