Entschädigung mit BISS

Die Seniorenvertretung fordert Millionen um 175er zu rehabilitieren

Heiko Maas bekommt es derzeit von allen Seiten gleichzeitig: Nach seiner vollmündigen Ankündigung Mitte Mai (MÄNNER-Archiv), schnellstmöglich ein Entschädigungsgesetz für die Opfer des Paragrafen 175 nach 1945 verabschieden zu wollen, zog sich die SPD im Justizausschuß des Bundestages erst letzte Woche den Zorn der anderen Abgeordneten zu, weil sie es ablehnte, den Justizminister zur Berichterstattung über die Fortschritte beim Gesetz vor den Ausschuß laden zu lassen (MÄNNER-Archiv). Sogar die Justizminister der Länder stellten sich gegen ihren großen Bundesfürsten (MÄNNER-Archiv). Jetzt haben auch die Altenvertreter von BISS (Bundesinteressenveretung schwuler Senioren e.V.) keine Lust mehr auf „Wer sich zuerst bewegt, hat verloren oder ist noch nicht tot“. Das Konzept von BISS fordert neben der individuellen Entschädigung einen hohen zweistelligen Millionenbetrag als kollektive Entschädigung durch einen Entschädigungsfonds. In einer Pressemitteilung erläutern sie das Konzept:

Als Interessenvertretung älterer schwuler Männer, die den § 175 StGB miterlebten, verfolgt und verurteilt wurden, fordern wir die öffentliche Anhörung im Gesetzgebungsverfahren

„Bundesjustizminister Heiko Maas kündigte infolge eines Rechtsgutachtens zur Rehabilitierung und Entschädigung der nach § 175 StGB verfolgten und verurteilten Männer in der Bundesrepublik Deutschland einen Gesetzentwurf noch in dieser Legislaturperiode an. ‚Als Interessenvertretung älterer schwuler Männer, die den § 175 StGB miterlebten, verfolgt und verurteilt wurden, fordern wir die öffentliche Anhörung im Gesetzgebungsverfahren“, so Reinhard Klenke, Vorstand der Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren. „Der Gesetzgeber ist dem Rechtsgutachten zufolge verpflichtet, die Opfer nach § 175 StGB zu rehabilitieren und zu entschädigen. Dies kann nur mit den
betroffenen älteren schwulen Männern geschehen.“
Das Konzept von BISS fordert neben der individuellen Entschädigung einen hohen zweistelligen Millionenbetrag als kollektive Entschädigung durch einen Entschädigungsfonds.
Das Konzept von BISS fordert neben der individuellen Entschädigung einen hohen zweistelligen Millionenbetrag als kollektive Entschädigung durch einen Entschädigungsfonds. „Der § 175 StGB verhinderte die öffentliche Förderung Projekte schwuler Männer bis in die 1970er Jahre. Eine kollektive Entschädigung muss sich also an den Ausgaben der Bundesregierung für heutige LSBTI-Projekte
bemessen, die bis in die 1970er Jahre durch die grundgesetzwidrige Verfolgung nach § 175 den Projekten für schwule Männer entgangen sind“, fordert Georg Härpfer, BISS-Vorstand. „Wir schlagen daher vor,
die Ausgaben aller Projekte gegen Homophobie im Jahr der kommenden gesetzlichen Rehabilitierung als Maßstab zu verwenden und um die 20 Jahre von 1949 bis 1969 – dem Jahr der ersten großen Entschärfung des § 175 StGB – zu multiplizieren.‘
Wenn eine Interessenvertretung eine so deutliche Ansage macht, heißt das für die betroffenen Politiker vor allem eins: Jetzt aber mal Ballett, die Damen und Herren.
Aus diesem Entschädigungsfonds sollen Projekte für die Generationen gefördert werden, die den § 175 StGB miterlebten und unter diesem zu leiden hatten. Des Weiteren wird eine finanzielle Unterstützung der Bundesarbeitsgemeinschaft Schwulenberatung für die psychosoziale und rechtliche Beratung der Opfer nach § 175 StGB gefordert.“ Wenn eine Interessenvertretung eine so deutliche Ansage macht, heißt das für die betroffenen Politiker vor allem eins: Jetzt aber mal Ballett, die Damen und Herren.
Foto: Fotolia_william87

6 Kommentare

  1. Michael Fink

    Mein verstorbener Ex-Freund wurde in den 60er Jahren nach §175 verurteilt. Er hat bis zu seinem Lebensende seelisch und psychisch gelitten. Ich hoffe die Bundesregierung will die Wiedergutmachung nicht aussitzen bis auch der Letzte gestorben ist.

  2. Alexander Gallius

    Man sollte drüber nachdenken was man fordert für zukünftige Generationen. zuviel Forderungen schmälern eventuell mehr Akzeptanz für die Zukunft. Auch Wenns für vergangene hart sein mag, machen solche „Wiedergutmachung“, machen die Vergangenheit nicht ungeschehen. Also pro Zukunft oder pro Vergangenheit. …

  3. Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren

    Lieber Alexander, es gibt noch immer schwule Männer, die nach § 175 StGB verurteilt wurden, deren beruftliche Existenz vernichtet wurde, die heute mit einer kläglichen Rente auskommen müssen und die in ihren Altenheim noch immer über ihre Vergangenheit schweigen müssen. Das ist ihre Gegenwart. Es geht also nicht um pro Zukunft oder pro Vergangenheit. Das Thema eignet sich nicht für sogen. Generationenkonflikte.

  4. Rob H. Kea

    Ich bin auch dafür!!! Warum sollen wir Schwulen, uns wieder aus Angst vor der Zukunft, uns vor der Wiedergutmachung aus der Vergangenheit, verschliessen? Bzw darauf verzichten?
    Den Opfern steht eine Entschädigung zu! Warum sollte man darauf verzichten?!?!? Und das auch in angemessener Höhe!!!

  5. Alexander Gallius

    Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren es geht in der heutigen politisch gespannten lage sehr wohl um die richtung die man einschlagen will… mit aller macht irgendwas durchdrücken oder auch wenns schwer fällt mit blick auf die (unsere) zukunft… sich einfach mal ein wenig zurück halten…


Schreibe einen neuen Kommentar



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close