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„Gayby Baby“ kommt ins Kino

Die australische Regisseurin Maya Newell begleitet vier Kinder und ihre Regenbogenfamilien

„Ein Spermaspender ist jemand, der sein Sperma in ein Krankenhaus bringt, wo es in einen kleinen Container eingeschlossen und eingefroren wird, damit es frisch bleibt. Dann wird es zwei Frauen gegeben, die ein Baby haben wollen. So haben meine Mamas es gemacht. Und jetzt bin ich hier.“ So einfach ist das. Der 11-jährige Gus (den wir im Titelbild mit einer seiner Mütter sehen) hat keine Schwierigkeiten damit, Leuten zu erklären, wie das mit der lesbischen Mutterschaft funktioniert. Er hat auch keine Schwierigkeiten mit der Tatsache, dass er statt Mutter und Vater zwei Mütter hat. Dass diese beiden Mütter allerdings seine Leidenschaft für die Schaukämpfe der WWE-Wrestler beargwöhnen, weil sie Angst haben, er könnte sich bei ihnen frauenfeindliches Gedankengut abgucken, stinkt ihm gewaltig. Schließlich ist er gerade „auf der langen Straße zur Pubertät, wo man zum Mann wird“. Dabei will man nicht von Bedenkenträgern den Wind aus den Segeln genommen bekommen. Zumal das ja Quatsch ist, mit dem frauenfeindlichen Gedankengut. Sonst würde sich Gus bestimmt nicht am Lippenstiftregal im Kaufhaus die Lippen rot malen. Was die Mütter übrigens auch wieder verboten haben, nachdem die Verkäuferin geschimpft hat. Was für Spaßbremsen, diese Erwachsenen!

Gayby Baby

Matt (Foto: Gayby Baby)

Es ist diese bestechende Kinderperspektive, die „Gayby Baby“ so charmant macht. Die australische Regisseurin Maya Newell begleitet in dem Film vier Kinder und ihre Familien. Neben Gus kommt die 12-jährige Ebony zu Wort, die bei zwei gepiercten Punk-Müttern aufwächst, der ebenso alte Matt, dessen Mutter sich von seinem Vater getrennt hat, um mit einer Frau zusammenzuziehen, und Graham, ebenfalls 12, der mit seinen Vätern auf die Fidschis übersiedelt.

 Gayby Baby

Graham bei den Hausaufgaben (Foto: Gayby Baby)

Bei all diesen Kindern spielt der homosexuelle Lebensentwurf der Eltern eine Rolle. Ebony gibt zu, dass sie in der Schule selbst dumme Sprüche über Homos gerissen hat, bevor ihre Mutter mit einer Frau zusammenkam, Matt versteht nicht, warum seine Mutter ihn an eine Kirche binden will, die ihr die Hochzeit mit ihrer Freundin versagt, Graham wird von seinen Vätern dazu angehalten, in der neuen Schule auf den eher homophoben Fidschis zu verschweigen, dass er in einem schwulen Haushalt aufwächst. Die Konflikte, die die Kinder allerdings viel mehr umtreiben, sind andere. Bei Gus ist es das Verteidigen seiner Wrestling-Leidenschaft, bei Ebony der Traum von einer Karriere als Sängerin, bei Matt der Wunsch Footballer zu werden, bei Graham eine Lese- und Rechtschreibschwäche, die ihm die Schule erschwert. Eigene Wünsche und Hindernisse also wie bei allen Kindern. Ihre Familiensituation stellen die Kids dagegen nie infrage. Nur die Verbote der Eltern. Auch das ist wie bei allen anderen Kindern. Keine großen Auffälligkeiten also.

Kurzum: Dies ist kein Film über die Probleme der Homo-Elternschaft, sondern über die Lebenswelt von Heranwachsenden. (In der vergangenen Woche hat Bundesgerichtshof erstmals einem lesbischen Paar bestätigt, dass sie die Geburtseltern ihres Kindes sind – MÄNNER-Archiv). Der bekloppte Titel verfehlt das Thema somit völlig, aber sonst hat Maya Newell vieles richtig gemacht. Mehr zum Film steht in MÄNNER 6.2016!

Rund um den Kinostart des australischen Dokumentarfilms am 23. Juni finden in mehreren Städten Sonderveranstaltungen mit Gästen statt. Die Produzentin und Ko-Autorin Charlotte Mars spricht auf ihrer Kinotour durch Deutschland im Anschluss an die Vorführungen über ihren Film. Sie wird in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Leipzig, München und Passau Station machen.

Termine

Titelbild: Gayby Baby


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